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Textilkette KiK:Schulden von Mitarbeitern ausgespäht

Pleite? Keine Chance als Kassiererin! Der Textildiscounter KiK hat sich genau über die finanzielle Lage seiner Beschäftigten informiert - mit regelmäßigen Spähaktionen.

Skandalöse Kontrolle: Der Billig-Textildiscounter KiK hat die Bonität seiner Mitarbeiter ausgespäht. Das Unternehmen aus dem westfälischen Bönen (Kreis Unna) bestätigte einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung General-Anzeiger aus dem niedersächsischen Rhauderfehn. Die nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte prüft bereits den Vorwurf.

Der Textildiscounter KiK hat die Bonität seiner Mitarbeiter ausgespäht - und verteidigt die Datenabfrage.

(Foto: Foto: ddp)

KiK mache die Abfrage bei der Wirtschaftsauskunftei Creditreform von der Tätigkeit der Mitarbeiter abhängig, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Die Begründung: "Damit wollen wir sicherstellen, dass Arbeitnehmer mit negativen Einträgen nicht in sensiblen Arbeitsbereichen ­ wie zum Beispiel für Kassiertätigkeiten ­ eingesetzt werden."

Die Maßnahme diene dem Schutz der Mitarbeiter und des Unternehmens. KiK erhalte grundsätzlich nur Auskünfte über negativ gemeldete Mitarbeiter. "Eine Abfrage aller bei KiK beschäftigten Mitarbeiter/Innen findet nicht mehr statt", hieß es weiter.

Vier Prüfungen pro Jahr

Der General-Anzeiger hatte aus einem internen KiK-Schreiben aus dem Januar 2008 zitiert. Demnach würden "alle Bestandsmitarbeiter" automatisch viermal pro Kalenderjahr bei der Creditreform angefragt. Die Verkaufs- und Bezirksleiter erhielten darüber automatisch im Folgemonat eine Auswertung.

Eine Sprecherin der Datenschutzbeauftragten sagte der Zeitung, dass diese Prüfungen der Zahlungsfähigkeit grundsätzlich zulässig seien - aber nur, sofern ein berechtigtes Interesse bestehe.

Der Datenschutzbeauftragten erschließe sich nicht, worin das berechtigte Interesse an Bonitätsprüfungen bestehe, wenn es um Beschäftigungsverhältnisse gehe. "Das kommt uns sehr befremdlich vor."

KiK betonte, dass bei der Creditreform nur Daten aus amtlich-öffentlichen Quellen gespeichert seien - sowie Daten, deren Speicherung der Betroffene vorab zugestimmt habe oder deren Speicherung durch ein überwiegendes berechtigtes Interesse gerechtfertigt sei. "Zudem kann jeder bei Creditreform im Rahmen einer Eigenauskunft erfahren, welche Daten über ihn gespeichert sind", hieß es.

Das Unternehmen erklärte weiterhin, bereits mit der Datenschutzbeauftragten Kontakt aufgenommen zu haben. "Wir haben angeboten, den Sachverhalt gemeinsam mit uns aufzuklären."

KiK, ein Tochterunternehmen des Einzelhandelskonzerns Tengelmann, betreibt derzeit 2700 Filialen in sechs Ländern Europas und beschäftigt rund 18.000 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2007/2008 betrug 1,4 Milliarden Euro.