NachwuchskräfteKommt zu uns, wir sind auf Tiktok

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Solche Mitarbeiterinnen hoffen Banken auf Tiktok zu finden: jung und engagiert.
Solche Mitarbeiterinnen hoffen Banken auf Tiktok zu finden: jung und engagiert.
Dinoco Greco/PhotoAlto/IMAGO

Bei Banken arbeiten plötzlich jüngere Mitarbeiter als früher. Hat das etwas mit dem Auftritt auf Social Media zu tun?

Von Laura Städtler

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Dass Realität und Internet manchmal nicht so viel miteinander zu tun haben, ist nichts Neues. Sucht man Bilder zum Stichwort Bankmitarbeiter im Internet, findet man dort vor allem gestellte Fotos und Werbebilder. Das überrascht erst mal wenig, verwunderlich ist eher das Alter der dort abgebildeten Personen. Die auffällig faltenfreien Anzugträgerinnen und Anzugträger, die sich da hoch konzentriert über ihre Papiere beugen, scheinen größtenteils in ihren Dreißigern zu sein, vereinzelt sogar noch jünger. Man könnte fast meinen, es handelt sich um ein hippes Start-up.

Dabei war das Durchschnittsalter der Mitarbeitenden bei den Spitzeninstituten der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich in die Höhe gegangen und lag bei deutlich mehr als 40 Jahren, Tendenz steigend.

Bis jetzt. Denn der Alterungstrend hat sich im vergangenen Jahr laut einer Bloomberg-Auswertung überraschend umgekehrt. Zumindest die Belegschaften der LBBW, Bayern LB, Deka Bank und DZ Bank waren 2023 im Schnitt allesamt jünger als noch im Jahr zuvor. Zwar nur um ein paar Monate, aber immerhin. Bald könnten die Bankmitarbeitenden ihren Werbebild-Doubles also tatsächlich ähnlich sehen.

Als Gründe für die Verjüngung sieht Bloomberg zwei mögliche Faktoren. Der eine liegt auf der Hand: Immer mehr ältere Mitarbeitende verlassen die Banken und gehen in Rente. Diejenigen, die nachkommen, sind logischerweise jünger als ihre Vorgängerinnen und Vorgänger. Als zweite Ursache für die zumindest etwas jugendlichere Belegschaft sieht Bloomberg die Bemühungen der Geldinstitute, Nachwuchs anzuwerben. Zum Beispiel über ihre Tiktok-Kanäle.

Betrachtet man die dort gebotenen Inhalte jedoch näher, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es sich hier wohl eher um einen zufälligen Zusammenhang handeln muss. Schwer vorstellbar, dass sich coole Gen-Z-Kids tatsächlich von selbstgedrehten Kurzvideos anlocken lassen, in denen Banken beliebte Tiktok-Trends versuchen zu kopieren.

Hauptsache, ein bisschen Aufmerksamkeit

Besonders beliebt ist zurzeit der Spruch: „Wir arbeiten bei Bank XY, natürlich haben wir flexible Arbeitszeiten“. Dass diese Formel von Tiktokern eigentlich mal ironisch eingesetzt wurde („Ich bin Veganer, natürlich esse ich den ganzen Tag nur Körner“) – egal. Ein bisschen Fremdscham, ein bisschen Aufmerksamkeit, Hauptsache man kommt irgendwie gegen Taylor Swift, „Söder isst“ und die ganzen Katzenvideos an. Hier wird deutlich, warum Tiktok-Trends spätestens dann enden, wenn Unternehmen anfangen, sie zu kopieren.

Das hielt die Deutsche Bank natürlich nicht davon ab, gleich zwei beliebte Trends miteinander zu kombinieren, um auf Tiktok den Nachwuchs zu erreichen. Das viel genutzte Audio, in dem eine junge Frau die Beschreibung ihres idealen Zukünftigen mit den Worten „I’m looking for a man in finance“ beginnt, paarte die Bank kurzerhand mit dem von der Sängerin Charlie XCX ausgehenden „Brat-Girl-Summer-Trend“. Das Ergebnis: „We’re looking for a brat in finance.“ Die Botschaft zwischen den Zeilen: Wir haben Internet, wir sind cool, bitte kommt doch zu uns! Klingt eher nach Verzweiflung. Vielleicht lag die Verjüngung bei den Banken dann doch eher an den vielen Renteneintritten.

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