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Thyssenkrupp:Stellenabbau fällt noch größer aus

Thyssenkrupp in wirtschaftlichen Schwierigkeiten Wirtschaft: Konjunktur, Bilanz, Außenansicht vom Hauptgebäude der thyss

Zentrale von Thyssenkrupp in Essen: Das Unternehmen hat vergeblich einen Käufer für seine krisenanfälligen Stahlwerke gesucht.

(Foto: imago images)

Der Konzern will die Stahl­sparte, in der 750 weitere Jobs wegfallen sollen, selbst weiterführen.

Von Benedikt Müller

Bei Deutschlands größtem Stahlhersteller Thyssenkrupp sollen mehr Arbeitsplätze wegfallen als bislang vereinbart. Der Konzern plant, in den kommenden Jahren bis zu 750 Stellen zusätzlich in den Stahlwerken an Rhein und Ruhr abzubauen. Darauf haben sich Thyssenkrupp und die IG Metall nun verständigt. Im Gegenzug bleibe es dabei, dass der Konzern bis mindestens 2026 keine betriebsbedingten Kündigungen im Stahlgeschäft aussprechen werde.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte Thyssenkrupp angekündigt, dass 3000 Arbeitsplätze in der Sparte wegfallen sollen; zugleich investiert der Konzern in seine Anlagen. Allerdings war die Corona-Pandemie zum damaligen Zeitpunkt gerade erst ausgebrochen. In den Folgemonaten orderten Kundengruppen wie die Autoindustrie deutlich weniger Stahl, da ihre Produktion wochenlang stillstand. Mittlerweile hat sich die Nachfrage zwar spürbar erholt; die Branche befürchtet aber, dass sie das Vorkrisenniveau einige Zeit lang nicht erreichen dürfte. "Die Vereinbarung wird dazu beitragen, den durch Corona entstandenen wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen", sagt Thyssenkrupp-Vorstand Klaus Keysberg.

Freilich stehen Stahlhersteller - neben der Corona-Krise - noch vor anderen Problemen. Schon seit Jahren könnten alle Stahlwerke dieser Welt zusammengerechnet viel mehr produzieren, als wirklich gebraucht wird. Die Preise auf dem Weltmarkt schwanken. Dabei muss die Branche Milliarden in neue Technologien investieren, wenn sie eine Zukunft - etwa in einem klimaneutralen Europa - haben will. Die Hersteller hoffen hierbei auch auf staatliche Förderung.

Thyssenkrupp hatte daher seit vorigem Jahr einen Käufer oder Partner für seine Stahlwerke mit etwa 26 000 Beschäftigten gesucht. Der Konzern will sich stattdessen auf den Werkstoffhandel und andere Industriegeschäfte konzentrieren. Offiziell hatte freilich nur die Firma Liberty Steel des britisch-indischen Unternehmers Sanjeev Gupta Interesse bekundet. Doch Thyssenkrupp brach die Gespräche ab, da man sich nicht auf einen Wert der Werke einigen konnte. Stattdessen will der Konzern die Sparte nun eigenständig aufstellen, möglicherweise in eine eigenständige Firma abspalten. Die neue Vereinbarung sei da "ein Meilenstein auf dem Weg zu einer möglichen Verselbstständigung", sagt Keysberg. Die Arbeitnehmervertreter der IG Metall betonen indes, dass sie noch einschneidendere Pläne des Konzerns "wegverhandelt" haben.

An der Börse hat sich Thyssenkrupp mittlerweile deutlich erholt. Auf dem Tiefpunkt der Corona-Krise war ein Anteilsschein weniger als vier Euro wert. Am Mittwoch notierte die Aktie ein Prozent tiefer bei 11,60 Euro.

© SZ vom 11.03.2021
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