Süddeutsche Zeitung

Toshiba:Bilanzskandal belastet

Das Unternehmen hat die Bilanzen von mindestens neun Infrastrukturprojekten manipuliert. Es geht dabei um sehr viel Geld.

Japans Elektronikindustrie steckt in einer tiefen Krise. Sony und Panasonic unterziehen sich Radikalkuren, Sharp hängt am Tropf seiner Hausbanken. Nur Toshiba hob sich davon ab, meldete Gewinne. Nun stellt sich heraus: Das Unternehmen hat die Bilanzen manipuliert. Erst war nur von "Unregelmäßigkeiten" die Rede, dann gab Toshiba bekannt, dass die Erträge in den vergangenen drei Jahren um mindestens 50 Milliarden Yen, 370 Millionen Euro, geringer ausgefallen sind. Die Dividende für 2014 werde gestrichen. Die Aktie brach daraufhin ein.

Konzernchef Hisao Tanaka erklärte, Toshiba habe die Baukosten von Infrastrukturprojekten unterschätzt und dies in der Buchhaltung nicht berücksichtigt. Er entschuldigte sich mit dem in Japan üblichen Verbeugungsritual. Und kündigte eine unabhängige Untersuchungskommission an. Nun enthüllte die Tageszeitung Yomiuri, dass es bei den Bilanzfälschungen nicht um höhere Baukosten ging; nach Angaben von Insidern wurden die Zahlen systematisch gefälscht.

Bei den Projekten handelt es sich um einen Auftrag von Tepco, 27 Millionen Haushalte mit intelligenten, übers Internet vernetzten Stromzählern auszustatten. Und um ein neues elektronisches Autobahngebühren-System für die Region Kansai. Beide Projekte haben sich um Jahre verzögert, die Kosten sind explodiert. Daraus allein resultiert ein Fehlbetrag von 300 Millionen Euro. "Weil die Konzernleitung gute Resultate sehen will, haben die zuständigen Abteilungen dies wahrscheinlich nicht nach oben gemeldet", zitiert Yomiuri einen Toshiba-Insider. Und fragt, wie viele Mitglieder der Konzernspitze Bescheid wussten.

Für Toshiba ist dies verheerend. Der Mischkonzern hatte zuletzt verstärkt auf den Infrastruktur-Sektor gesetzt, um die Abhängigkeit von der Unterhaltungs- und Konsumelektronik sowie der Atomenergie zu verringern. Der Bilanzskandal könnte diese Diversifikationsversuche aber schon bald wieder beenden, vermuten japanische Medien.

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Quelle:
SZ vom 22.05.2015
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