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Streit um chinesische Apps:Trump will Tiktok-Download in den USA sperren

Symbolfoto: Das Logo des chinesischen Videoportal Tik Tok wird auf einem Smartphone angezeigt. Berlin, 02.02.2020. Berl

Im Streit um Tiktok mischt das Weiße Haus eifrig mit

(Foto: Thomas Trutschel/imago images)

Von Sonntag an soll es für US-Nutzer nicht mehr möglich sein, die chinesischen Apps Tiktok und Wechat herunterzuladen.

Von Christoph Giesen, Peking

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump erhöht im Ringen um die Zukunft der populären Video-App Tiktok den Druck. Von Sonntag an soll es in den Vereinigten Staaten nicht mehr möglich sein, Tiktok und die chinesische Multifunktionsapp Wechat herunterzuladen, wie aus einer Mitteilung des Handelsministeriums in Washington hervorgeht.

Es handelt sich dabei um die Ausführungsvorschrift eines präsidialen Dekrets, das Trump Anfang August unterschrieben hatte. Der Mitteilung zufolge soll Tiktok von Sonntag an nicht mehr in den amerikanischen App-Stores verfügbar sein, auch Aktualisierungen können dann nicht mehr vorgenommen werden. Benutzt werden darf Tiktok jedoch weiterhin: Trump habe eine Frist bis zum 12. November gesetzt, innerhalb derer Bedenken zur nationalen Sicherheit noch ausgeräumt werden könnten, erklärte Handelsminister Wilbur Ross. Die US-Regierung verdächtigt die Tiktok-Mutter Bytedance, Daten von Amerikanern an chinesische Behörden weiterzureichen. Findet sich bis Mitte November kein amerikanischer Käufer für das US-Geschäft von Tiktok, wird die App für Nutzer in den USA nicht mehr funktionieren.

Tiktok verurteilte in einer Stellungnahme die Blockade in den App-Stores. Man habe sich zu Transparenz des Programmcodes der App verpflichtet, damit die Sicherheit der Nutzerdaten überprüft werden könne. Zudem habe man eine Vereinbarung mit einem "US-amerikanischen Technologieanbieter für die Verwaltung und den Betrieb der Tiktok-Infrastruktur in den USA" getroffen.

Damit ist Oracle gemeint. Der Softwarekonzern hat sich schon mit Tiktok geeinigt. Er würde einen Teil des US-Geschäfts übernehmen und die Nutzerdaten verwalten, doch das bliebe hinter der Forderung der US-Regierung zurück, dass Bytedance Tiktok komplett verkaufen soll. Die US-Regierung hat die Vereinbarung der beiden Konzerne noch nicht genehmigt.

Bei Wechat werde die Sperre bereits von Sonntag an gelten - so hatte es Trump in seinem Dekret angeordnet. Klarheit herrscht durch die Mitteilung des Handelsministeriums nun auch darüber, wie weitreichend der Bann ist. Genau wie bei Tiktok ist lediglich der amerikanische Markt betroffen. Vor allem für Apple ist das eine positive Nachricht. Nachdem Trump sein Dekret unterzeichnet hatte, war darüber spekuliert worden, ob Apple als amerikanisches Unternehmen womöglich gezwungen sein könnte, Wechat weltweit aus seinen App-Stores zu verbannen. Die Konsequenz wäre gravierend gewesen: In China ist Wechat auf beinahe jedem Smartphone installiert, die App wird zum Einkaufen, Chatten und Flirten benutzt. Mit Geräten von Apple hätten man dann die wichtigste App des Landes nicht mehr nutzen können. Das ist nun nicht eingetreten.

© SZ/vit
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