SportwettenanbieterTipico wird für Milliardenbetrag nach Frankreich verkauft

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Der Sportwetten-Anbieter Tipico hat künftig französische Eigentümer.
Der Sportwetten-Anbieter Tipico hat künftig französische Eigentümer. (Foto: Monika Skolimowska/dpa)

In Deutschland wickelt Tipico nach eigenen Angaben jede zweite Sportwette ab. Jetzt übernimmt ein Unterhaltungskonzern die Mehrheit.

Der führende deutsche Sportwettenanbieter Tipico wird französisch. Der Unterhaltungskonzern Banijay Group, dem der Rivale Betclic gehört, übernimmt vom Finanzinvestor CVC die Mehrheit an Tipico, wie die Beteiligten am Dienstag mitteilten. Das Unternehmen mit Wurzeln in Karlsruhe werde dabei mit 4,6 Milliarden Euro bewertet und soll zusammen mit Betclic zur Nummer vier im europäischen Sportwetten- und Online-Glücksspiel-Markt werden.

„In diesem Markt geht es nicht um Größe, sondern um Marktführerschaft“, sagte Banijay-Chef Francois Riahi in einer Telefonkonferenz. In Deutschland wickelt Tipico nach eigenen Angaben jede zweite Sportwette ab. In Österreich hatte sich Tipico im September den Konkurrenten Admiral einverleibt, der bis dahin dem Automatenhersteller Novomatic gehörte.

„Es ist genau die Transaktion, auf die wir in den letzten Jahren hingearbeitet haben“, sagte Tipico-Chef Axel Hefer, der auch Aufsichtsratschef beim Zweitligisten FC Schalke 04 ist und an Bord bleiben will. „Wir haben von Anfang an darauf gesetzt, dass es am Ende einen strategischen Käufer für Tipico geben wird“, sagte CVC-Manager Daniel Pindur der Nachrichtenagentur Reuters. „Und Betclic war mit Abstand unser Wunschpartner.“ In Frankreich und Portugal sieht sich Betclic als Nummer eins, in Deutschland und Österreich Tipico. In Italien dominiert die heimische Lottomatica den Sportwettenmarkt, in Großbritannien ist der BWin-Eigentümer Entain führend.

Banijay soll an dem entstehenden Unternehmen zunächst 65 Prozent halten, will aber später bis auf 72 Prozent aufstocken. Der Investor CVC, der 2016 für knapp 1,4 Milliarden Euro bei Tipico eingestiegen war, hat den Großteil seiner Anteile verkauft, die restlichen sieben Prozent sollen später an Banijay gehen. Die vier Firmengründer tauschen ihre Tipico-Beteiligung in 28 Prozent an der Glücksspiel-Sparte von Banijay.

Banijay hat zwei Standbeine: Neben dem Wettgeschäft rund um Betclic ist das Unternehmen auch als Fernsehproduzent aktiv. Dazu gehört unter anderem die niederländische Produktionsfirma Endemol Shine, die weltweit durch das Show-Format „Big Brother“ bekannt geworden war. Mit der Übernahme von Tipico halten sich die beiden Sparten künftig in etwa die Waage, bisher machte Betclic knapp ein Drittel des Umsatzes aus. Die Beteiligung von 54 Prozent an der kleineren deutschen Bet-at-home.com will Banijay verkaufen, um Bedenken der Kartellwächter den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Tipico wurde 2004 von vier deutschen Unternehmern in Karlsruhe gegründet, operiert aber wegen des jahrelangen Tauziehens um eine Liberalisierung des Glücksspielmarkts ebenso wie Betclic von der Mittelmeerinsel Malta aus. „Wir sind sehr stolz, dass wir das Sportwetten-Geschäft mit dem Glücksspiel-Staatsvertrag in ein reguliertes Geschäft überführt haben – auch wenn das auf Kosten der Marge ging“, sagte CVC-Manager Pindur. Seit 2021 sind Sportwetten auch in Deutschland geregelt. Tipico bietet seine Wetten online, aber auch in 1250 Annahmestellen an, von denen die meisten von Franchisenehmern betrieben werden.

Die Expansion in die USA hatte Tipico 2024 mit dem Verkauf der Technologie an den Unterhaltungsriesen MGM nach sechs Jahren wieder beendet. „In den USA haben wir unterschätzt, wie stark das Geschäft von Marketing-Aufwendungen geprägt ist. Das konnten und wollten wir uns nicht leisten“, sagte Hefer im Gespräch mit Reuters.

Die Wett- und Gamingsparte von Banijay kann ihren Umsatz und den operativen Gewinn mit der Übernahme von Tipico nach eigenen Angaben verdoppeln. Zusammengerechnet kamen beide 2024 mit 5300 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 3,0 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 854 Millionen Euro, gut die Hälfte davon kommt jeweils von Tipico. 3800 Menschen arbeiten für Tipico, vor allem in Malta, aber auch in Kroatien und Karlsruhe. „Die Mitarbeiter brauchen sich keine Sorgen zu machen“, sagte Hefer. Die Wett-Plattformen seien größtenteils national – und das werde auch so bleiben.

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