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Küchenmaschine:Thermomix soll China erobern

Vorwerk - Produktion Thermomix

Der Thermomix war lange ein großer Verkaufserfolg - nun scheint der Markt zumindest in Deutschland gesättigt.

(Foto: dpa)
  • Der Hype um den Thermomix ist in Deutschland abgeebbt, der Markt scheint gesättigt.
  • Vorwerk stellt daher die Produktion der Küchenmaschine in Wuppertal ein, es drohen 85 betriebsbedingte Kündigungen.
  • Alle Hoffnungen ruhen nun auf China - und auf dem "TM6".

Werber sprechen neudeutsch von einem Hype, wenn ein Produkt plötzlich zum Gesprächsstoff wird und gefühlt der halbe Bekanntenkreis die Neuheit anschaffen will. Eine solche Welle der Begeisterung schlug vor ein paar Jahren dem Thermomix entgegen: einer Küchenmaschine der Firma Vorwerk, die nicht nur Rohkost schnippeln, Säfte pressen und Teig rühren kann, sondern ganze Suppen zu kochen und Fische zu dünsten vermag. Das Wunderding hat dem Wuppertaler Staubsaugerhersteller einen Milliardenumsatz beschert und neue Arbeitsplätze geschaffen. Doch wenn ein Hype abebbt, kann das wehtun, vor allem den Beschäftigten.

So soll von Dezember an voraussichtlich kein Thermomix mehr in Wuppertal vom Band laufen. Vorwerk bestätigt einen entsprechenden Bericht der Rheinischen Post. Größter Produktionsstandort des Küchenroboters bliebe dann eine Fabrik in Frankreich, die Vorwerk mitten im Hype ausgebaut hatte. Es ist das Ergebnis langer Verhandlungen zwischen der Firmenleitung und Arbeitnehmervertretern. Bis zu 200 Vollzeitstellen will Vorwerk nun abbauen, es drohen 85 betriebsbedingte Kündigungen - höchstens allerdings: Teile der Belegschaft können freiwillig Abfindungen annehmen oder in den Vorruhestand wechseln.

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Das Familienunternehmen, gegründet 1883 als Teppichfabrik von Carl und Adolf Vorwerk, steckt in einer kleinen Krise: 2018 ist der Umsatz mit dem Thermomix im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen, auf nunmehr 1,08 Milliarden Euro. Die Küchenmaschine steht mittlerweile für 38 Prozent des Umsatzes von Vorwerk. Doch scheint der Markt hierzulande gesättigt; Discounter machten Vorwerk mit eigenen Billiggeräten Konkurrenz. Da sich zudem die Staubsauger der Marke Kobold schlechter verkauften, seien die Erträge im vergangenen Jahr "merklich zurückgegangen", sagte der persönlich haftende Gesellschafter Reiner Strecker zur Bilanzvorlage Ende Mai. "Das ist unbefriedigend." Gewinne und Verluste veröffentlicht das Familienunternehmen, das weltweit knapp 13 000 Menschen beschäftigt, nach alter Tradition nicht.

Immerhin will Vorwerk nun eine neue Thermomix-Fertigung in Schanghai aufbauen. "China könnte bald der wichtigste Markt für Thermomix werden", so Strecker. Der Umsatz dort habe sich alleine im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Vorwerk bringt den Küchenroboter in China nicht im Rahmen der hierzulande üblichen Verkaufspartys unters Volk, sondern vor allem in Einkaufszentren der Großstädte. Arbeitnehmervertreter hoffen nun, dass die Produktion in Schanghai Fahrt aufnimmt und ihr Wuppertaler Werk künftig mehr Motoren und Messer für den Thermomix exportieren wird. Denn diese Komponenten will Vorwerk auch weiterhin am Stammsitz herstellen lassen. Das Unternehmen hat dort erst kürzlich ein neues Motorenwerk hochgezogen, für das sogar das Flussbett der Wupper um einige Meter verlegt und neu begrünt wurde.

Wird der Hype um den "TM6" anhalten?

Die Hoffnung ruht nun auf dem "TM6". Dieses Gerät der sechsten Generation, das Zutaten etwa auch braten und karamellisieren kann, hatte Vorwerk im März ohne Vorankündigung präsentiert. Viele Kunden, die kurz zuvor den "TM5" aus dem Jahr 2014 gekauft hatten, beschwerten sich daraufhin im Netz und drohten mit Boykott. Außerhalb des Internets und im Ausland habe man freilich kaum Beschwerden verzeichnet, sagte Strecker. Man könne bei einer Modelleinführung auch kaum anders verfahren. "Wir müssen den Absatz durch neue Angebote, neue Funktionalitäten wieder anreichern", so Strecker.

Nun hoffen sie in Wuppertal, dass der Hype um den "TM6" anhalten wird. "Neue Besen kehren gut", so Strecker. Vorwerk meldete bereits zur Bilanzvorlage Bestellungen im Wert von gut 150 Millionen Euro. Noch immer müssten Kunden nach einer Bestellung sechs bis acht Wochen auf den neuen Thermomix warten, sagt ein Vorwerk-Sprecher.

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