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Toshiba:Schwieriger Notverkauf

Images Of Toshiba Corp. Flash Memory Products As Company Plans To Sell Its Memory Chip Unit

Auch die Toshiba-Speicherchips wurden schon verkauft.

(Foto: Tomohiro Ohsumi/Bloomberg)

Der japanische Konzern will sich von seiner Halbleitersparte trennen, doch der US-Partner blockiert das.

Toshiba geht langsam unter. 141 Jahre alt ist das Unternehmen mittlerweile, doch die Wahrscheinlichkeit, dass es nun auf das Ende zugeht, steigt.

Die Pleite der US-Nukleartochter Westinghouse hat ein Loch von einer Billion Yen gerissen, 8,5 Milliarden Euro. Und das Loch könnte sogar noch größer werden. Als wären das nicht schon genug Probleme, wird Washington wohl versuchen zu verhindern, dass beim Ausverkauf von Westinghouse Nukleartechnik nach China geht - die Liquidation der Westinghouse-Trümmer wird also schwierig werden.

Die zweimal verschobenen Quartalsergebnisse hat Toshiba zwar mittlerweile veröffentlicht, doch die Unterschrift der Buchprüfer fehlt. Die Prüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) weigerten sich, die Zahlen abzusegnen. Das kann nur bedeuten, dass die Situation aus ihrer Sicht noch schlimmer ist.

Angesichts der roten Zahlen müsste die Tokioter Börse Toshiba aus ihrer "Ersten Sektion" verbannen oder sogar ganz von der Börse nehmen, schließlich ist diese Qualitätstiteln vorbehalten. Pensionsfonds zum Beispiel investieren nur in Aktien dieser Sektion, weil sie als sicherer gelten. Doch eine Herabstufung in die zweite Sektion würde Toshiba noch tiefer sinken lassen. Japans Börsenaufsicht drückt bisher beide Augen zu. Sie befürchtet, ein Kollaps von Toshiba würde den ohnehin zurückhaltenden Japaner die Lust auf Aktien vollständig nehmen.

In Deutschland muss ein zahlungsunfähiges Unternehmen binnen dreier Wochen einen Insolvenzantrag stellen. Diese Antragspflicht gibt es in Japan nicht. "Ein japanisches Unternehmen kann weitermachen, bis das Geld wirklich ausgeht", sagt Annerose Tashiro, eine auf das japanische Insolvenzrecht spezialisierte Anwältin der Kanzlei Schultze & Braun in Baden-Baden. "Wenn die Banken sich ausrechnen, dass sie in einem geordneten Prozess durch Verwertung der Sicherheiten und Liquidation mehr herauskriegen", dann könne eine Pleite ohne Einbezug der Gerichte über die Bühne gehen. "Am Schluss ist es für alle Beteiligten eine Rechenaufgabe."

Es bleibt nur noch der Notverkauf der Halbleiterproduktion, der letzten Kronjuwele, um das Unternehmen zu retten. Mit seinen Halbleitern machte Toshiba im Sommerhalbjahr 2016, der letzten von PwC bestätigten Bilanz, 826 Millionen Euro Gewinn. Mit etwa 20 Prozent Marktanteil ist das Unternehmen weltweit die Nummer Zwei. Dennoch stößt der geplante Notverkauf auf schier unüberwindbare Hindernisse. Toshibas US-Partner Western Digital will einen Verkauf an Dritte per Klage blockieren, da Toshiba damit gegen bestehende Verträge verstoßen würde. Außerdem ermittelt derzeit eine US-Behörde wegen Verletzung von Patenten gegen Toshiba, was den Verkauf ebenfalls verzögern könnte. Gleichwohl wird Toshiba diese Woche mit SK Hynix verhandeln, der Flash-Memory-Tochter des südkoreanischen Familienkonzerns SK. Das beste Angebot für Toshibas Halbleiter-Sparte stammt allerdings von Hon Hai, hierzulande bekannt als Foxconn. Der taiwanische Auftragshersteller hat voriges Jahr den maroden japanischen Sharp-Konzern geschluckt und bereits in die Gewinnzone zurückgeführt. Die Anleger begrüßten Hon Hais Angebot, die Toshiba-Aktie legte zu. Nun mischt sich jedoch die Politik ein: Washington und Tokio wollen nicht, dass Toshibas Chip-Sparte in chinesische Hände gerät. Dieses Argument will Hon-Hai-Chef Terry Gou entkräften, indem er Softbank einspannt, den drittgrößten Mobilfunk-Anbieter Japans. Und formell will Gou Sharp als Käufer für Toshibas Halbleiter-Abteilung auftreten lassen.

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