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Textildiscounter Kik:Der Kleider-Aldi

Der Textildiscounter Kik möchte rasant wachsen - und orientiert sich stark an den Prinzipien von Aldi. Doch nach den Skandalen um Lohndumping und die Bespitzelung von Mitarbeitern kämpft der Konzern gegen ein Schmuddel-Image.

Knapp 2500 Filialen und 15.000 Mitarbeiter allein in Deutschland - der Textildiscounter Kik zählt zu den größten und wachstumsstärksten Unternehmen im Einzelhandel. Mit einer Finanzspritze der Tengelmann-Gruppe, zu deren Einflussbereich auch die Lebensmittelhändler Kaiser's und Tengelmann sowie die Obi-Baumärkte gehören, hat Kik-Gründer Stefan Heinig binnen 16 Jahren ein Unternehmen aus dem Boden gestampft, das prächtig verdient und auch künftig stark wachsen will.

Der Textildiscounter Kik will stark wachsen. Bisher ist sein Image aber zu schlecht.

Der Textildiscounter Kik will stark wachsen. Bisher ist sein Image aber zu schlecht.

(Foto: ddp)

Die rasante Entwicklung hat viel damit zu tun, dass Heinig und sein Team die Prinzipien beherzigen, mit denen schon die Brüder Albrecht ihr Discount-Imperium Aldi groß gemacht haben: ein strenger Blick auf die Kosten, ein schmales Sortiment und eine gut eingespielte Logistik. Auch in einem weiteren Punkt hatte sich das Kik-Management Aldi zum Vorbild genommen, der Verschwiegenheit gegenüber der Öffentlichkeit. Ganz gleich, welche Vorwürfe zuletzt gegen das Unternehmen erhoben wurden - ob Lohndumping, Bespitzelung der Mitarbeiter oder Qualitätsprobleme: Kik äußerte sich nicht.

Das festigte ein Schmuddelimage, das nun schwer abzustreifen ist. Die auf Billigprodukte fixierte Kundschaft reagiert zwar noch nicht mit Kaufzurückhaltung. Aber bei Verbrauchern, die nicht bei Kik einkaufen, habe der Discounter stark an Image verloren, räumt Michael Aretz ein. Er gilt als Fachmann für Themen wie nachhaltiges Wirtschaften und Umwelt und ist seit gut 100 Tagen Mitglied der Kik-Geschäftsführung. Seine Aufgabe: das Unternehmen aus der Schusslinie bringen und dafür sorgen, dass bei dem Textilhändler andere Standards gesetzt werden. Denn inzwischen gefährdet das schlechte Ansehen die ehrgeizigen Wachstumsziele des Unternehmens.

Etwa 500 weitere Filialen möchte Kik in den kommenden Jahren in Deutschland eröffnen. Vor allem in großen Städten wie Hamburg oder München und gerne auch in stark frequentierten Citylagen, wo der Billiganbieter bisher nur selten vertreten ist. Um schneller an begehrte Standorte zu kommen, denkt das Unternehmen erstmals auch an den Kauf von regionalen Ketten mit 50 bis 60 Läden. Europaweit soll das Filialnetz in den nächsten Jahren gar um 2000 auf 5000 Standorte verdichtet werden.

Das kann nur gelingen, wenn sich Szenen, wie sie sich Aretz zufolge in diesem Sommer in einigen Geschäften abgespielt haben, nicht wiederholen: Da seien Mitarbeiter beschimpft und Autos beschädigt worden, weil manche Verbraucher wütend darüber waren, mit welchen Methoden Kik angeblich sein Geld verdient.

Aretz betont zwar, dass Kik-Kunden treu sind. Aber die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr belegt, dass die schlechten Schlagzeilen Spuren hinterlassen haben: Bereinigt um neu eröffnete Filialen wird die Kette 2010 voraussichtlich kein Umsatzwachstum ausweisen. Im vergangenen Jahr hatte Kik noch um sieben Prozent auf 1,63 Milliarden Euro zugelegt. Zur Gewinnentwicklung macht das Unternehmen keine Angaben. "Die Zahlen sind tiefschwarz", meint Aretz aber mit einem Schmunzeln.

"Vorwürfe waren nicht immer falsch"

Er räumt ein, dass Kik Fehler gemacht hat. Wenn Gewerkschaften, Dritte-Welt-Aktivisten und Medien Vorwürfe erhoben hätten, so seien die nicht immer falsch gewesen. Im Zuge der rasanten Expansion der Firma seien die Strukturen nicht im gleichen Tempo mitgewachsen, sagt er. Es habe Versäumnisse gegeben. Auch sei es falsch gewesen, sich gegenüber der Öffentlichkeit komplett abzuschotten.

Energisch weist der Geschäftsführer jedoch Vorwürfe zurück, die Kik-Gruppe sei vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie Lieferanten und Mitarbeiter ausbeute und qualitativ minderwertige Ware anbiete. Er kündigte an, dass das Unternehmen künftig die Produktionsbedingungen bei den Herstellern in Asien auf soziale und ökologische Standards überprüfen wolle. Zudem werde erstmals ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Zum 1. Oktober hat Kik den Basislohn für seine Mitarbeiter in Deutschland um einen Euro auf 7,50 Euro erhöht. Zum neuen Konzept gehört auch eine hochwertigere Gestaltung der Läden, die Aretz zufolge in Zukunft "weniger mit Ware vollgestopft" werden.