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Traditionsmarke Moncler:Bloß keine Mode machen

Bloß keine Mode machen, ist sein Motto. Stattdessen besann sich der Italiener auf die DNA der Marke: 1952, Berge, Sport. Von Mode war da in der Tat keine Spur. Der Fabrikant René Ramillion stellte in Monastier de Clermont - daher der Name Moncler - Schlafsäcke und Zelte für Expeditionen her. Die Jacken setzte er nur als Wärmeschutz für seine Arbeiter in der Fabrik bei Grenoble ein. Erst der Bergsteiger Lionel Terray regte den Verkauf der Kleidungsstücke an.

Ruffini belebte gezielt das Original aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Und machte Moncler groß. Und heute? Französischer Ursprung, globale Investoren als Großaktionäre, Werbebilder eines Amerikaners - was ist an Moncler eigentlich italienisch? Er sei stolz auf diese Internationalität, entgegnet Ruffini. "Das Herz von Moncler schlägt jetzt in Italien", sagt er.

Überforderte französische Gänse

Nach der Übernahme holte er das Unternehmen aus Grenoble nach Padua. Von dort aus werden der Einkauf und die Produktion an italienischen Standorten gesteuert. Die Gänse aus dem Périgord im Südwesten Frankreichs hat der Boom der Kultjacken längst überfordert. Moncler verwendet nur Fünf-Sterne-Daunen vom Hals des Geflügeltiers. Sie geben die wärmsten, leichtesten und weichsten Kleidungsstücke her. Also beschafft sich Ruffini nun zusätzlich Daunen aus Gänsezuchten in Norditalien und Polen. In den Moncler-Plagiaten der Markenpiraten, die ständig vom Markt genommen werden, stecken dagegen chinesische Federn.

Anfang Dezember feierte Moncler auf einer Insel vor Miami den 60. Geburtstag. Nun steht gleich das nächste Jubiläum ins Haus. Zehn Jahre ist es 2013 her, dass Ruffini und die Daunenjacken aufeinandertrafen und sich banden. Das war ein ungewöhnlicher Rollentausch. Normalerweise sind es die französischen Luxuskonzerne, die in Italien wohlklingende Marken aufkaufen. Siehe Gucci, siehe Bottega Veneta, Fendi, Bulgari und Co. Nun lief es einmal andersherum. Eines gelang Ruffini noch nicht. Der geplante Börsengang von Moncler fiel 2011 der Schuldenkrise zum Opfer. Doch verabschiedet hat sich der Italiener von dem Vorhaben nicht.

© SZ vom 31.12.2012/mike
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