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Toshiba:Völlig veraltet

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Was für eine Kiste: Mit viel Tamtam stellte Toshiba 2004 das Modell "Qosmio" vor. Heute wirkt der Laptop so antiquiert wie die Ausrichtung der Firma.

(Foto: Yoshikazu Tsuno/AFP)

Die PC-Abteilungen von Toshiba, Fujitsu und Vaio kämpfen mit einer neuen Strategie gegen den Tod. Zu spät, sagen Kritiker.

Toshiba und Fujitsu wollen ihre PC-Abteilungen ausgliedern, sie machen zu hohe Verluste. Sie sollen nun in eine gemeinsame Tochterfirma zusammengelegt werden - in die sie auch Vaio integrieren möchten, jene Laptop-Marke, die Sony vor einem Jahr abgestoßen hat. Das meldete die japanische Presse.

Der Plan könnte freilich noch platzen, warnte die Wirtschaftszeitung Nikkei, falls er zu wenig Erfolg verspräche. Sicherlich werden nicht alle drei PC-Marken überleben.

In Japan gab es bis vor einigen Jahren fünf große und einige kleinere Laptop-Firmen. Bald dürfte davon nur noch Panasonic, spezialisiert auf Firmenkunden, als selbständige Marken übrig bleiben. NEC, einst ein Computer-Pionier, hat seine PC-Sparte Lenovo angegliedert, dem chinesischen Weltmarktführer. Sharp kämpft ums Überleben und ist ganz aus dem PC-Geschäft ausgestiegen. Toshiba hatte das heutige Laptop-Konzept mit einem aufklappbaren Bildschirm 1985 als erste Firma auf den Markt. Lange war das Unternehmen Weltmarktführer bei mobilen Geräten, heute hat es einen Marktanteil von gerade noch 2,3 Prozent. 2014 verkaufte Toshiba Laptops für 666 Milliarden Yen, etwa 5 Milliarden Euro. Beim Konzern entstand plötzlich Handlungsbedarf: Toshiba hat seine Bücher jahrelang um insgesamt fast 1,2 Milliarden Euro gefälscht und muss jetzt mit hohen Strafen und Schadenersatzklagen rechnen. Der Konzern will zahlreiche Abteilungen losschlagen und unter anderem auch die PC-Sparte loswerden. Nach Angaben des Wall Street Journal spricht das Unternehmen auch mit ausländischen Laptop-Herstellern.

Fujitsu hatte seine Trennung vom lahmenden Laptop-Geschäft bereits im Oktober angekündigt. 2014 verkaufte das Unternehmen noch 4,7 Millionen Geräte, 2015 werden es nur noch 4,2 Millionen sein. Sony hat seine rote Zahlen schreibende Laptop-Abteilung Vaio schon voriges Jahr in eine Auffanggesellschaft ausgegliedert.

Japans Elektronikfirmen machten mit ihrer Fernseher-Produktion jahrelang hohe Verluste, hielten aber dennoch an ihr fest. Sie klammerten sich an Bewährtes und schafften es nicht, die Produktionskosten dem wachsenden Preisdruck durch Konkurrenz aus Taiwan, Korea und China anzupassen. Diese Entwicklung wiederholt sich nun im PC-Geschäft. Von den fünf großen Laptop-Herstellern, die zusammen 60 Prozent des schrumpfenden Marktes beherrschen, stammen zwei aus Taiwan: Asus und Acer. Und Lenovo aus China.

Zu dritt hätten Toshiba, Fujitsu und Vaio voriges Jahr noch gerade sechs Prozent Weltmarktanteil erreicht. Damit sind sie einzeln zu schwach, um den Komponenten-Lieferanten gute Bedingungen abzuringen. Zudem würden sie sich ergänzen, so die Logik der Fusionspläne. Toshiba sei in den USA gut positioniert, Fujitsu in Europa, und Vaio habe mit Sony im Hintergrund eine starke Marke. In Japan, so hoffe man, könnte die künftige Firma, wenn sich die Marktanteile der drei summierten ließen, vielleicht Branchenführer werden, hieß es am Freitag. Die Ansprüche japanischer Elektronikkonzerne sind bescheiden geworden. Da die Preise stetig fallen, ließen sich Laptops nur noch in großen Stückzahlen profitabel herstellen. Die Gewinne der großen Hersteller pro Stück sind in den letzten Jahren stetig kleiner geworden, 2013 verdienten sie pro Gerät noch etwa 11 Euro. Apple dagegen fast 200 Euro.

Die Konsolidierung sei zu begrüßen, aber sie komme fünf Jahre zu spät, wurden Markt-Analytiker in den Medien zitiert.

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