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Tropenholz mit Umweltzertifikat:Rendite aus dem Regenwald

Ein Schweizer Unternehmen versucht, mit Edelhölzern Geld zu verdienen und trotzdem die Natur zu schützen. Dafür gibt es Preise und Lob von Greenpeace.

Peter Burghardt

Gewaltige Stämme stapeln sich auf dem Gelände der Firma Precious Woods bei Itacoatiara unter der Tropensonne, mitten im brasilianischen Bundesstaat Amazonia. Es sind exotische Riesen vom Typ Massaranduba, Agelim Vermelho, Louro Gamela und andere Sorten, erstklassiges Hartholz für Möbel, Parkett, Brücken.

(Foto: Foto: AP)

Polierte Proben sind im Ausstellungsraum zu besichtigen. Hinten in der Fabrik wird das wertvolle Material von kreischenden Maschinen geschnitten, furniert oder in Leisten und Regale verwandelt. Lastwagen und Schiffe schleppen es dann zum Atlantik und den Märkten der Welt.

So ähnlich wie hier sieht es in vielen Sägewerken aus. Doch wer genauer hinschaut, der entdeckt gelbe Marken mit langen Nummern. Denn hier wird jeder einzelne Baum mit Schweizer Präzision ausgewählt und registriert - für das Geschäft und für die Natur.

Die gedeiht in dieser Gegend wie kaum irgendwo auf dem Planeten, einerseits. Von der Regionalhauptstadt Manaus sind es ungefähr 250 Kilometer und drei Stunden Fahrt bis zu dieser Filiale, die Fernstraße führt durch den Dschungel, vorbei an einzelnen Siedlungen. Gleich nebenan fließen der Amazonas und seine Nebenarme, das gewaltigste Fluss-System der Erde.

Begehrtes Zertifikat

Es ist Synonym für den umfangreichsten Regenwald des Globus, die Lunge der Menschheit. Andererseits wird durch den Kahlschlag alle acht Sekunden ein Areal von der Größe eines Fußballplatzes gelichtet und jedes Jahr ein Gebiet von den Ausmaßen Belgiens.

Insgesamt hat der Großraum Amazonien seit den siebziger Jahren 17 Prozent seiner Fläche verloren, Brandrodungen verstärken den Klimawandel. Skrupellose Holzfäller sind daran wesentlich beteiligt. Doch hier versucht eine Holzfirma den Gegenentwurf. Mit dem Gütesiegel FSC.

Das Kürzel FSC steht für Forest Stewardship Council und ist das internationale Zertifikat für nachhaltige Forstwirtschaft. Das wichtigste Prädikat der Precious Woods Holding AG mit Sitz in Zug, die hier in Itacoatiara Bäume fällt. 1990 begannen Schweizer Investoren mit Hilfe von Fachleuten, verlassenes Weideland in Costa Rica aufzuforsten.

1994 entstand Precious Woods Amazon, inzwischen die wichtigste Vertretung des Mutterhauses mit 435.000 Hektar Land und 600 Mitarbeitern; weltweit sind es mehr als 2000. 1997 bekam diese Zweigstelle den Ritterschlag namens FSC, später auch der Stützpunkt in Costa Rica.

Heute ist der Konzern auch in Brasiliens Region Pará tätig, in Nicaragua, im Kongo und in Gabun. Precious Woods ist an der SWX Swiss Exchange notiert. Das Unternehmen kaufte in Itacoatiara einen Betrieb zur Holzverarbeitung und baute ein Kraftwerk, in dem der Abfall in Energie umgewandelt wird. Es ist der ungewöhnliche Versuch, mit Edelholz Geld zu verdienen und trotzdem die Umwelt zu schützen.

Gnadenloser Kahlschlag

Anderswo wird gnadenlos gefällt. Gewöhnlich rücken erst die Räumkommandos an, schlagen Schneisen und mähen wahllos die prächtigsten Bäume nieder. Viele haben dafür keine Genehmigung, die Gesetze werden dank bestechlicher Behörden mühelos umgangen.

Holzhändler verkaufen ihre illegale Beute an Abnehmer, denen die Herkunft egal ist. Danach wird Feuer gelegt, es folgen Viehzüchter und Sojabauern. Bei Precious Woods dagegen wird nur geschlagen, was nachwächst, nach einem ausgeklügelten System mit möglichst minimalem Schaden. "Wir kopieren hier die Natur, sie müssen im Urwald balancieren", sagt Tim van Eldik, holländischer Forstwirt und Leiter des Projekts Itacoatiara.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Umweltaufsicht das Unternehmen bestrafen will.

Rendite aus dem Regenwald

Bei der ökologischen Verwaltung der wertvollen Ressourcen hilft Hightech wie bei der Nasa. Die firmeneigenen Grundstücke sind eingeteilt in Planquadrate, quantifiziert mit Hilfe des Computers.

Jeder Baum ist nach Typ, Größe und Alter aufgelistet. Die Holzfäller von Precious Woods fallen nicht mit der üblichen Brachialmethode ein und machen alles nieder. Gestürzt werden vielmehr nur zehn Prozent der Bestände. Es trifft nur bestimmte Arten und Exemplare in exakten Abständen und nach biologischen Berechnungen, pro Hektar 17 Kubikmeter Holz.

Verkaufsschlager in Europa

Ein gefällter Baum habe immer eine Wirkung auf die Umgebung, sagt Spezialist van Eldik, "aber wir versuchen, es auf die beste Weise zu machen - mit detaillierter Planung, professionellen Schlagmethoden und wenig Kollateralschäden." Statt mit Traktoren und Baggern werden die abgesägten Stücke mit Seilzügen herausgeholt. Danach darf sich das sachte ausgedünnte Terrain 25 Jahre lang erholen.

Die Sektion B zum Beispiel sieht noch immer aus wie ein unberührter Garten Eden. Dieser Teil war in den Anfängen von Precious Woods am Amazonas 1996 das Experimentierfeld. Die Wege, über die einzelne Bäume entfernt wurden, sind zwölf Jahre später weitgehend zugewachsen. 13 weitere Jahre hat die Wildnis Zeit bis zum nächsten Zyklus.

Die Baumkronen schützen vor der schwülen Hitze. Viele Arbeiter kommen aus einem nahegelegenen Dorf mit Hütten auf Stelzen. Die Hölzer mit dem Qualitätslabel FSC landen dann in fernen Häusern.

Trotz des Aufwands lassen sich sogar Gewinne machen, aber einfach ist es nicht. Für das erste Halbjahr 2008 meldet Precious Woods einen Gesamtertrag von 63,5 Millionen Dollar, 50 Prozent mehr als 2007, durch die Stärke von Fremdwährungen wie dem brasilianischen Real blieben 30 Prozent.

"Unsere Investitionen sind hoch, aber sie zahlen sich aus, weil wir effektiver sind als andere", sagt Manager van Eldik. Europäer kaufen das politisch korrekte Holz besonders gerne, obwohl es deutlich teurer ist als ungeprüftes.

Hohe Geldstrafe durch Umweltaufsicht

Die Schweizer bekommen Umweltpreise, auch Greenpeace lobt. Aber immer wieder bedrohen die Landlosen-Vereinigung und korrupte Funktionäre die brasilianischen Niederlassungen von Precious Woods. Greenpeace-Frontmann Paulo Adário sagt: "Es ist sehr schwer, am Amazonas verantwortungsvoll tätig zu sein. Precious Woods ist ein klares Beispiel."

Der Regierung in Brasilia sind ausländische Naturschützer und Unternehmen mit ihren hehren Zielen suspekt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sieht die nationale Hoheit über das Reich Amazonien gefährdet.

Die Umweltaufsicht Ibama brummte den Eidgenossen vor einigen Jahren eine Strafe von 20 Millionen Reais auf, nach heutigem Kurs 8,2 Millionen Euro, seither wird darum gestritten. Precious Woods Amazon habe gegen Transportbestimmungen verstoßen, behaupten die Kläger.

"Das ist, als ob du einen Pass brauchst, um deinen Teller aus der Küche ins Esszimmer zu tragen", spottet Adário. Er weiß, was die gewaltige Buße für diesen Ableger von Precious Woods bedeuten würde: "Wenn sie das zahlen müssen, dann sind sie pleite."

© SZ vom 02./03.08.2008/jpm/mel

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