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Reisekonzern:Thomas Cook ist gerettet - Aktie kracht um 61 Prozent ein

FILE PHOTO: A Thomas Cook Airbus A321 airplane takes off at the airport in Palma de Mallorca

Auch nach geglückter Rettung bleibt eine große Frage: Was passiert langfristig mit der Airline-Sparte?

(Foto: Paul Hanna/REUTERS)
  • Thomas Cook ist vorerst gerettet: Das Unternehmen hat sich mit dem chinesischen Investor Fosun auf eine Finanzierung geeignet.
  • Der Reisekonzern wird jedoch in zwei Teile aufgespalten. Die Zukunft der Flugsparte - und damit auch der Condor - ist weiterhin vollkommen offen.
  • Die Thomas-Cook-Aktie ist um zwischenzeitlich mehr als 61 Prozent eingebrochen.

Der Reisekonzern Thomas Cook hat sich mit seinem größten Anteilseigner Fosun, Banken und Eignern von Anleihen auf die Grundzüge eines Rettungspakets geeinigt. Demnach investieren der chinesische Mischkonzern sowie die Hausbanken rund 750 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 837 Millionen Euro) in Form von Eigenkapital und frischen Krediten. Kredite und Anleihen in Höhe von etwa 1,6 Milliarden Pfund werden dem Vernehmen nach zusätzlich in Anteile an dem Reiseveranstalter und der Flugsparte umgewandelt.

Die Finanzierungszusagen würden sicherstellen, dass Thomas Cook genügend Geld für den nachfrageschwachen Winter hat. Allerdings hat die Einigung im mehrfacher Hinsicht einen hohen Preis: Der Konzern wird in zwei Teile zerlegt, die miteinander nur noch über kommerzielle Abkommen in Verbindung stehen. Und die Anteile der bisherigen Anteilseigner werden stark und bis fast zur Bedeutungslosigkeit verwässert. Auch deswegen brach die Thomas Cook-Aktie bis zum Börsenschluss um gut 60 Prozent ein.

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Der finanziell angeschlagene Reisekonzern hatte die Börse zuletzt angesichts von schwacher Nachfrage nach Pauschalreisen immer wieder mit Gewinnwarnungen schockiert und Auswege aus der Krise gesucht. Im Frühjahr gab Thomas Cook bekannt, die intern mittlerweile ausgegründete Airline-Sparte stehe zum Verkauf. Zu der Sparte gehört auch die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor. Im Juni dann bestätigte der Konzern, dass Anteilseigner Fosun investieren könnte. Fosun hält bereits heute mit 18 Prozent das größte Thomas Cook-Aktienpaket.

Das angestrebte neue Konstrukt ist auch aus rechtlichen Gründen komplex. Nicht-europäische Investoren dürfen nicht die Mehrheit an europäischen Fluggesellschaften besitzen. Daher ist vorgesehen, dass Banken und die Besitzer von Anleihen die Mehrheit an der Airline Group halten werden. Fosun wird Haupteigner des Reiseveranstalters. Dem chinesischen Unternehmen gehören unter anderem auch die Club Med-Ferienanlagen.

Thomas Cook setzt darauf, dass die geplante Transaktion einige strukturelle Schwächen beheben kann. In erster Linie hat dem Konzern die hohe Zinslast - 1,2 Milliarden Pfund seit 2012 - zu schaffen gemacht. Das Geld fehlte für Investitionen an anderer Stelle, vor allem für Hotels und neue Flugzeuge, die die alternde Flotte ablösen könnten. Konzernchef Peter Fankhauser rechnete vor, dass Thomas Cook jedes Jahr drei Millionen Reisen verkaufen muss, nur um die Zinsen zu begleichen. Doch auch mit neuen Eigentümern blieben andere Probleme bestehen: der besonders in diesem Jahr schwächelnde Reisemarkt, die zusätzliche Unsicherheit durch den geplanten Brexit, ein ungenügendes Angebot im Premium-Segment. Und um das Geschäft neu zu strukturieren, müsste sich Thomas Cook nicht nur über den Winter retten, sondern auch investieren, vor allem in neue Hotels. In lukrativen Segmenten wie den derzeit besonders beliebten Kreuzfahrten ist der Konzern ebenfalls kaum präsent.

Was passiert mit der Airline-Sparte langfristig?

Doch auch nach geglückter Rettung bleibt eine große Frage: Was passiert mit der Airline-Sparte langfristig? Denn während Fosun als langfristiger Eigner des Reiseveranstalters vorstellbar ist, werden die Banken und Anleihe-Eigner nach Einschätzung aus Branchenkreisen über kurz oder lang versuchen, ihre Beteiligung wieder zu verkaufen.

Bislang hatten mehrere Unternehmen, darunter Lufthansa und Virgin Atlantic, unverbindliche Angebote für die Flugsparte abgegeben. Wegen der hohen Schulden konnten sie sich aber bisher nicht auf einen Kaufpreis einigen. Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson sagte deswegen jüngst öffentlich, es sei unwahrscheinlich geworden, dass der Verkauf noch über die Bühne gehe.

Nun aber werden die Karten neu gemischt. Die Flugsparte ist weiter zu haben, wenn sich die Banken schnell wieder von ihr trennen wollen, nun aber mit viel weniger Schulden. Andererseits wollen die neuen Eigentümer das Geld, das sie gerade erst in das Unternehmen gesteckt haben, auch mit einer Gewinnmarge wieder herausholen. Auch auf Lufthansa-Seite hat sich zuletzt viel geändert: Konzerntochter Eurowings, bei der Condor bislang hätte integriert werden sollen, soll sich auf die eigenen Sanierung konzentrieren und gibt die Ferien-Langstrecken an Lufthansa ab. Brussels Airlines wird bei Eurowings nicht integriert, wo Condor im Konzern landen würde, ist daher unklar.

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