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Transport - Hamburg:Studie: Unterirdischer Warenverkehr in Hamburg?

Hamburg (dpa/lno) - Durch eine unterirdische Röhre gelangen Waren in Minutenschnelle von einem Lager in Hamburg-Wilhelmsburg nach Altona auf der anderen Seite der Elbe. Noch ist dies Zukunftsmusik, eine mögliche Umsetzung wird derzeit aber in einer Machbarkeitsstudie geprüft. Hiermit hat der auf Gewerbe- und Logistikimmobilien spezialisierte Projektentwickler Four Parx GmbH (Dreieich) die Smart City Loop GmbH (Köln) beauftragt, wie beide Unternehmen mitteilten.

Wegen der wachsenden Probleme in Ballungszentren - Stau, Lärm, Abgase - seien innovative Lösungen dringend geboten, teilten die Initiatoren mit. Sie rechnen damit, dass durch den unterirdischen Warentransport pro Röhre täglich bis zu 1000 Transport-Fahrten auf der Straße eingespart werden könnten. Für eine Doppelröhre von fünf Kilometern Länge - was in etwa der direkten Entfernung zwischen den beiden Hamburger Stadtteilen entspricht - werden laut Smart City Loop grob gerechnet rund 60 Millionen Euro Baukosten angesetzt.

Für die Machbarkeitsstudie werden nach Firmenangaben derzeit die rechtlichen, geologischen und städtebaulichen Möglichkeiten geprüft. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (Dortmund) unterstütze das Vorhaben beispielsweise bei der Berechnung von Durchsatz und Rentabilität. Die Transportkosten pro Palette seien nach ersten Berechnungen mit heutigen Speditionspreisen vergleichbar, hieß es bei Smart City Loop. Pro Tag könnten rund 5000 Paletten vollautomatisch auf Stromschienen oder über Batterie-Versorgung durch die Röhren befördert werden. Die dann in Altona in einem Verteilzentrum eintreffenden Waren sollen auf der "letzten Meile" bis zum Adressaten mit Elektro-Fahrzeugen ausgeliefert werden.

Der Hansestadt ist die private Initiative bekannt. Sie begrüße das Projekt, teilte die Wirtschaftsbehörde mit. Studienergebnisse werden für das dritte Quartal 2019 erwartet. Vorerst sei es kein Projekt für den 2021 geplanten, internationalen Mobilitäts- und Transportkongress ITS und werde deshalb nicht gefördert, ergänzte die Behörde. Hamburg wäre bei einer Umsetzung ein Pionier für das System.

Four Parx könne neue Gewerbe- und Logistikflächen nur entwickeln, "wenn wir gemeinsam mit den Kommunen auch Lösungen für den Verkehr anbieten können", berichtete Geschäftsführer Francisco Bähr. Deshalb wolle er "dieses vielversprechende Konzept" bis zur Umsetzung vorantreiben. "Röhrensysteme bieten viele Vorteile", ergänzte der Chef von Smart City Loop, Christian Kühnhold, und sprach von einem "verkehrstechnisch, ökologisch und ökonomisch" sinnvollen Projekt. Die Kölner Firma hat sich auf die Entwicklung urbaner Transportsysteme für die unterirdische Warenver- und -entsorgung auf der "vorletzten Meile" ausgerichtet.