Türkei Touristen machen Hoffnung

Touristenströme wie die hier in Ölüdeniz an der Westküste der Türkei sollen Geld in Erdoğans Haushaltskasse spülen.

(Foto: Chris McGrath/Getty Images)

Die Regierung freut sich über die Belebung des Konsums und die etwas stabilere Währung.

Von Christiane Schlötzer, Istanbul

Die Hoffnung ist 204 Meter lang und lag zwei Tage vor dem Topkapı Palast vor Anker. Die "Regent Seven Seas Voyager" war das erste Kreuzfahrtschiff seit vier Jahren, das in Istanbul anlegte. Zur Begrüßung gab es Wasserfontänen und osmanische Militärmusik. Regierungszeitungen bejubelten die Ankunft, als sei damit ein Bann gebrochen.

Die Türkei steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, die Inflation ist hoch, der Wert der Lira schwankend. Deshalb wird die Rückkehr der Touristen nach Istanbul gefeiert wie ein Zeichen für eine Wende zum Besseren. An der türkischen Südküste sind die Buchungen schon wieder recht gut, nach mehreren Jahren, in denen viele Betten und Strände leer blieben. Anschläge, ein Putschversuch im Juli 2016 und Zehntausende Verhaftungen und Prozesse gegen Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatten viele abgeschreckt.

Die Voyager hat am Freitag wieder abgelegt. Der Tag bedeutete für die Türken auch die Rückkehr in den Alltag nach drei Tagen Zuckerfest zum Abschluss des Ramadan. Das Fest hat den Konsum belebt. Die Lira zeigte sich vor dem Wochenende etwas stabiler als in den Tagen davor. Schon Ende Mai hatte Finanzminister Berat Albayrak angekündigt, drei türkische Staatsbanken würden die unter der schwachen Währung leidenden Importeure bis Jahresende mit einem Hilfspaket von 30 Milliarden Lira (rund 4,4 Milliarden Euro) stützen. Es ist bereits das zweite Paket, im April wurden den Energieunternehmen günstige Darlehen versprochen.

Vor allem Importeure leiden, denn sie müssen ihre Waren in Euro oder Dollar bezahlen. Die Lira hatte nach einer heftigen Krise im amerikanisch-türkischen Verhältnis im vergangenen Sommer bis Jahresende etwa 30 Prozent an Wert verloren. Seitdem schwankt der Kurs fast täglich, und die nächste Krise steht womöglich schon bevor: Das Nato-Mitglied Türkei hat vor einer Weile russische Abwehrraketen vom Typ S-400 gekauft, sie sollen in wenigen Wochen geliefert werden. Amerika sieht damit die Sicherheit der Nato gefährdet, Washington droht mit Sanktionen. Erdoğan hat mehrfach versichert, an dem Kauf werde nicht gerüttelt.

Hinter den Kulissen aber wird in Ankara offenbar noch nach einer Lösung gesucht, denn ein neuer Höllensturz der Lira dürfte die Chancen der Regierungspartei AKP deutlich verschlechtern.

Finanzminister Albayrak, Erdoğans Schwiegersohn, ist gewöhnlich für die guten Nachrichten zuständig: Er zeigte sich jetzt überzeugt, dass die Inflation "in drei Monaten" wieder einstellig werden würde. Das scheint im Moment noch wenig realistisch. Im Mai waren die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 18,7 Prozent gestiegen.