Tilo Berlin:Ex-Hypo-Vorstand zu 26 Monaten Haft verurteilt

Tilo Berlin

Tilo Berlin 2010 vor dem BayernLB-Untersuchungsausschuss im Landtag in München

(Foto: dpa)

Das könnte der BayernLB in einem Prozess um Schadenersatz helfen: Das Landesgericht Klagenfurt hat den Ex-Chef der Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, verurteilt. Allerdings kündigt er umgehend Berufung an.

Der Ex-Chef der Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, ist zu einer Haftstrafe von mehr als zwei Jahren verurteilt worden. Er müsse wegen Untreue 26 Monate hinter Gitter, sagte eine Sprecherin des Landesgerichts Klagenfurt. Das Urteil gegen den ehemaligen Hypo-Vorstand und Investor ist jedoch nicht rechtskräftig. Sein Anwalt habe Berufung gegen das Urteil des Schöffensenats eingelegt, sagte die Sprecherin.

Ende Februar waren bereits drei andere Ex-Hypo-Vorstände zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Berlin konnte damals aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen.

Die Hypo Alpe Adria hatte, als die Bank sich noch in österreichischem Besitz befand, Vorzugsaktien begeben, um ihre dünne Eigenkapitaldecke aufzupolstern. Damit sich diese Vorzugsaktien leichter verkaufen, hatte die Kärntner Bank den Investoren Put-Optionen eingeräumt: Damit konnten sie die Papiere der Bank jederzeit wieder zurückverkaufen. Diese Nebenabsprache sei jedoch geheim gehalten worden, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Hilft das Urteil der Schadenersatz-Klage?

Der Vorzugsaktien-Prozess war nur einer von mehreren vor Gericht ausgefochtenen Rechtsstreiten um die Hypo und den späteren missglückten Einstieg der BayernLB. Die Hypo hatte sich mit ihrer Expansion am Balkan verhoben.

Die Schuldsprüche in Kärnten könnten der BayernLB, der zweitgrößten deutschen Landesbank, im laufenden Schadenersatzprozess gegen einen der damaligen Hypo-Verkäufer helfen, die Mitarbeiter-Privatstiftung (MAPS). Auch in diesem Verfahren spielen die Nebenabsprachen zu den Vorzugsaktien eine zentrale Rolle.

In dem Prozess vor dem Handelsgericht Wien wirft die BayernLB der MAPS vor, die Bayern beim Verkauf ihrer Beteiligung an der Hypo zu viel bezahlt haben zu lassen. Durch die Put-Optionen auf die Vorzugsaktien seien Angaben zur Bilanz und zum Kernkapital falsch gewesen.

Der MAPS-Prozess wiederum gilt als Pilotverfahren, dem Schadenersatzprozesse gegen weitere frühere Hypo-Eigner folgen könnten.

Die Stiftung war der kleinste von mehreren Verkäufern, es geht um Schadenersatz im Umfang von zehn Millionen Euro. Wenn dieses Verfahren im Sinne der BayernLB ausgeht, wird eine weitaus größere Schadenersatzklage gegen das Bundesland Kärnten als Hauptverkäufer erwartet.

Auch ehemalige BayernLB-Vorstände stehen wegen des missglückten Kaufs der österreichischen Bank vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft in München beschuldigt die frühere Führungsriege um Werner Schmidt und Michael Kemmer, die Hypo überteuert gekauft und damit Geld der BayernLB veruntreut zu haben.

© Süddeutsche.de/dpa/sana/bbr/jab
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