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Trump und die Autokonzerne:Trumps Märchen von der deutschen Auto-Dominanz

Autoproduktion im VW-Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. VW beschäftigt dort 2100 Mitarbeiter.

(Foto: Erik Schelzig/AP)
  • Der US-Präsident beschwert sich mal wieder über die angebliche Dominanz der deutschen Autohersteller in den USA.
  • Doch damit irrt er. Amerikanische und japanische Hersteller verkaufen weit mehr Fahrzeuge in den Staaten.

Eigentlich ist doch alles wieder gut mit Donald Trump, so dachten sie in den Konzernzentralen in Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart und München in den vergangenen Wochen. Sie hatten dem US-Präsidenten so viel gezeigt, seinen Ministern und Beamten so viel erklärt - dem müsse doch klar geworden sein, dass der Unwillen gegen deutsche Autohersteller reichlich unbegründet ist. Die Lektion war: Die Deutschen verdienen nicht nur Geld in den USA, sondern schaffen auch Jobs.

Doch am Donnerstagabend hat der Zwist aufs Neue begonnen. "Schauen Sie sich die Millionen Autos an, die sie in den USA verkaufen - fürchterlich!" Trumps Klage während seines Besuchs in Brüssel klang so ähnlich wie damals zu Jahresbeginn. Nur noch schärfer. Zur Erinnerung, seine Worte im Januar, die damals schon die Deutschen in Unruhe versetzten: "Wenn man durch die 5th Avenue geht, hat jeder einen Mercedes-Benz vor seinem Haus stehen", sagte der Politiker und Immobilienmilliardär über seinen Wohnort in New York. Das sei "unfair", beklagte er. Wo seien im Gegenzug US-Autos auf deutschen Straßen zu sehen?

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Auch BMW kam heftig unter Beschuss - die sollten bloß ihre Pläne eines Werkes in Mexiko begraben, sonst kämen 35 Prozent Steuer auf sie zu. Schlechte Nachrichten, denn die Deutschen verkauften im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Autos in den USA. Unmittelbar nach dem Gemotze mit dem Autobesatz in der 5th Avenue versucht man hierzulande gegenzusteuern. Sigmar Gabriel, damals noch Wirtschaftsminister, erwiderte knapp: Die Amerikaner sollten halt bessere Autos bauen. Wenn man die halbe Million Fahrzeuge wegrechnet, die Ford und Opel in Deutschland verkaufen - beides letztlich US-Hersteller - sind außer Jeeps (14 782 verkaufte Wagen in 2016) und Teslas (1908) tatsächlich keine US-Wagen mehr auf deutschen Straßen zu sehen.

Bei den Herstellern wehrte sich allen voran BMW. Ein ums andere Mal haben die Manager erzählt, dass das Werk Spartanburg mittlerweile das größte im Konzern ist, größer als das in Dingolfing. USA vor Lower Bavaria, das ist doch was. Zumal dieses Werk so groß ist, dass viele Autos gar nicht in den USA selbst verkauft werden - in der Folge ist der bayerische Hersteller BMW der größte Autoexporteur der USA. Im März saß BMW-Chef Harald Krüger als Teil einer Kanzlerinnen-Delegation gar im Weißen Haus und sprach davon, dass die USA "Second Home" für BMW seien, die zweite Heimat. Der Präsident zeigte sich beeindruckt: vielleicht werde er zur 25-Jahr-Feier des Werkes vorbeischauen. Und schickte in der vergangenen Woche vorab seinen Arbeitsminister Alexander Acosta nach München.

"Ein Dankeschön an den Vorstandsvorsitzenden Krüger und das BMW-Team für den herzlichen Empfang heute - und dafür, dass sie in ihrem Werk in Spartanburg 9000 Arbeiter beschäftigen und in den Vereinigten Staaten direkt und indirekt 70 000 Arbeitsplätze schaffen", erklärte der Arbeitsminister. Er freue sich auf eine weitere Zusammenarbeit. Doch das war vergangene Woche. Lange her. Was gilt denn nun?, fragen sie sich bei BMW. Acostas Chef, Präsident Trump, hat den Gegenbesuch übrigens noch nicht abgesagt für die Feier Ende Juni. Falls er kommt, würde es sich anbieten, dass sie auch die Kollegen von Daimler dazu holen. Denn ihnen, den ebenfalls Angegriffenen, geht es ähnlich. Knapp die Hälfte der in ihrem Werk Tuscaloosa produzierten Autos geht in den Export. Rechnet man die BMW- und Mercedes-Fabrikarbeiter und die Verkäufer, Mechaniker und Lastwagen-Schrauber des Volkswagen-Konzerns zusammen, arbeiten insgesamt 33 000 Menschen in den USA für deutsche Hersteller - und dazu 77 000 bei deutschen Autozulieferern.

Viele Jobs, viele Autos, aber in der Relation sind die Deutschen eigentlich so bedeutsam auch wieder nicht. Wer in den USA auf die Straßen schaut, sieht viele große US-Pick-ups und asiatische Limousinen. Tatsächlich findet sich kein deutscher Konzern unter den Platzhirschen: General Motors führt mit einem Marktanteil von 17,5 Prozent, vor Ford und dem japanischen Hersteller Toyota. Erst weiter hinten kommen Audi, BMW, Mercedes und VW. Ihr Marktanteil zusammengenommen: 7,6 Prozent.

Das ist weit entfernt von Dominanz. Dass die Wahrnehmung des US-Präsidenten eine andere ist, mag daran liegen, dass sich Trump in den besseren Vierteln dieses vielfältigen Landes aufhält. Tatsächlich sind in Manhattan, in Los Angeles oder auch im Silicon Valley viele deutsche Premiumwagen zu sehen, weil dort viele Leute wohnen, die sich das leisten können. Es mag aber auch damit zu tun haben, dass die US-Autobranche schwächelt. Erstmals seit 2009 kaufen die Verbraucher in den USA wohl weniger Autos als im Vorjahr. Das bedeutet: Die Produktion stagniert oder wird gar zurückgefahren. Weniger Jobs, statt wie von ihm versprochen mehr Jobs. Ford macht den Anfang, bereits im vergangenen Jahren brach der Gewinn um 38 Prozent ein. Zugleich stiegen die Kosten. Jetzt will Ford Stellen streichen, 1400. In Nordamerika, Asien. Aber nicht an seinen vier deutschen Standorten.

© SZ vom 27.05.2017/jps
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