Süddeutsche Zeitung

Tourismus:Urlaub nur noch für Geimpfte

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Immer mehr Veranstalter und Reedereien schließen Ungeimpfte von Reisen aus. Die großen deutschen Urlaubskonzerne zögern noch - doch das könnte sich ändern.

Von Sonja Salzburger

Als der Pauschalreisen-Anbieter Alltours Ende Februar angekündigt hat, voraussichtlich ab Herbst nur noch Geimpfte in seinen konzerneigenen Allsun-Hotels aufzunehmen, war die Empörung groß - und das nicht nur bei Impfgegnern. Damals erschien vielen Menschen der eigene Piks noch sehr weit weg und sie witterten eine ungerechte Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Mittlerweile ist Alltours mit dieser Linie nicht mehr allein. Es entscheiden sich immer mehr Veranstalter für die Einführung einer Impfpflicht, vor allem aus organisatorischen Gründen. Denn in einigen Ländern dürfen Ungeimpfte gar nicht mehr einreisen, anderswo gelten für sie deutlich strengere Auflagen, was vor allem Gruppenreisen kompliziert macht.

Auch Studiosus, ein Anbieter für Gruppenreisen aus München, lässt von 1. Oktober an nur noch Geimpfte und Genesene mitfahren. Es stünden keine gesellschaftspolitischen Intentionen dahinter, erklärt ein Sprecher. "Wir haben damit einfach auf die Praxis reagiert." Viele Länder hätten die Hygienevorschriften verschärft und forderten beispielsweise für Ungeimpfte Tests in Reisebussen oder bei dem Besuch von Museen und anderen Sehenswürdigkeiten. Gleichzeitig seien etwa 97 Prozent der Studiosus-Gäste bereits vollständig geimpft. Deshalb wäre es nicht praktikabel, wenn man für einzelne ungeimpfte Personen in den Reisegruppen nahezu täglich Tests organisieren müsse. "Das hält einfach auf und färbt auch auf die Gruppenharmonie ab", so der Veranstalter. Bei den Kunden sei die Regel hervorragend angekommen. Aufgrund der hohen Impfquote hätten gerade mal ein Dutzend kostenfrei storniert.

Die Reedereien setzen bei vielen Routen auf die 2G-Regel

Auch die Kreuzfahrt-Reedereien führen auf vielen Schiffen eine Impfpflicht ein. Bei Aida Cruises dürfte diese Regel vor allem Familien mit kleinen Kindern treffen, da bislang kein Impfstoff für unter Zwölfjährige zugelassen wurde und sie fortan von Karibik- und Orientreisen ausgeschlossen sind. Für die Norwegen-Fahrten hat die Reederei diese Handhabe jüngst wieder zurückgezogen, nachdem die norwegischen Behörden ihre Einreisebestimmungen für Kreuzfahrtschiffe gelockert haben und auch ungeimpfte Kinder dort wieder einreisen dürfen.

Hapag-Lloyd Cruises hat die Impfung für Erwachsene ab Herbst auf allen Schiffen vorgeschrieben - "als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme", so eine Sprecherin. Auch die Reederei habe festgestellt, dass ohnehin die meisten Gäste geimpft seien. Ausnahmen bei Familien mit kleinen Kindern seien aber möglich, sofern die Route dies erlaube. Auch der Genesenen-Status werde anerkannt.

Die großen deutschen Reiseveranstalter beobachten die Entwicklungen sehr genau, haben aber bisher noch keine Impfpflicht eingeführt. "Wir prüfen das Thema derzeit für ausgewählte Reisearten", heißt es etwa bei DER-Touristik.

Europas größter Urlaubskonzern, die Tui, hat momentan keine Pläne, Ungeimpfte von Pauschalreisen auszuschließen. Aus Sicht des Unternehmens ist dies auch schwierig. "2G lässt sich nicht entlang der gesamten Reisekette umsetzen - am ehesten noch im Hotel", sagt ein Sprecher. Denn bei Flügen gelte die 3G-Regel: In den Flugzeugen dürften auch negativ Getestete ohne Impfschutz mitreisen. Aber auch im Hotel sind die Vorteile für den Reisenden aus Sicht der Tui begrenzt. So würden etwa die lokalen Behörden weiterhin in Innenräumen von Hotels Masken vorschreiben. Mit 2G sei dort also auch nicht unbedingt ein größeres Freiheitsgefühl möglich.

Auch FTI hat noch keine Impfpflicht eingeführt und möchte dies auch in Zukunft nicht tun. Nach Ansicht des CEOs Ralph Schiller sollen alle Kunden die Möglichkeit bekommen, zu reisen - solange das noch geht. "Unabhängig von unserer eigenen Einschätzung gehen wir davon aus, dass sich langfristig gesehen bei vielen Hotels und Reiseländern die 2G-Regel durchsetzen wird", sagt Schiller.

Angesichts der sehr unterschiedlichen Regelungen, hofft Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), auf möglichst einheitliche Bestimmungen in den Zielgebieten, zumindest innerhalb der EU. "Der aktuell existierende Flickenteppich, aber auch die dauernden kurzfristigen Änderungen sorgen nach wie vor für Unsicherheit und führen zu Buchungszurückhaltung", so Fiebig.

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