Stahlindustrie:Thyssenkrupp-Chefin wechselt in den Fanklub

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Martina Merz ist seit 2019 Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, jetzt geht sie. (Foto: INA FASSBENDER/AFP)

Martina Merz gibt nach vier Jahren Ende des Monats den Chefposten ab. Sie sagt aber, sie liebe das Unternehmen.

"Ich liebe dieses Unternehmen" - mit diesem Bekenntnis hat die scheidende Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz am Donnerstag die Zahlen zum zweiten Quartal präsentiert. "Ich wechsel vom Vorstandsvorsitz deshalb auch nur in den Fanklub von Thyssenkrupp", fügte die Managerin hinzu, die nach weniger als vier Jahren auf dem Chefsessel auf eigenen Wunsch Ende des Monats abtritt.

Von Januar bis Ende März fuhr der Traditionskonzern einen Nettoverlust ein. Unter dem Strich stand nach Anteilen Dritter ein Fehlbetrag von 223 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Thyssenkrupp noch einen Gewinn von 565 Millionen Euro erzielt. Darin enthalten seien nun Wertberichtigungen von knapp 350 Millionen Euro in der Stahlsparte. Belastend seien insbesondere höhere Energie- und Rohstoffkosten in der Stahlsparte bei zugleich gesunkenen Preisen für den Werkstoff gewesen.

Merz erklärte, die Personalveränderung an der Spitze des Vorstands werde den geplanten Umbau zu einer klimaschonenden Produktion nicht bremsen. "Die wesentlichen strategischen Initiativen werden weiter konsequent verfolgt." Merz' Nachfolger soll zum 1. Juni Miguel Angel Lopez Borrego werden, der ehemalige Siemens-Manager kommt vom Industriezulieferer Norma Group. Seine Aufgabe wird es unter anderem sein, eine Lösung für die konjunkturanfällige Stahlsparte zu finden. Merz erklärte, der Konzern führe sehr gute Gespräche. Sie würde aber hierzu in den kommenden Monaten keine finalen strategischen Entscheidungen erwarten.

Thyssenkrupp Steel Europe fuhr im zweiten Quartal einen Verlust von 14 Millionen Euro ein nach einem Gewinn von 479 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im Quartalsbericht sprachen sich Merz und Finanzchef Klaus Keysberg erneut für eine Verselbstständigung der Stahlsparte aus. Der Konzern schaffe weitere Voraussetzungen für eine eigenständige Aufstellung des Stahls. "Dazu gehört die Prüfung möglicher sektoren- und länderübergreifender Partnerschaften." In Frage kämen Energiepartnerschaften, durch die das Stahlgeschäft sicheren Zugang zu wettbewerbsfähigen Energiekosten erhalten würde. "Hier haben wir vielversprechende Gespräche mit möglichen Partnern aufgenommen." Merz bekräftigte zudem, die Wasserstoff-Tochter Nucera an die Börse bringen zu wollen.

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