Textildiscounter Kik Weg vom Schmuddel-Image

Die Kunden bleiben weg und potentielle Arbeitskräfte bewerben sich womöglich gar nicht erst: Das schlechte Image macht dem Textildiscounter Kik schwer zu schaffen. Nun soll eine neue Kampagne Lust auf Kik machen.

Von Stefan Weber

Fröhlich schaut die junge Frau in die Kamera. Ihr blonder Haarzopf wippt hin und her, als sie sagt: "Meine Freundinnen wollten es zunächst nicht glauben. Aber die Arbeit hier macht richtig Spaß." Dann kommt ein Mittzwanziger ins Bild: Offenes Lächeln, Bart, Piercings an beiden Ohren: "Ich habe wirklich ein tolles Team", erzählt er.

Die Kik-Gruppe war in der Vergangenheit unter anderem wegen Lohndumping und Qualitätsproblemen zeitweise heftig in die Kritik geraten.

(Foto: ag.ddp)

Die jungen Leute sind Mitarbeiter des größten deutschen Textil-Discounters Kik. Sie gehören zu den etwa drei Dutzend Beschäftigten, die das Unternehmen ausgesucht hat, um Werbung in eigener Sache zu machen. In dieser Woche startet die Kik-Gruppe, die in der Vergangenheit unter anderem wegen Lohndumping und Qualitätsproblemen zeitweise heftig in die Kritik geraten war, eine Imagekampagne.

Damit will sich das mehrheitlich zur Tengelmann-Gruppe gehörende Unternehmen vor allem als potentieller Arbeitgeber empfehlen. Drei Monate lang werden Kik-Mitarbeiter in Anzeigen sowie in Spots im Fernsehen und Kino betonen, wie wohl sie sich bei dem Discounter fühlen.

Mindestlohn von 7,50 Euro

"Wir wollen zeigen, dass wir uns bewegen. Denn bei manchem, der einen Job sucht, gibt es Vorbehalte gegen Kik als Arbeitgeber", sagt Geschäftsführer Michael Arretz. Zwar hat die Kritik zuletzt abgenommen. Selbst die Gewerkschaft Verdi, die lange Zeit Missstände bei dem Billig-Anbieter angeprangert hatte, findet neuerdings lobende Worte. Etwa dafür, dass Kik als erstes Unternehmen in der Branche mit einem Mindestlohn vorgeprescht ist. 7,50 Euro je Stunde beträgt das Basisentgelt bei dem Textilfilialisten. Bei Verdi glaubt man, dass der Kurswechsel auch damit zu tun hat, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung allmählich für viele Unternehmen schwieriger wird, Mitarbeiter zu finden. Da könne es sich keine Firma erlauben, als Bösewicht dazustehen.

Noch hat Kik keine Probleme, Stellen zu besetzen, wie Arretz betont. Und das, obwohl das Unternehmen jungen Talenten nicht mehr zahlt als im Durchschnitt der Branche üblich ist. Gut 15.000 Mitarbeiter beschäftigt die Kette allein in Deutschland.

Aber angesichts des strammen Expansionstempos - in den nächsten Jahren sollen insgesamt bis zu 800 weitere Märkte eröffnet werden - benötigt das Unternehmen viele neue Talente. Arretz zufolge verzeichnet Kik einen großen Zulauf an Bewerbern, seit im Herbst vergangenen Jahres der Mindestlohn festgeschrieben wurde.

Er räumt aber auch ein, dass das Schmuddelimage, das Kik lange Zeit anhaftete, noch nachwirkt. "Ein Imagewandel benötigt drei bis fünf Jahre. Aber ein Anfang ist gemacht. Wir haben manchen Missstand beseitigt und wollen künftig transparent sein", kündigte Arretz an. Er gilt als Fachmann für Themen wie Nachhaltiges Wirtschaften und Umwelt und war im Sommer vergangenen Jahres von einem zur Otto-Gruppe gehörenden Beratungsunternehmen zu Kik gewechselt.

Die vielfältige öffentliche Kritik ist bei Kik nicht ohne Folgen für die Geschäftsentwicklung geblieben. "Zwar haben unsere Stammkunden weiter bei uns eingekauft. Aber es war schwierig, neue Zielgruppen anzusprechen", räumt der Geschäftsführer ein. So ging es für die Bekleidungskette im vergangenen Jahr ungewohnt gemächlich voran: Der Umsatz kletterte lediglich um 1,9 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro. Flächenbereinigt, also unter Berücksichtigung von neu eröffneten Geschäften, herrschte nahezu Stillstand. Früher waren bei Kik Zuwachsraten von sieben Prozent und mehr üblich gewesen.

Auch im bisherigen Verlauf dieses Jahres haben sich nicht alle Erwartungen des Managements erfüllt. "Vor allem im Sommer liefen die Geschäfte schlechter als erwartet. Dennoch sind wir beim Umsatz auch flächenbereinigt im Plus", berichtet Arretz. Bei der Expansion nimmt Kik ein wenig Tempo raus: Statt der zunächst geplanten 300 zusätzlichen Märkte werden 2011 voraussichtlich lediglich 200 Standorte hinzukommen. Vorrang hat für das Management nun "qualitatives Wachstum": Weniger gut laufende, in die Jahre gekommene Märkte werden geschlossen und ausgetauscht gegen neue meist größere Standorte. Zudem drängt die Kette verstärkt in bisher gemiedene Toplagen der Innenstädte. Dort sind die Mieten zwar höher. Aber Arretz zufolge verdient Kik auch an diesen Standorten gut. Denn zum einen sei dort die Frequenz höher. Zum anderen ließen die Kunden bei jedem Besuch mehr Geld an der Kasse.

Obwohl auch andere Textil-Discounter ihr Filialnetz in Deutschland kräftig ausbauen und zudem neue, ausländische Mitbewerber in den Startlöchern stehen, sieht Arretz für Kik noch genügend Expansionsmöglichkeiten. "Unser Netz hat noch viele weiße Flecken, vor allem südlich des Mains", stellt er fest. Um diese Lücken zu schließen, prüft das Management auch die Übernahme regional tätiger Mitbewerber mit bis zu 150 Läden.

Mit dem Verkauf von Waren über das Internet hat Kik dagegen keine Eile. "Es gibt keine Pläne für einen Online-Shop. Wir beobachten die Entwicklung", meint Arretz. Als Hürde sieht er vor allem den Versand: Viele Internet-Käufer schickten einen Großteil der bestellten Waren wieder zurück. Weil das zu Lasten des Unternehmens gehe, sei der Online-Verkauf für einen Discounter schwer zu kalkulieren.

Ein möglicher Ausweg sei, dass die Kunden die im Netz bestellten Waren in den Läden abholen. Vorrang habe jedoch der Ausbau des Ladengeschäfts. "Da haben wir noch viele Möglichkeiten - auch im Ausland", betont der Geschäftsführer. Aktuell ist Kik mit mehr als 500 Standorten in Österreich, Tschechien, Slowenien, Ungarn, der Slowakei und seit kurzem auch in Kroatien vertreten.