Flugreisen Hurra, Tomatensaft für alle!

Der Tomatensaft gehört für viele Passagiere zur Flugreise.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)
  • Tomatensaft ist für viele Menschen integraler Bestandteil einer jeden Flugreise.
  • Deshalb bietet die Airline Swiss das Getränk nun in allen Klassen an - nach heftigen Protesten der Kunden.
  • Sie ist nicht die erste Fluggesellschaft, die die Prioritäten der Kunden dramatisch verkannt hat.
Von Christoph Gurk

Verspätungen, Streiks und Flugausfälle wegen Sicherheitspannen: Wer gerade nach positiven Meldungen aus der Luftfahrtbranche sucht, hat es nicht leicht. Und dennoch: Es gibt sie, die guten Nachrichten, denn die Fluggesellschaft Swiss, ein Tochterunternehmen der Lufthansa, bietet nach Kundenprotesten jetzt in allen Klassen Tomatensaft an. Man könnte das nun leicht als Nebensächlichkeit abtun. Dies wiederum hieße aber, den Ernst der Lage zu verkennen. Denn während viele Menschen Tomatensaft im normalen Leben höchstens einmal in Verbindung mit Wodka als "Bloody Mary" zu sich nehmen, ist das Getränk für viele Menschen integraler Bestandteil einer jeden Flugreise, ein schönes Ritual. Kaum geht das Anschnallzeichen aus, lehnt man sich zurück, nippt am Tomatensaft und dann, zum Ende des Fluges, gibt es Applaus.

Nun ist das Phänomen "Tomatensaft im Flieger" lange bekannt, selbst Forscher des Fraunhofer-Instituts haben sich schon eingehend mit der Thematik befasst. Der niedrige Kabinendruck, stellten sie in Experimenten fest, ließ Testpersonen weniger riechen, fast so, als hätten sie einen Schnupfen. Empfanden die Probanden den Geschmack des Tomatensaftes unter normalen Umständen eher als muffig, traten bei niedrigem Druck fruchtige und süße Noten zutage. Dazu kommt, dass manche Gäste dem Saft auch eine den Magen beruhigende Wirkung zusprechen. Kurz: Gründe für trinkbare Tomaten im Flugzeug gibt es genug - die eigentliche Frage ist darum, wieso Fluggesellschaften den Gemüsesaft dennoch aus ihren Servierwägen verbannen.

Wer schreit, gewinnt

Denn tatsächlich ist Swiss nicht die einzige Gesellschaft, die einen solch kapitalen Fehler begangen hat. So hatte die US-Airline United erst im Mai erklärt, man werde Tomatensaft nur noch bei Flügen mit einer Flugzeit von über vier Stunden anbieten. Auf Facebook und auf Twitter hagelte es daraufhin Beleidigungen. Kunden drohten sogar, erst wieder ein United-Flugzeug zu betreten, wenn es dort Tomatensaft gäbe. Umgehend ruderte die Fluglinie zurück, Tomatensaft für alle. Interessant ist allerdings, dass United durchaus gute Gründe hatte, das Getränk auszusortieren. Es sei nicht darum gegangen, Kosten zu sparen, sagte Linda Jojo, Vizepräsidentin für Technologie bei United der amerikanischen Branchen-Seite Skift. Vielmehr habe man Daten erhoben, wie hoch der Tomatensaftkonsum der Passagiere tatsächlich ist. Dabei zeigte sich: "Die Zahl der Menschen, die Tomatensaft auf einem unserer Flüge trinken, ist lächerlich gering". Auch Thomas Jachnow von der Lufthansa sagt, dass in den Maschinen der Fluggesellschaft zwar viel Tomatensaft getrunken würde, 2017 sogar 1,5 Millionen Liter. Noch immer aber sei Wasser mit elf Millionen Litern an der Spitze der Getränkeliste. Bedenkt man dann, dass auch noch andere Säfte in den Servierwägen stehen, genauso wie Softdrinks, Bier und Wein, stellt sich die Frage, ob der Aufschrei der Kunden nicht viel mehr mit dem potenziellen Abschied von jenem lieb gewonnenen Ritual zu tun hat, als mit der tatsächlichen Lust auf Tomatensaft.

Linda Jojo von United Airlines sagt jedenfalls, sie hätten die Tomatensaftdosen gezählt, die verbraucht würden, und die Antwort sei eindeutig. "Aber die Tomatensafttrinker sind eben sehr laut und sehr gut bei Social Media." Man könnte auch sagen: Wer schreit, gewinnt. Und das ist, genau genommen, dann schon wieder keine gute Nachricht.

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