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Tibet-Debatte:BASF-Chef beschwichtigt Chinas Verhalten

Die Welt empört sich über den chinesischen Umgang mit Kritik, derweil hat BASF-Chef Hambrecht ganz andere Sorgen: Er bangt um die guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China.

Die China-Debatte schaukelt sich weiter hoch: Während der Fackellauf in Islamabad nur unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfand, warnte Australien die berüchtigten chinesischen Fackelschützer vor einem Einschreiten. "Wenn sie jemanden anfassen, können sie verhaftet werden." Der nächste unangenehme Zwischenfall ist nur noch eine Frage der Zeit.

BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

(Foto: Foto: Reuters)

BASF-Chef Jürgen Hambrecht sorgt sich währenddessen vor negativen Auswirkungen der Tibet-Diskussion für die deutsche Wirtschaft in China.

Ein Viertel der Deutschen kauft keine chinesischen Produkte mehr

Konkrete Drohungen gebe es zwar nicht, gleichwohl sei die Sorge der Chinesen bezüglich der aktuellen Debatte in Deutschland zu vernehmen, sagte der Manager am Dienstagabend im ZDF. "Ich meine schon, dass wir auf diese Stimmen hören sollten".

Die Sorge hat einen guten Grund: Der BASF-Chef ist auch Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA). Aus dieser Sicht stellt sich die Problematik folgendermaßen dar: "Menschenrechte bedeutet eben auch, dass wir darüber mit den Chinesen sprechen und zwar so sprechen, dass wir den Chinesen gegenüber Respekt aufbringen", sagte der Vorstandschef des Ludwigshafener Chemiekonzerns.

China verändere sich zu mehr Wohlstand, zu mehr Einkommen und auch zu mehr Rechten. Das Land sei auf dem richtigen Weg. "Nur eines wird uns nicht gelingen, China genau so zu haben, wie wir im Moment gerade Deutschland erleben", sagte der Manager.

Leise und hinter der Tür

Er spreche Menschenrechtsthemen auch an, sagte der Hambrecht. Er mache das leise und hinter der Tür. "Und ich glaube, dass das ganz besonders wirksam ist", sagte Hambrecht. Zugehört wird ihm höchstwahrscheinlich - denn BASF ist schon lange in China aktiv und gehört dort zu den größten ausländischen Investoren.

Gut ein Viertel der Deutschen scheint dagegen handfestere Strategien zu bevorzugen: 23 Prozent der Verbraucher kaufen wegen der blutigen Niederschlagung des Aufstandes in Tibet nach eigenen Angaben weniger oder gar keine Produkte aus China mehr. Das ergab eine Forsa-Umfrage für das Magazin Stern.

Vor allem Anhänger der Linkspartei (32 Prozent), der FDP (29 Prozent) und der Grünen (27 Prozent) wollen so Druck auf Peking ausüben, die Unterdrückung in Tibet zu beenden. Für die große Mehrheit der Bürger bleibt ein Boykott jedoch kein Thema: 75 Prozent erklärten, sie würden weiter wie bisher Waren und Güter aus China kaufen.

Auch BASF-Chef Hambrecht hält einen Boykott chinesischer Waren für falsch. "Wir dürfen nicht unsere Gesprächsmöglichkeiten mit einem Land beschädigen, ohne das man die globalen Herausforderungen wie Klimaschutz und Welthandel nicht meistern kann", sagte Hambrecht.

Wirtschaftschefs bei der Eröffnungsfeier

Sanktionen würden den "konstruktiven Dialog mit China beenden, die Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung verschlechtern, Munition für nationalistische Propaganda liefern und nicht zuletzt auch der eigenen Wirtschaft schaden".

Wichtiger sei der intensive Austausch von Politikern, Künstlern, Journalisten, Schülern, Touristen oder Sportlern - und Wirtschaftsbossen. Während zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am 8. August in Peking vermutlich kein ranghoher deutscher Politiker anreist, werden nach Stern-Informationen Siemenschef Peter Löscher, Adidasvorstand Herbert Hainer und VW-Vorstandschef Martin Winterkorn teilnehmen. Auch Hambrecht ist dabei. Er sagt, er habe die Einladung "ganz bewusst angenommen".

© sueddeutsche.de/Reuters/jkr/mel
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