bedeckt München 30°

Todestag des Apple-Gründers Steve Jobs:Immer noch auf Stand-by

Apple-CEO Tim Cook vermisst die Lichtgestalt Steve Jobs. Ob iPhone, iPad oder iCloud, über allem, was Apple heute tut, schwebt noch immer der Geist des Gründers. Es ist Nostalgie - und auch Verklärung.

Oliver Klasen

"Wenn Steve Jobs noch leben würde, würde er Tim Cook feuern." So war dieser Tage ein Kommentar im US-Magazin Forbes überschrieben. Der Kündigungsgrund sei dabei noch nicht einmal das Fiasko beim neuen Kartendienst für das iPhone - obwohl sich Tausende Nutzer über Fehler beschwerten und sich Cook am vergangenen Freitag zu einer Entschuldigung genötigt sah.

Es sei nicht die Gegenwart, um die sich Apple Gedanken machen müsse, sondern die Zukunft. Cook sei eben nur eine "Figur aus dem Lehrbuch" für Manager, ihm fehle jegliche Vision. Die besondere Kultur und der Mythos der Unangreifbarkeit von Apple, sie würden unter dem neuen Chef an ihr Ende kommen.

Es ist eine Sicht der Dinge, die weit verbreitet ist: Hier Steve Jobs - der Magier, das Genie, das mit seinem Charisma und seinem Pathos aus Apple eine der wertvollsten Marken der Welt machte. Dort Tim Cook, der disziplinierte Manager, der wie kein Zweiter mit Excel-Tabellen umgehen kann, dem aber Charisma völlig abgeht.

Nostalgie und Verklärung

Ein Jahr ist es jetzt her, dass der Apple-Gründer Steve Jobs an Krebs gestorben ist. Auf die Zahlen des Unternehmens hat sich das Fehlen des Genies bisher nicht ausgewirkt. Die Aktie überschritt vor zwei Wochen erstmals die Marke von 700 Dollar, nicht wenige Beobachter sagen, dass es bald magische 1000 Dollar sein könnten. Mit einem Börsenwert von 660 Milliarden Dollar lässt Apple selbst Weltkonzerne wie Exxon Mobile und General Electric hinter sich. Und das neue iPhone 5 wurde bereits in den ersten 72 Stunden nach der Präsentation mehr als fünf Millionen Mal verkauft.

Und doch, die aktuelle Debatte um den Karten-Fehler belegt, wie groß die Steve-Jobs-Nostalgie noch immer ist - und auch die Verklärung. Denn auch unter dem Apple-Gründer lief nicht alles glatt. So gab es 2008 beim Start des Online-Speicherdienstes MobileMe massive technische Schwierigkeiten. Der für seine Wutausbrüche berüchtigte Jobs tobte und tauschte die Führung des MobileMe-Teams aus. Zwei Jahre später geriet Apple wegen Empfangsproblemen beim iPhone 4 in die Kritik. Die Designer hatten bei der Antenne eine ungewöhnliche Lösung gewählt und sie in einem Metallring an der Außenkante untergebracht.

Doch es ist gerade der Umgang mit solchen Fehlern, an dem der Forbes-Kommentator den Unterschied festmacht. Cook hat sich wegen der Karten-Probleme sehr schnell bei seinen Kunden entschuldigt, verbunden mit der außergewöhnlichen Empfehlung, vorerst ruhig mal auf Konkurrenzdienste etwa von Google oder Nokia umzusteigen.

Jobs dagegen wäre ein öffentliches "Sorry" - und erst recht positive Worte über Wettbewerber - niemals über die Lippen gekommen. Unvergessen ist die Pressekonferenz, als Jobs auf die Antennenprobleme des iPhone4 reagieren musste. Erst prangerte er angebliche Schwächen von Konkurrenzgeräten an. Mit unglaublicher Nonchalance brachte er es dann fertig, den Nutzern Tipps zu geben, wie sie das iPhone richtig in der Hand halten müssen und speiste sie letztlich mit einer kostenlosen Schutzhülle ab.

Legendär ist auch die Geschichte, wie er den US-Konzern Corning dazu brachte, binnen weniger Monate die Produktion einer völlig neuen Glassorte für das iPhone zu entwickeln. Im Vorfeld des Starts von iTunes traf er sich persönlich mit Musikern wie Bono von U2 oder Neil Young, um ihnen die Scheu vor der Digitalisierung der Musik zu nehmen und ihre Songs für den Apple-Store zur Verfügung zu stellen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite