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US-Handelspolitik:Unzählige Firmen beschweren sich

Nach Angaben von Index Juárez summieren sich allein die bisherigen Schäden für die Firmen der Region auf über zwei Millionen Dollar pro Tag. Der mexikanische Transportverband Canacar spricht von 800 000 Dollar, die nur die Spediteure im Raum Juárez alle 24 Stunden verlieren, weil ihre Lastwagen zehn, zwanzig, manchmal dreißig Stunden an den Kontrollstellen festhängen. Manche Lkw-Fahrer passierten die Grenze noch im März viermal am Tag, nun schaffen sie gerade noch eine Tour pro Schicht. Hinzu kommen Schadenersatzzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe, die mexikanische Unternehmen wegen nicht rechtzeitig gelieferter Waren an ihre US-Kunden zahlen müssen.

Auch auf der anderen Flussseite, im texanischen El Paso, klagt man über Trump. Zwar habe man noch keine konkreten Schadenssummen, sagt ein Mitarbeiter eines örtlichen Industrieverbands, der nicht namentlich genannt werden will. Unzählige Firmen beschwerten sich aber über ausbleibende Lieferungen und das Chaos an der Grenze. In vielen anderen Orten sieht es nicht besser aus: Auch in Tijuana etwa reichen die Autoschlangen derer, die ins amerikanische San Diego wollen, bis weit in die Stadt zurück, wie ein Augenzeuge sagt. Jeden Tag überqueren hier mehr als 100 000 Bürger die Grenze in beide Richtungen, darunter neben Arbeitern und Lieferanten auch viele Menschen, die in der Nachbarstadt Familienangehörige besuchen, einkaufen oder zum Arzt wollen.

Was passiert, wenn die Grenze plötzlich ganz dicht ist, zeigte sich im letzten Dezember, als die Regierung Trump den Übergang San Ysidoro nach Streitereien zwischen US-Beamten und einer Gruppe Migranten schloss: Obwohl die Sperrung nach nur fünf Stunden wieder aufgehoben wurde, verlor die Wirtschaft in San Diego nach Angaben örtlicher Behörden mehr als fünf Millionen Dollar an Umsätzen. Sollten die Schlagbäume tatsächlich einmal länger unten bleiben, wie Trump es immer wieder androht, kämen allein auf die USA dreistellige Milliardenschäden zu, wie die Ökonomen Kadee Russ und Aaron Sojourner errechnet haben. Die US-Handelskammer erklärte gar, eine Abriegelung der Südgrenze wäre "noch zerstörerischer als ein Handelskrieg mit den Chinesen."

Mit Avocado-Toasts und Margaritas wäre dann binnen Wochen Schluss

"Sicherheit ist wichtiger als Handel", tönt dagegen Trump, wohl wissend, dass Hetze gegen Latinos bei vielen Kernwählern gut ankommt. Doch selbst viele Amerikaner bezweifeln, dass das Gros der Migranten, die über Mexiko an die US-Grenze kommen, tatsächlich eine Gefahr darstellt. Unstrittig hingegen ist, dass eine Schließung der Grenze die US-Verbraucher hart träfe: Fast die Hälfte allen Gemüses, 40 Prozent aller Früchte und ein ordentlicher Teil des Alkohols, den die Amerikaner konsumieren, wird aus Mexiko eingeführt. Mit Avocado-Toasts und Margaritas wäre dann binnen Wochen Schluss. Die Autoindustrie müsste die Produktion gar mancherorts einstellen, schließlich kann ein Pkw kaum ohne Hauptkabelstrang oder Auspuffanlage ausgeliefert werden.

Doch alle wirtschaftlichen Schäden verblassen neben den menschlichen Schicksalen, die Trump schon heute mitzuverantworten hat. Doktor Christian Cumplido Uribe, Leiter der Blutbank eines Krankenhauses in Juárez, berichtet von Blutproben mexikanischer Patienten, die in den USA untersucht werden sollten und jetzt "unwiederbringlich verloren" seien, weil sie in den Staus auf den Grenzbrücken verdarben. "Wir steigen nun sogar auf den Lufttransport um, was sowohl die Kosten als auch die Risiken deutlich erhöht. Wir müssen permanent improvisieren", beklagt der Arzt. Für die Kranken, die sehnsüchtig auf die Testergebnisse und eine entsprechende Behandlung warteten, sagt Cumplido dem NDR und der Süddeutschen Zeitung, sei das eine Katastrophe.

© SZ vom 30.04.2019/lüü
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