Traton Der Mut fehlt

Große Motoren, aber kein starkes Geschäftsumfeld: Die Volkswagen-Tochter Traton probt deshalb nur den kleinen Börsengang.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

VW bringt nur einen kleinen Teil seiner Nutzfahrzeugsparte Traton an die Börse - zu unsicher ist der Zuspruch.

Volkswagen schickt seine Lastwagen-Tochter Traton nach längerem Hin und Her mit einem kleinen Aktienanteil an die Börse. Der Wolfsburger Konzern kündigte in der Nacht zum Freitag an, zwischen zehn und 11,5 Prozent der Dachgesellschaft zu platzieren, hinter der sich die beiden Lkw- und Bushersteller MAN und Scania verbergen. Das soll bis zu 1,9 Milliarden Euro einbringen. Insgesamt würden bis zu 58 Millionen Aktien in einer Preisspanne zwischen 27 und 33 Euro pro Stück angeboten. Damit fällt der Börsengang deutlich kleiner aus, als ursprünglich erwartet.

Traton-Chef Andreas Renschler schwebte eigentlich ein Erlös von bis zu sechs Milliarden Euro für einen Anteil von 25 Prozent vor. Investmentbanker bezeichneten das aber als zu ehrgeizig. Die Papiere sollen zwischen dem 17. und 27. Juni angeboten werden. Als erster Handelstag an den Börsen in Frankfurt und Stockholm ist der 28. Juni geplant.

Eigentlich hatte Volkswagen die Sparte schon vor Ostern an die Börse bringen wollen. Das Vorhaben wurde aber mit Verweis auf das schwache Marktumfeld im März überraschend auf Eis gelegt - und erst vor kurzem wieder aus der Schublade geholt. Analysten schätzen, dass Volkswagen bei einem günstigeren Marktumfeld weitere Anteile platzieren wird. "Man hält den Börsengang zunächst klein, weil die Bewertung nicht da ist, wo man sie erhofft hatte", sagt Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Volkswagen habe den Wert von Traton anfangs bei 20 Milliarden Euro angesetzt. Frank Schwope von der NordLB sagte, Volkswagen habe vermutlich berücksichtigt, dass die globale Unsicherheit durch die Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman noch größer geworden sei, als sie durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China ohnehin schon ist. "Es ist ein Abwägen von Gut und Schlecht. Deswegen macht man das jetzt scheibchenweise." Für Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI sind der Preis und das Volumen nicht vorrangig. "Wichtiger ist, dass Traton endlich loslegen kann." Der Börsengang sei ein dringend nötiger erster Schritt für den Strukturwandel bei Volkswagen.

Das Vorhaben ist ein wichtiger Baustein in den Plänen von Diess, der den Börsenwert von VW steigern will. Unter Analysten und Investoren gilt es als einfacher, verschiedene Geschäfte unabhängig voneinander bewerten zu können; Traton verkaufte im vorigen Jahr 233 000 Fahrzeuge. Auch für den Maschinenbauer Renk und den Großmotorenbauer MAN Energy Solutions sucht der Konzern Lösungen. Das Geld aus dem Börsengang könnte Volkswagen zum Ausbau seiner Elektroautoaktivitäten einsetzen. Der Konzern will unter dem Druck schärferer Klimaziele für die Autoindustrie in Europa den Umschwung hin zu Elektroautos beschleunigen.