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Thomas Middelhoff: Arcandor:Erstaunliche Einblicke schon am ersten Prozesstag

Schon der erste Prozesstag im Juni hatte erstaunliche Einblicke in den einst von Middelhoff gelenkten Konzern eröffnet. Es hat sich dort ein Drama abgespielt. Die sieche Arcandor AG ringt intern von August 2008 an um Sanierung. Am 17.September zieht die Royal Bank of Scotland den Stöpsel und will Kredite fällig stellen. Das ist das Umfeld, vor dem Middelhoff per Tagesspiegel ("Wir legen momentan noch zu") Jubelstimmung verbreitet. Kein Hauch von Krise? Wohl eher kein Hauch von Wahrheit. Vier Tage später ist nach einem "Pre-Marketing-Test" klar, dass ein Verkauf von Thomas Cook nicht die benötigten Millionen einbringt. Am 28. September, einem Samstag, erfährt Arcandor-Justiziar Detlev Haselmann, dass Sal. Oppenheim ein Darlehen über 60 Millionen Euro nicht gewährt. Da will der Rechtsexperte spontan auf die Idee einer Kapitalerhöhung gekommen sein - die prompt am Sonntag genehmigt und am Montag durchgeführt wird.

Kapitalerhöhung in einer großen AG innerhalb weniger Stunden? Das ist Rekord. Üblicherweise wird eine solche Aktion lange vorbereitet und ist Sache des Finanzvorstands. Hat Middelhoff den Boden schon vorher bereitet? Hat er also Aktionäre hinters Licht geführt? Immerhin bat er im August 2008 die Wirtschaftsprüfer von KPMG, verschiedene Sanierungsüberlegungen zu prüfen.

Welt-Chefredakteur Peters glaubt, es mit einem Lügengebilde zu tun zu haben. Er arbeite ja selbst in einer AG und wisse, dass man die Lage nicht besser darstellen dürfe als sie ist. Auch Springer-Chef Mathias Döpfner dürfte nichts dagegen haben, dass der Fall aufgedröselt wird: Er kennt Middelhoff aus gemeinsamen Tagen im Medienhaus Bertelsmann - das hat der Beklagte auch einmal geleitet.

Wäre Peters ein unbekannter Kleinaktionär, würde sich jetzt wohl kaum einer für die letzte September-Woche 2008 interessieren. So aber wird der Rechtsstreit Peters gegen Middelhoff, Aktenzeichen 4 O 244/09, zum Präzedenzfall. Am ersten Prozesstag im Juni traten gleich mehrere Middelhoff-Anwälte auf; er selbst kam nicht. Der Richter legte nahe, das nächste Mal bitte zu erscheinen.

Middelhoffs Anwalt Jasper Hagenberg erklärt, der Vorwurf, der Manager habe die Lage von Arcandor geschönt, sei "nicht aufrechtzuerhalten". Er habe sich "jederzeit korrekt zur Situation des Unternehmens und den laufenden Verhandlungen geäußert". Zu den Angaben des Pressemanns Howe über den Verbleib von Thomas Cook heißt es, der Vorstand habe den Sprecher nicht zu dieser Aussage angewiesen. Das soll eine private Meinung gewesen sein. Der einstige Sat1-Chefredakteur und jetzige Sprecher der Daimler AG soll in Essen aussagen. Er ist als sehr vorsichtiger Mensch bekannt. Derzeit äußert er sich nicht.

Über all die Querelen hat Middelhoffs Ruf als Finanzinvestor erkennbar gelitten. Jüngst stieg er aus der gemeinsamen Firma mit Unternehmensberater Roland Berger und Manager Florian Lahnstein aus und macht nun alleine weiter in seiner Lieblingsstadt New York. Da sitzt er schon im Verwaltungsrat der New York Times und zieht eine Hedgefonds-Firma unter dem Namen Pulse Capital Partner hoch. Einsatz in Manhattan: Von dort aus gesehen ist ein kleiner Gerichtssaal in Essen sehr weit weg.