TTIP-Papiere:Scheitert TTIP am Champagner?

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(Foto: SZ-Grafik; Quelle: Europäische Kommission)
  • Aus den veröffentlichten TTIP-Papieren geht hervor, wie vehement die EU-Unterhändler versuchen, europäische Winzer zu schützen.
  • In den USA gelten bestimmte Markenschutzrechte nicht, dort werden Weine unter Namen wie "Burgundy" oder "Californian Champagne" angeboten.
  • Ob sich die USA in den TTIP-Verhandlungen darauf einlassen, die Rechte europäischer Winzer zu stärken, ist fraglich.

Von Jan Willmroth

Die Europäische Union versorgt die Welt mit Wein, niemand exportiert mehr. In Ländern wie Frankreich und Italien ist der Weinanbau nicht nur ein wichtiger Wirtschaftszweig, Wein ist dort identitätsstiftend. Champagner, Burgunder oder Chianti, das sind nationale Heiligtümer. Die Zustimmung mächtiger EU-Mitgliedstaaten zu TTIP hängt nicht zuletzt davon ab, wie Europas Weinwirtschaft in den Verhandlungen wegkommt. Das weiß auch die Brüsseler Kommission.

Aus den Verhandlungstexten geht hervor, wie offensiv die EU-Vertreter versuchen, ihre Winzer mit dem Abkommen zu stärken. Die EU-Seite hat ihre Forderung erneuert, dass TTIP "umfassende Regeln" für Wein und Spirituosen enthalten müsse, und zwar basierend auf bisherigen Abkommen. Damit soll sichergestellt werden, dass Weine immer das sind, was sich die Europäer darunter vorstellen.

Streit um "Burgundy" und "Californian Champagne"

Ein Streitpunkt ist die Forderung, Produzenten in den USA künftig die 17 Wein- Namen zu verbieten, die sie laut einem Weinhandels-Abkommen von 2006 ausnahmsweise nutzen dürfen. Weine aus Kalifornien heißen deshalb "Burgundy", "Chianti" oder "Chablis", sogar "Californian Champagne" steht in den USA in manchem Regal. Für französische Traditionskellereien ein Unding, müssen doch Champagner-Hersteller in der EU strenge Auflagen erfüllen, damit ihr Produkt so heißen darf.

Nach dem Wunsch der EU soll damit bald Schluss sein. Doch die USA, so steht es in einer vertraulichen Darstellung des Verhandlungsstands, hätten "ihren Widerstand gegen die Aufnahme von Wein-Regeln in TTIP bekräftigt". Auch die Subventionen für kleine europäische Wein- und Bierproduzenten stellen die US-Verhandler infrage. Die EU hingegen habe "starke Bedenken geäußert und wird auf politischer Ebene nachfassen".

Es geht um viel Geld. Im vergangenen Jahr erreichten die europäischen Weinexporte ein Rekordniveau. Dem Europäischen Komitee der Weinunternehmen (CEEV) zufolge wurde Ware im Wert von 9,8 Milliarden Euro verschifft, Amerika ist mit einem knappen Drittel davon der mit Abstand wichtigste Markt. Umgekehrt ist Europa größter Abnehmer von US-Wein. 2015 waren die EU-Exporte um 18 Prozent im Jahresvergleich gestiegen.

An anderer Stelle wird deutlich, dass die USA ein Wein-Kapitel womöglich akzeptieren würden. Doch beim Geschacher um Zollerleichterungen, heißt es in einem der Papiere, behalte sich die US-Seite "Wein, Zucker und Käse als Hebel" vor. Für die USA bleiben Europas Wein-Interessen also ein willkommenes Druckmittel.

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