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Trend Sharing Economy:Für die alten Marken ist Sharing Economy ein Drama

Dieser Vertrauenswandel ist auch eine Erklärung für den riesigen Erfolg der Unternehmen, die die Sharing Economy vorantreiben. Unter ihrem Dach sammelt sich die Schwarmintelligenz, sie verwalten den Ersatz des Vertrauens. Nach Bewertungen von Private-Equity-Firmen ist AirBnB inzwischen zehn Milliarden Dollar wert, mehr als Hotelketten wie Hyatt, obwohl der Internetfirma kein einziges Bett gehört. Und Lyft hat in einer neuen Finanzierungsrunde kürzlich 250 Millionen Dollar von Wagniskapitalgebern bekommen.

Für die alten Marken ist das Ganze ein Drama. Der Car-Sharing-Service Zipcar geht gern damit hausieren, dass jedes der geteilten Fahrzeuge 15 Autos ersetzt. Die Hersteller von Autos, Brautkleidern oder Schlagbohrern wollen natürlich, dass Leute kaufen, nicht teilen und leihen. Für die Volkswirtschaft und die Umwelt wird das Phänomen mittelfristig aber gut sein. Wenn Menschen weniger Krempel anhäufen, muss weniger produziert werden. Wenn mehr Leute in fremder Leute Betten übernachten, müssen weniger Hotels gebaut werden. Das klingt erst einmal so, als würde der Konsum schrumpfen. Aber das Geld, das der Einzelne spart, weil er den Bohrer nicht kaufen muss, ist für die Volkswirtschaft nicht verloren. Es wird an anderer Stelle ausgegeben, an der es sinnvoller ist. Und der Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen sinkt pro Konsumgut. Viele Konsumenten finden es übrigens positiv, wenn ihr Geld bei Mitmenschen landet statt bei Großkonzernen. Die Sharing Economy trägt zur Demokratisierung der Wirtschaft bei.

Die alte Wirtschaft kämpft um ihre Pfründe

Natürlich gibt die alte Wirtschaft nicht einfach so auf, sie kämpft um ihre Pfründe. Hotel-Lobbyisten versuchen, die Städte dazu zu bringen, Kurzzeit-Untermieten zu verbieten - mit teilweisem Erfolg. Taxigesellschaften kämpfen mit ähnlichen Mitteln gegen Uber und die anderen Taxi-Alternativen - in manchen Städten ebenfalls mit Erfolg. Die Einschränkungen für die Sharing Economy in vielen Städten gehen zu weit, sie blockieren eine sinnvolle Entwicklung. Anders als Hotel- und Taxi-Lobbyisten fordern, darf es bei den Regeln für AirBnB und die anderen Firmen nicht darum gehen, die alten Branchen vor neuem Wettbewerb abzuschirmen.

Die Regulierung muss so schlau sein wie die Sharing Economy, aber dazu müssen Behörden und Gesetzgeber sie erst einmal verstehen. Ein Großteil der bestehenden Gesetze ist auf ein Wirtschaftssystem ausgelegt, in dem Großunternehmen mit Verbrauchern Geschäfte machen, sie sollen Klein vor Groß beschützen. Wenn Klein mit Klein wirtschaftet, passen viele Regeln nicht. Die Gesetzgeber und Behörden sind mit dem schnellen Wachstum der Teil-und-Leih-Start-ups überfordert. "Manche Gesetze wurden für Unternehmen gemacht, manche für Menschen. Die Sharing Economy hat eine dritte Kategorie geschaffen: Menschen als Unternehmen", sagt AirBnB-Gründer Brian Chesky. "Sie wissen nicht, ob sie uns in die Kategorie Mensch oder Unternehmen stecken sollen."

Viele Menschen nehmen erst seit der langen Wirtschaftskrise an der neuen Ökonomie teil

Es ist auch Aufgabe der Regulierer sicherzustellen, dass die unternehmensinternen Systeme funktionieren. All die Sharing-Firmen haben ihre eigenen Wege gefunden, um Missbrauch zu verhindern und ihre Teilnehmer zu schützen. Bei Lyft müssen Fahrer zum Beispiel nachweisen, dass sie keine Verkehrssünder sind. Bei AirBnB gibt es Versicherungen für Vermieter, falls ein Untermieter die Wohnung verwüstet. All diese internen Systeme haben die Unternehmen übrigens erfunden, um das Vertrauen zu Fremden zu ersetzen.

Auch die Steuergesetze müssen angepasst werden. Wer mit der Sharing Economy zum Unternehmer wird, muss auch entsprechend Steuern bezahlen. Und die Behörden müssen aufpassen, dass sie nicht zum Ausbeutersystem wird. Viele Menschen nehmen erst seit der langen Wirtschaftskrise an der neuen Ökonomie teil, weil sie ihre Jobs verloren haben oder mit ihrem Job nicht mehr genug Geld verdienen. Gerade in Amerika gibt es seit der Krise immer weniger feste Vollzeitstellen. Viele Menschen werden nicht aus einer romantischen Idee heraus Fahrer bei Uber oder Lyft, sondern um zu überleben. Und laut AirBnB-Gründer Chesky brauchen 62 Prozent der AirBnB-Vermieter in New York das Extra-Einkommen, um ihre horrende Miete zu zahlen. Mit der Sharing Economy richtiges Geld zu verdienen, ist aber sehr schwer. Es muss eine Aufsicht geben, damit über solche Angebote nicht der Arbeitsschutz umgangen wird. Das Gleiche gilt für Bau- und Nachbarschutz-Vorschriften. Wer AirBnB nutzt, um zum modernen Slum Lord aufzusteigen, muss von den Behörden gestoppt werden.

Aber die Regulierer sollten lenken, nicht bremsen. Der Gesetzgeber muss berechtigte Interessen schützen, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass ein paar schwarze Schafe nicht eine moderne, effizientere Volkswirtschaft bremsen.