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Größte Drogeriekette soll saniert werden:Schlecker meldet Insolvenz an

Deutschlands einst größte Drogeriekette Schlecker steckt in den roten Zahlen und ist zahlungsunfähig - zumindest "kurzfristig". Offenbar ist ein geplanter Zwischenkredit nicht zustande gekommen. Ziel ist es nun, Teile des Filialnetzes zu erhalten und das Unternehmen zu sanieren. Konkurrent Rossmann nannte die Entwicklung absehbar.

Die größte deutsche Drogeriekette Schlecker ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen bestätigte, "kurzfristig" in eine Planinsolvenz zu gehen. Eine Planinsolvenz lässt dem bisherigen Geschäftsführer mehr Rechte als eine klassische Insolvenz. Ziel des Verfahrens sei es, einen großen Teil des Filialnetzes zu erhalten und damit auch der etwa 30.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen. Ein Sprecher des Amtsgerichts Ulm sagte, bislang seien noch keine Unterlagen eingetroffen.

Aktuell habe eine geplante Zwischenfinanzierung nicht sichergestellt werden können, erklärte ein Unternehmenssprecher. Daher könnten die weiteren Maßnahmen der aktuell laufenden Restrukturierung nicht so umgesetzt werden, wie geplant. Um welchen Betrag es geht, wollte der Sprecher nicht sagen.

Das Scheitern der Finanzierung hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die Geschäftsführung überrascht.

Zahlreiche Filialen werden geschlossen

Die Gewerkschaft Verdi fordert vom Eigentümer "volles Engagement" zur Rettung der Arbeitsplätze. "Anton Schlecker trägt als Eigentümer persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Besonders in einem solchen Falle gelte, dass Eigentum verpflichte. Gemeinsam mit den Betriebsräten und den Betroffenen werde die Gewerkschaft nun beraten, "welche konkreten Schritte kurzfristig eingeleitet werden müssen".

Schlecker sei im Dezember mit der Bitte um Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag an Verdi herangetreten, teilte die Gewerkschaft mit. Das Unternehmen schließt derzeit bundesweit Hunderte von Filialen. Erst vor wenigen Tagen waren neuen Schließungspläne für rund 600 Läden bekanntgeworden. Die Drogeriekette aus Ehingen bei Ulm hat derzeit rund 7000 Filialen in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal.

Die Schließungswelle und eine Umgestaltung etlicher Filialen sollte eigentlich helfen, in diesem Jahr wieder aus den roten Zahlen zu kommen. Doch offenbar greifen die Maßnahmen zu spät - und Schlecker wählt nun den harten Weg einer Planinsolvenz.

Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz um etwa 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete das Unternehmen erneut mit sinkenden Erlösen, genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Angaben zum Gewinn oder Verlust macht Schlecker wie viele Einzelhandelsriesen traditionell nicht. Im Ausland beschäftigt die Drogeriekette circa 17.000 Menschen.

Auch Sicht des Konkurrenten Rossmann kommt die Pleite nicht unerwartet. Dirk Roßmann, Gründer der Drogeriekette Rossmann, sagte: "Die Insolvenz ist eine Katastrophe für die Mitarbeiter und die Inhaberfamilie, die ich seit über 35 Jahren persönlich kenne." Die rückläufigen Erlöse und der geringe Durchschnittsumsatz der einzelnen Filialen hätten die Entwicklung in der Branche absehbar gemacht.

© sueddeutsche.de/dpa/hgn

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