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Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller:"Wer will schon die Quotilde sein?"

Nicht der Sohn, nicht der Schwiegersohn - Tochter Nicola folgte vor fünf Jahren auf Berthold Leibinger als Chefin beim Maschinenbau-Unternehmen Trumpf. Ein Gespräch mit Leibinger-Kammüller über die Frauenquote und familienfreundliche Unternehmen.

Sie hat als promovierte Germanistin ihre "Buddenbrooks" parat, wenn es um die Geschäfte des eigenen Familienunternehmens geht. Ansonsten eine Menge schwäbischen Pragmatismus im Blut: Nicola Leibinger-Kammüller, 51, hat den Maschinenbauer Trumpf zu Rekordumsätzen geführt. Den kommenden Abschwung sieht sie gelassen. Aber die Unternehmerin weiß: Schlechte Prognosen und politisches Hickhack beeinflussen die Gemütslage ihrer Kunden. Bei Euro und Quote scheut sie unbequeme Meinungen nicht.

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Es gibt weniger Frauen als Männer in Führungsjobs.

(Foto: dapd)

SZ: Frau Leibinger-Kammüller, worüber wollen wir reden, übers Geschäft oder die Frauenquote?

Nicola Leibinger-Kammüller: Zur Frauenquote ist doch alles gesagt. Ich bin natürlich dagegen.

SZ: Natürlich?

Leibinger-Kammüller: Das haben wir Frauen doch gar nicht nötig! Wer will denn schon gern die Quotilde sein? Außerdem wäre eine gesetzliche Quote ein weiterer Eingriff des Gesetzgebers in die Unternehmen, davon haben wir nun wirklich schon genug. Der Staat kann es uns überlassen, wie viele Frauen wir einstellen. Abgesehen davon wäre eine Frauenquote total unrealistisch.

SZ: Warum?

Leibinger-Kammüller: Wenn ich mir unser Unternehmen anschaue: Noch nicht einmal zehn Prozent der Absolventen im Maschinenbau sind Frauen. Da ist es schwierig, eine bestimmte Anzahl Frauen innerhalb einer Frist in bestimmte Führungspositionen zu hieven.

SZ: Kritiker werden sagen, Sie bemühten sich zu wenig.

Leibinger-Kammüller: Oh doch, ich bemühe mich, und wie! Ich dränge die Personalabteilung: Sucht Frauen, gebt nicht zu früh auf, macht lieber noch mal eine Bewerberrunde. Aber eines ist auch klar: Wenn ich einen Bewerber und eine Bewerberin habe und der Mann ist besser, dann nehme ich den.

SZ: Und wenn beide gleich gut sind?

Leibinger-Kammüller: Dann würde ich wahrscheinlich der Frau den Vorzug geben.

SZ: Welche Mischung streben Sie langfristig an?

Leibinger-Kammüller: Wir haben jetzt einen Frauenanteil von 20 Prozent in der Firma insgesamt. Auf der Führungsebene sind es zehn Prozent. Das ist mir natürlich zu wenig. Aber ich sehe nicht, dass wir die Quote in der nächsten Zeit auf 50 Prozent bringen können. Ich wäre schon über 30 Prozent froh.

SZ: Braucht es eine Frau an der Spitze eines Unternehmens, damit sich wirklich etwas ändert?

Leibinger-Kammüller: Es geht vielleicht leichter. Aber das kann natürlich auch durch einen fortschrittlich denkenden Mann geschehen.

SZ: War Ihr Vater als Chef so einer?

Leibinger-Kammüller: Er hat in vielem sehr fortschrittlich gedacht, aber das Thema Frauenförderung gehörte eher nicht dazu. Er gehört auch einer ganz anderen Generation an. Mein Vater ist fast 81! Meine Mutter hat auch studiert, sie hat meinen Vater unterstützt und maßgeblich zur Entwicklung der Firma beigetragen. Aber die Rollen waren klar: Mein Vater war im Unternehmen, und meine Mutter war mit uns Kindern zu Hause.

SZ: Bei Ihnen ist das heute anders. Da arbeiten beide Eltern; Sie sogar als Vorgesetzte von Ehemann und Bruder.

Leibinger-Kammüller: Ja, und das gilt auch für meine Schwester. Sie und ihr Mann führen in Berlin ein Architekturbüro mit 50 Mitarbeitern. Unsere Generation hat einfach ganz andere Voraussetzungen.

SZ: Über kurz oder lang kommen Sie schon wegen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels nicht mehr an Frauen vorbei. Sie brauchen Ingenieurinnen. Sie haben drei Söhne und eine Tochter. Kann man Kinder so erziehen, dass sich Mädchen und Jungen gleichermaßen für technische Berufe interessieren?

Leibinger-Kammüller: Die Voraussetzungen wären bei uns hervorragend, weil uns ein Hochtechnologieunternehmen gehört und mein Vater, mein Mann und mein Bruder Ingenieure sind. Aber wofür interessiert sich meine Tochter? Für das Gleiche wie die Mutter: Sie liest wie verrückt, hört gern Musik und ist an Kunst interessiert. Und hat Mathematik, sagen wir mal: nicht ganz so weit oben auf ihrer Prioritätenliste...