Luxuskaufhäuser:Das Kaufhaus des Fernen Ostens

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Volle Taschen: Die Thailänder könnten noch mehr vorhaben mit den Luxus-Immobilien der KaDeWe Group. (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Die Central Group aus Thailand übernimmt die Anteile der KaDeWe-Gruppe aus der Signa-Pleiter von René Benko. Dazu zählen auch Oberpollinger und Alsterhaus.

Von Michael Kläsgen

Ein klein bisschen schienen sie ins Wackeln zu geraten in den vergangenen Monaten, die Pralinen-Türmchen oben in der Feinkostabteilung des Berliner KaDeWe. Aber nur ein klein wenig. Dass die Thailänder zur Rettung eilen würden, war irgendwie klar. Aber dass das Eilen so lange dauern würde, war dann doch nicht zu erwarten.

Ende Januar hatte die KaDeWe Group Insolvenzantrag gestellt. Es war eine Art Kollateralschaden der diversen Pleiten des bisherigen Immobilieneigentümers, der österreichischen Signa Gruppe des schillernden Unternehmers René Benko. An diesem Freitag kam dann die erlösende Nachricht via Nachrichtenagentur dpa. Die thailändische Central Group hat den Kaufvertrag unterschrieben. Das Wackeln kann erst mal eingestellt werden, nicht nur in dem Berliner Kaufpalast, dem einzigen deutschen Kaufhaus mit Weltruf. Wohl auch deshalb sind hier vor allem Touristen anzutreffen. Zur KaDeWe Group gehören auch die Luxuskaufhäuser Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg. Alle drei beschäftigten etwa 1400 Mitarbeiter. Sie können jetzt aufatmen.

Es geht bei den Häusern in München und Hamburg erst mal nur um das Geschäft mit den Waren, dem operativen Betrieb. Der ist getrennt von den Immobilien. Wobei das Unternehmen der Familie Chirathivat aus Thailand im April auch schon das Gebäude des KaDeWe in Berlin gekauft hatte, nach Angaben des Senats für eine Milliarde Euro. Den Chirathivats gehört das KaDeWe nun also ganz. Beim Oberpollinger und dem Alsterhaus sollen hingegen erst einmal Gespräche mit dem Vermieter über die Höhe der Mieten anstehen. Wer das wohl sein kann?

Übernehmen sie jetzt auch die Immobilien in München und Hamburg?

Was den operativen Betrieb anbelangt, so gehörte Central schon vor der jetzigen Komplettübernahme 50,1 Prozent der KaDeWe Group. Die restlichen 49,9 Prozent gehörten zum zusammengebrochenen Signa-Firmenkonstrukt Benkos. Bei den Immobilien sind die Eigentumsverhältnisse anders. Der Oberpollinger und das Alsterhaus gehören zu 100 Prozent weiterhin einer insolventen Signa-Gesellschaft. Wenig überraschend braucht sie dringend Geld, gern auch in Form von Mieten.

Die Thailänder müssen also mit ihrem alten Partner Signa über ein Absenken der Mieten verhandeln. Geschäftlich wäre es durchaus sinnvoll, wenn sie auch die Immobilien in München und Hamburg übernehmen würden. Denn mit der Insolvenz Benkos bleiben für die Central Group Risiken bestehen. Federführend verhandeln über die Mieten wird nicht Benko persönlich mit ihnen, sondern der für zahlreiche insolvente Signa-Immobilien zuständige Insolvenzverwalter Torsten Martini.

Der hat das bis vor Kurzem schon für die knapp 20 Immobilien von Signa getan, in denen Galeria Karstadt Kaufhof Mieter war. Dort wurden die Mieten zur allgemeinen Zufriedenheit von Galeria auf ein „marktübliches“ Niveau gesenkt. Das liegt zwischen sieben und zwölf Prozent des Umsatzes. 83 von 92 Galeria-Filialen können nun unter anderem dank gesunkener Mieten fortgeführt werden.

Es könnte daher sein, dass die Central Group gute Chancen hat, mit einem schrumpfenden Kostenblock rechnen zu können. Bisher waren die Mieten für die Luxuskaufhäuser der größte Brocken. Ende Januar hatte die KaDeWe Group die „exorbitant hohe Mieten“ sogar für die Insolvenz verantwortlich gemacht.

Signa hatte die Mieten in den vergangenen Jahren stark in die Höhe getrieben. Dadurch stieg der Buchwert dieser Top-Immobilien in Bestlage von Jahr zu Jahr. Mit den immer höheren Bewertungen hatte Benko gute Argumente, wenn es darum ging, neue Geldgeber zu gewinnen. Die steigenden Bewertungen waren zentraler Baustein seines Geschäftsmodells – bis das Kartenhaus Ende 2023 zusammenbrach.

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Die Thailänder durften sich das alles aus nächster Nähe anschauen. Sie sind schon seit 2011 in Deutschland und Europa aktiv und auch mit Signa verbandelt. Allerdings halten sie sich bis heute diskret im Hintergrund. Die Familie gehört mit zu den reichsten ihres Landes. Ihr Vermögen wird dem Magazin Forbes zufolge auf mehr als elf Milliarden Euro geschätzt. Ihr Unternehmen, die Central Group, ist ein Mischkonzern mit Sitz in Bangkok, der Supermärkte, Kaufhausketten, Hotels und Restaurants betreibt. Neben ihren Anteilen an Warenhäusern in Deutschland ist die Gruppe im Ausland unter anderem an La Rinascente in Italien, Selfridges in Großbritannien und Globus in der Schweiz beteiligt – bei Letzteren war der Partner einmal mehr die Signa Gruppe von René Benko.

Dem droht wegen der KaDeWe-Pleite weiteres Ungemach. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Allerdings handelt es sich nur um Vorermittlungen. Die Staatsanwaltschaft sichtet zunächst einmal nur Unterlagen und prüft Vorwürfe möglicher Untreue und etwaigen Subventionsbetrugs, teilte sie vor einigen Tagen mit. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung.

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