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Transnet-Chef als Bahn-Vorstand im Gespräch:Hansen wechselt offenbar die Seite

Transnet-Chef Norbert Hansen soll in den Vorstand der Bahn aufrücken. Die SPD unterstützt den Plan - bei den eigenen Leuten ist der Gewerkschaftler jedoch unbeliebt.

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, soll angeblich in die Konzernführung aufsteigen. Der Gewerkschafter könne neuer Personalvorstand im Konzern werden, will das privatisierungskritische Bündnis "Bahn für Alle" aus Unternehmenskreisen erfahren haben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, dieser Plan werde von der SPD unterstützt. Sprecher von Bahn und Transnet wollten die Berichte nicht bestätigen.

Vor Positionswechsel: Transnet-Chef Norbert Hansen soll angeblich in den Bahn-Vorstand wechseln.

(Foto: Foto: AP)

Unklar ist laut "Bahn für Alle", ob Hansen die Position im Konzern oder nur in einem Teilbereich übernehmen soll. Denkbar wäre etwa, dass Hansen lediglich Personalvorstand der Verkehrssparte wird, nicht aber für den Gesamtkonzern. Die Verkehrssparte umfasst den Güter- und Personenverkehr der Bahn, der nach Plänen der Bundesregierung zu 24,9 Prozent privatisiert werden soll.

Das Bündnis "Bahn für alle" wird von Globalisierungskritikern, Umweltorganisationen, den Gewerkschaften IG Metall und Verdi sowie den Jusos unterstützt.

Doppelmandat könnte verhindert werden

Unklar ist, was mit der amtierenden Personalvorsitzenden Margret Suckale passiert. Laut FAZ dringt die SPD darauf, den Personalvorsitz der Verkehrssparte künftig mit einem Arbeitsdirektor zu besetzen, der nur mit Zustimmung der Gewerkschaften ernannt werden könne.

Mit der Berufung Hansens könnte ein problematisches Doppelmandat Suckales verhindert werden. Zumindest in der Anfangszeit nach dem Börsengang werden Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack ein solches innehaben und beiden Vorständen angehören.

Kritik aus Gewerkschaftskreisen

Der Bahn-Vorstand wird laut "Bahn für alle" auf seiner Klausurtagung noch vor dem Wochenende über die Personalie entscheiden. Der Aufsichtsrat, dem Hansen als stellvertretender Vorsitzender angehört, könnte nach der Entscheidung dann bei seiner Sitzung in der kommenden Woche zustimmen.

Das Bündnis kritisierte eine mögliche Ernennung Hansens umgehend scharf. "Nachdem Hansen die Weichen für die Privatisierung gestellt hat, macht er sich aus dem Staub, kassiert ab und lässt die Beschäftigten die Zeche bezahlen" kommentierte ein Sprecher die Personalie. Hansen unterstützt den Privatisierungskurs der Bahn seit langem und hat sich damit viele Feinde im Gewerkschaftslager gemacht.

Zuletzt handelte er zusammen mit der Gewerkschaft GDBA einen Tarifvertrag aus, der nach Angaben der Gewerkschaften eine Beschäftigungssicherung bis 2023 vorsieht. Nach Ansicht von "Bahn für alle" ist der darin vorgesehene Kündigungsschutz jedoch unzureichend.

© sueddeutsche.de/dpa/jkf/tob
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