Thyssenkrupp Stahlwerker hoffen auf Fusion

Der Betriebsrat der Stahlsparte fordert Garantien für die Beschäftigten - auch wenn der Zusammenschluss mit Tata noch scheitern sollte.

Von Benedikt Müller, Duisburg

Neun Monate ist es her, dass Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp beschlossen hat, sein altes Stammgeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Konkurrenten Tata Steel auszulagern. Doch noch immer missen Tausende Stahlwerker von Thyssenkrupp die Klarheit, ob die Fusion kommen wird. "Das dauert und dauert, das nervt die Leute", sagt Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratschef der Stahlsparte. Er hat seine Leute am Mittwoch zur Betriebsversammlung nach Duisburg geladen.

Denn die EU-Kommission will den Zusammenschluss nur unter Auflagen genehmigen. Thyssenkrupp und Tata wollen gemeinsam den zweitgrößten Stahlhersteller Europas schmieden. Doch vor allem auf den Märkten für Autoblech und Verpackungsstahl wäre ihr Gemeinschaftsunternehmen zu mächtig, kritisieren die Wettbewerbshüter. Sie sollen den Konzernen einen 200 Seiten langen Brief voller Bedenken geschickt haben.

Dem Vernehmen nach wollen Thyssenkrupp und Tata vier Fabriken in Belgien, Großbritannien und Spanien zum Verkauf stellen, um die Bedenken zu zerstreuen. "Ich würde das begrüßen, wenn deutsche Standorte nicht Gegenstand dieses Angebots wären", sagt Nasikkol. Die Konzerne wollten sich zu derlei Details nicht äußern.

Der Betriebsrat rüstet sich derweil für den Fall der Fälle: "Sollte - nur fiktiv - ein Joint Venture nicht stattfinden, verlangen wir den gleichen Schutz wie beim Tarifvertrag Zukunft", sagt Nasikkol. In besagter Vereinbarung garantiert Thyssenkrupp den Stahlwerkern, bis Ende 2026 keine betriebsbedingten Kündigungen in Deutschland auszusprechen und keine Standorte hierzulande dichtzumachen - allerdings nur, wenn die Stahlfusion mit Tata gelingt.

Nasikkol warnt den Konzern vor zu weitreichenden Zugeständnissen an die Behörden. "Wenn jetzt immer weiter nachgebessert würde", sagt der Betriebsrat, habe das Gemeinschaftsunternehmen irgendwann wirtschaftlich keinen Sinn mehr.

Mit ihrem Fusionsplan reagieren Thyssenkrupp und Tata auf die weltweiten Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt, mitsamt schwankenden Preisen und höheren Zöllen. Man stehe in einem konstruktiven Dialog mit der EU-Kommission, sagt ein Tata-Sprecher am Mittwoch. Die vorgeschlagenen Zugeständnisse der Konzerne trügen den Bedenken der Wettbewerbshüter Rechnung. Tata sei weiter zuversichtlich, dass man von dem geplanten Bündnis mit Thyssenkrupp profitieren würde. Brüssel will bis 5. Juni über die geplante Stahlfusion entscheiden.