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Nach der Pandemie:Reise ins Ungewisse

Wie sieht das Wohnen, Reisen und Essen in der Zukunft aus? Drei Unternehmenschefs geben Antworten.

Von Thomas Öchsner, München

Die Corona-Pandemie wird das Leben verändern. Bloß wie? "Wie reisen wir in der Zukunft? Wie wohnen wir? Was essen wir?" Die Berliner SZ-Korrespondentin Henrike Roßbach fragte beim Wirtschaftsgipfel drei Unternehmenschefs, die zwar auch nicht in die Zukunft blicken können, aber eine Ahnung davon haben sollten, wie es weitergehen könnte: Rolf Buch, Vorstandschef des Wohnungskonzerns Vonovia, Sternekoch und Gastronom Tim Raue und Stefan Schulte, Chef des Frankfurter Flughafenkonzerns Fraport. Drei Männer, drei Antworten.

Das Reisen. Fraport-Chef Schulte sagt: "Die Menschen wollen fliegen" - auch in Zukunft. Sicher ist für ihn daher auch: "Die Dienstreisen werden wiederkommen", wenn auch nicht mehr in dem Umfang wie vor Corona. In drei, vier Jahren werde es vielleicht 20 bis 30 Prozent weniger Geschäftsreisen geben als vor der Pandemie, weil man innerhalb eines Unternehmens auch gut per Video-Konferenz reden könne. Doch Unternehmer "müssen auch raus in die Welt", so Schulte. "Sie müssen Märkte erschließen und neue Kunden gewinnen", und das klappe nun einmal am besten im persönlichen Gespräch. Das Reisen werde flexibler werden, etwa bei Pendlern, die nicht unbedingt von Montag bis Freitag ins Büro müssten. Bei Urlaubsreisen ist Schulte ebenfalls optimistisch: "Am Ende werden wir wieder fliegen. Wir wollen raus. Das ist unsere DNA". Gut möglich sei aber, dass Reiseanbieter "mehr mit Tests beziehungsweise Schnelltests arbeiten": Wer nachweislich kein Covid 19 hat, hat mehr Reisefreiheit.

Das Wohnen. Vonovia-Chef Buch spürt schon jetzt, "dass das Wohnen wichtiger geworden ist". Mieter würden verstärkt fragen, ob sie einen Balkon bekommen könnten. Oder ein Zimmer mehr oder ein Stück Garten vor dem Mietshaus. Schon jetzt stehen jedem Bundesbürger durchschnittlich 47 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, das sind fast 13 Quadratmeter mehr als 1990. Rolf Buch erwartet, dass die Nachfrage nach mehr Quadratmetern in den Städten, in denen es jetzt schon viel zu wenige bezahlbare Wohnungen gibt, "die Wohnungsnot verschärfen wird". Andererseits warnt er davor, das Thema Home-Office zu überschätzen. Ob Polizistin oder Krankenpfleger - der Großteil der Bevölkerung könne gar nicht im Home-Office arbeiten, sagt Buch.

Das Essen. In Deutschland habe Essen und Trinken "erst in den letzten zehn Jahren eine Bedeutung bekommen", sagt Sternekoch Tim Raue. Hier hätten die Deutschen aufgeholt, wenn auch Kulinarisches hierzulande längst noch nicht so wichtig sei wie etwa in Italien, Spanien oder Frankreich. Die Pandemie habe diese positive Entwicklung verstärkt. Die Bürger hätten zuletzt bessere Lebensmittel eingekauft. Raue glaubt fest daran, dass die Menschen auch weiter in Restaurants gehen werden, wenn dies wieder möglich ist: Wer jetzt Essen ausliefere, könne zwar "das Geschmackserlebnis" liefern. "Das soziale Miteinander", ob am Imbissstand oder im Sterne-Restaurant, fehle aber.

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