Touristik:Condor bremst bei Investitionen

Die Ferienfluggesellschaft will 40 Millionen Euro sparen, streicht Stellen und verschiebt Flugzeugbestellungen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die Ferienfluggesellschaft Condor will mit Hilfe eines neuen Sparprogramms im laufenden Jahr wieder einen Gewinn erwirtschaften. Die Tochtergesellschaft des Touristikkonzerns Thomas Cook plant, im Zuge ihres "Fasttrack"-Projektes die Kosten 2017 um etwa 40 Millionen Euro zu senken. So sollen in der Verwaltung von Condor und den drei anderen Airlines der Gruppe in diesem Jahr etwas mehr als 100 Stellen wegfallen, für das kommende Jahr ist ein Abbau in ähnlicher Größenordnung geplant.

"Wir wollen noch einmal deutlich Kosten aus dem System nehmen", so Geschäftsführer Ralf Teckentrup. Condor hatte im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit langem wieder Verluste eingeflogen, am Ende stand ein operatives Minus von etwa 16 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro. Wie die anderen Anbieter litt Condor unter dem massiven Einbruch im Türkeigeschäft und den daraus entstandenen Überkapazitäten auch in andere Zielländer. Die Auslastung der Flugzeuge ging leicht zurück, Condor beförderte sechs Prozent weniger Passagiere. Und wer noch flog, zahlte für seinen Sitz durchschnittlich zehn Prozent weniger.

Das Sparprogramm besteht aus vielen Einzelelementen. Unter ander hat Thomas Cook einen neuen Cateringvertrag für die vier Airlines in Deutschland, Belgien, Großbritannien und Skandinavien ausgehandelt und eine gemeinsame IT-Plattform beschlossen. Condor-Kunden müssen für Essen und Getränke auf der Kurz- und Mittelstrecke in der Economy Class künftig zahlen. Die Airline hat zudem vier ihrer 13 mit 275 Sitzen besonders großen Mittelstreckenflugzeuge des Typs Boeing 757-300 an die britische Schwestergesellschaft gegeben, um das Risiko im Sommer zu reduzieren. Investitionen vor allem in neue Langstreckenflugzeuge, die die alternden Boeing 767 in den nächsten Jahren ablösen könnten, werden erst einmal verschoben.

Die Türkei-Krise ist nicht der einzige Faktor, der das Geschäft belastet, und Condor ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die darunter leidet. Vor allem beschäftigt die Branche der Zerfall von Air Berlin, die ihr touristisches Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen ihres Haupteigentümers Etihad Airways mit Tui übertragen will - die wettbewerbsrechtliche Genehmigung steht noch aus. Zudem drängt der neue Lufthansa-Ableger Eurowings auf den Fernreisemarkt und eröffnet unter anderem im Mai eine Basis in Palma de Mallorca. Möglich macht das ein umfangreiches Mietgeschäft, bei dem Eurowings 33 Flugzeuge von Air Berlin übernimmt.

"Die übernehmen etwas, das so groß wie die komplette Condor ist." Das Bundeskartellamt hatte die Miete genehmigt. Der Condor-Chef hält sich öffentlich mit Kritik zurück, stellt aber fest: "Es scheint, als ob ein Wunsch in Berlin bestanden hätte, dass Lufthansa Air Berlin rettet." Ryanair-Chef Michael O'Leary bereitet eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission vor.

Aus Condor-Sicht stellt sich die Frage, wie schädlich die Air Berlin-gestützte Expansion von Eurowings tatsächlich ist. Denn bislang hatte sie es mit einem finanziell stark angeschlagenen Konkurrenten zu tun, der zum Teil mit Niedrigstpreisen möglichst schnell Zugang zu Liquidität schaffen wollte. Eurowings hat diese Art von Überlebensdruck nicht und kann eine rationalere Preisstrategie verfolgen. Außerdem könnte nicht nur Lufthansa davon profitieren, dass die starke Expansion von Eurowings die Billigflieger Ryanair, Easyjet und Wizz Air ausbremsen kann, sondern auch Condor - vorausgesetzt, dass Kalkül geht auf.

Nach den Rückgängen des vergangenen Geschäftsjahres plant Condor basierend auf dem Flugplan für den Sommer 2017 wieder moderates Wachstum. Thomas Cook zufolge belasten Condor weiter das schwache Türkeigeschäft und die Überkapazitäten in Richtung Kanarische Inseln. Hingegen läuft das Griechenland-Geschäft sehr gut. Die Effekte des Sparprogrammes würden eher in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres, das im September 2017 endet, spürbar.

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