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Thyssenkrupp:Warten, bis der Aufzug kommt

ThyssenKrupp - 2. Quartal

Teile eines Getriebes in der Produktionshalle der Thyssenkrupp-Aufzugswerke im schwäbischen Neuhausen auf den Fildern.

(Foto: Inga Kjer/picture alliance/dpa)

Verhandlungen über den Verkauf der wertvollsten Sparte werden konkreter.

Immer höhere Schulden, immer weniger Geld in der Kasse: Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp wird bald sein wertvollstes Geschäft mit Aufzügen abgeben, um überleben zu können. Der wichtigste Industriekonzern des Ruhrgebiets meldet für das vergangene Quartal einen weiteren Verlust von 372 Millionen Euro; im Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn. "Die Herausforderungen sind sehr groß", sagt Finanzvorstand Johannes Dietsch.

Größtes Problem der Essener sind derzeit die Stahlwerke, die in diesem Winter Verluste schreiben. Denn die vielerorts schwächelnde Autoindustrie und der Maschinenbau fragen weniger Stahl nach; gleichzeitig sind die Eisenerzpreise hoch und der weltweite Wettbewerb scharf. Im Anlagenbau, etwa für die Bergbau- oder Zementindustrie, schreibt Thyssenkrupp ebenfalls Verluste. Der Konzern musste im abgelaufenen Quartal aber auch höhere Zinsen und Abfindungen zahlen; er ist gerade dabei, etwa 6000 Stellen abzubauen.

Mittlerweile lasten auf Thyssenkrupp mehr als sieben Milliarden Euro Schulden; hinzu kommen noch Pensionsverpflichtungen. Der Konzern will daher sein profitables Geschäft mit Aufzügen verkaufen oder an die Börse bringen. Mit dem Vorhaben sei man "auf der Zielgeraden", so Dietsch, eine Entscheidung stehe Ende Februar an.

Der finnische Konkurrent Kone hat für eine Aufzugsfusion geworben und etwa 17 Milliarden Euro geboten. Mehrere Finanzinvestoren haben ebenfalls Interesse bekundet. "Im Moment analysieren wir die Angebote, die vorliegen", sagt Dietsch. "Das ist das, was uns im Moment sehr stark beschäftigt." Gegen eine Fusion mit Kone spricht, dass Wettbewerbsbehörden diese noch prüfen müssten; Thyssenkrupp braucht hingegen so schnell wie möglich Geld.

Einer Kompromissidee, wonach Kone das Aufzugsgeschäft in Europa abspalten könnte, um die kartellrechtliche Prüfung zu erleichtern, stehen wiederum Arbeitnehmervertreter skeptisch gegenüber. "Ein Zerschlagen oder Filetieren kommt für uns nicht in Frage", sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen und Aufsichtsratsvize der Aufzugssparte von Thyssenkrupp. "Das ist kein überlebensfähiges Szenario." Die Gewerkschaft fordert Garantien für die Beschäftigten und Standorte des Aufzugsgeschäfts, insbesondere hierzulande.

An der Börse gewann Thyssenkrupp am Donnerstag zeitweise drei Prozent an Wert. Der Konzern habe im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten, heißt es etwa von den Analysten der Bank Barclays. Dass die Essener den Ausblick nicht nach unten korrigierten, sei schon eine gute Nachricht. Nun komme es darauf an, wie sie sich beim Thema Aufzüge entscheiden werden.

© SZ vom 14.02.2020
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