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TTIP-Papiere:Tierversuche werden bei TTIP zum Streitpunkt

Es ist unklar, ob sich die in Tierversuchen gewonnenen Erkenntnisse auf Menschen übertragen lassen. Für diese Labormaus gibt es wohl kein Entkommen.

(Foto: mauritius images)

Bei den TTIP-Verhandlungen wird auch darüber gesprochen, ob Kosmetika an Tieren getestet werden müssen. Europa sagt nein - die USA sehen das ganz anders.

Die Zahl der Versuchstiere in deutschen Laboren liegt seit Jahren bei etwa 2,8 Millionen. Um die Verträglichkeit von Wimperntusche, Hautcremes oder Lippenstift zu testen, dürfen sie allerdings schon lange nicht mehr eingesetzt werden. 2004 setzten Tierschützer dies nach langem Kampf durch, die Europäische Union sprach ein Versuchsverbot für Kosmetika aus. Seit 2009 dürfen auch keine Inhaltsstoffe für diese Produkte mehr zugelassen werden, die an Tieren getestet wurden.

Ausgerechnet diese grausamen Testverfahren sind nun offenbar ein Streitpunkt bei den laufenden TTIP-Gesprächen. Während die USA an Tierversuchen für Kosmetika festhalten, lehnen die Europäer dies ab. Das geht aus den bisher geheimen Verhandlungsdokumenten hervor und schreckt Tierschützer auf. Irmela Ruhdel vom Deutschen Tierschutzbund hat lange für ein Verbot gekämpft. "Natürlich hoffen wir, dass die in der EU hart erkämpften Tierschutzstandards auch zukünftig beibehalten werden." Sie befürchtet jedoch in den Verhandlungen Abstriche.

Das lässt sich so jedoch aus den Verhandlungsdokumenten nicht herauslesen. Was die Papiere zeigen ist, dass die Vereinigten Staaten bei manchen Kosmetika, etwa Sonnenmilch mit UV-Strahlenschutz, auch weiterhin Tierversuche vorschreiben wollen - weil sie das für sicherer halten, um etwa Krebsrisiken abzuklären. Die EU-Verhandler argumentieren, dass dies auch mit alternativen Testmethoden gehen kann.

Versuchstiere werden so in den TTIP-Gesprächen zur Handelsbarriere - und die wollen beide Seiten erklärtermaßen überwinden. Wie, ist in diesem Fall allerdings unklar. Die Amerikaner haben viele Wünsche, die Europäer auch. Eine gemeinsame Linie ist in den Papieren nicht erkennbar.

Für europäische Hersteller kommt das Beharren der US-Seite auf Tierversuchen einem Importverbot nahe, weil sie diese nach europäischen Vorschriften nicht machen dürfen. Umgekehrt dürfen US-Produzenten aber auch keine Kosmetika in die Europäische Union schicken, die an Tieren erprobt wurde.

Moderne Testverfahren sollen die umstrittenen Versuche ersetzen

In der Industrie hofften sie dennoch auf eine Lösung. Die enthüllten Dokumente enttäuschen solche Erwartungen jedoch. Darin ist beispielsweise zu lesen: "Die USA bestätigten, dass der UV-Strahlenschutz weiter einer Sicherheitsprüfung unterworfen wird, die auf Tier-Studien zu Krebsrisiken basiert", diese könnten EU-Firmen aber nicht liefern. So schreibt die Brüsseler Kommission in einer vertraulichen Einschätzung der Verhandlungsrunde im Februar. Daraus folgern die EU-Verhandler: "Die Vorgehensweisen der EU und der USA bleiben unvereinbar. Die Probleme der EU auf dem amerikanischen Markt bleiben daher bestehen."

Also kein Handel mit Kosmetika, weil Europa zum Wohl unzähliger Lebewesen Tierversuche untersagt? Das ist eine harte Botschaft für ein so großes Handelsabkommen, das doch transatlantische Differenzen überbrücken soll. Weil diese Botschaft auch für Europas Bürger schwer verdaulich ist, strich sie die Kommission lieber aus der Version der offiziellen Analyse, die sie auf ihrer Website veröffentlichte.

Der deutsche Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel stellt für TTIP klare Forderungen. Der "hohe europäische Qualitäts- und Produktsicherheitsstandard" müsse weiterhin Bestand haben, das Tierversuchsverbot werde von den Herstellern unterstützt, heißt es dort in einer Stellungnahme. Tierschützerin Ruhdel ist fest davon überzeugt, dass es auch ohne Tiere geht: "Mit neuen, modernen Testmethoden lässt sich die Sicherheit von Verbrauchern besser gewährleisten als mit veralteten, nie wirklich wissenschaftlich geprüften Tierversuchen."

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