Der Rückzieher der US-Regierung beim Klimaschutz im Verkehr und die zunehmende Konkurrenz anderer Hersteller bei Elektroautos lassen den Gewinn beim US-Elektroautobauer Tesla sinken. Beispielsweise verdiente das Unternehmen im zweiten Quartal deutlich weniger mit dem Verkauf von Verschmutzungsrechten als noch vor einem Jahr. Zusammen mit dem Absatzeinbruch lastete dies schwer auf den Geschäftsergebnissen. Der Nettogewinn schrumpfte um 16 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro und lag damit in etwa auf dem Niveau, das Analysten nach Daten von Visible Alpha vorhergesagt hatten. Der Umsatz sank um zwölf Prozent auf 22,5 Milliarden Euro, was weniger ist, als Analysten erwartet hatten. Tesla-Chef Elon Musk kündigte „ein paar schwierige Quartale“ an. Im nachbörslichen Handel gaben die Aktien um rund vier Prozent nach.
Grund dafür ist auch, dass US-Präsident Donald Trump die Steuervergünstigungen für Elektroautos auslaufen lässt, von denen Tesla zuletzt profitiert hatte. „Die enttäuschenden Ergebnisse von Tesla sind keine Überraschung, wenn man sich ansieht, wie steinig der Weg war, auf dem das Unternehmen zuletzt unterwegs war“, sagte Jacob Bourne, Analyst beim Finanzdienstleister Emarketer. Ein günstigeres Fahrzeug könne den Absatz steigern, wenn es Tesla gelinge, das Auto so zu positionieren, dass die teureren Modelle nicht unter Druck gerieten.
Tesla-Finanzchef Vaibhav Taneja sagte, die Produktion eines Einstiegsmodells solle im kommenden Quartal hochgefahren werden. Die ersten Fahrzeuge seien bereits produziert worden, teilte das Unternehmen mit. Ursprünglich hatte sich Tesla einen früheren Produktionsstart vorgenommen. Eine Absatzprognose für das Gesamtjahr legte das Unternehmen allerdings nicht vor. Zuletzt war der Absatz zurückgegangen, und auch die Einführung einer erneuerten Version des Model Y konnte dies nicht stoppen. Tesla spürt dabei zum einen die zunehmende Konkurrenz etablierter Hersteller wie Volkswagen oder BMW oder von Neuankömmlingen. Außerdem spielt das politische Engagement von Musk für US-Präsident Donald Trump eine Rolle, das viele Tesla-Kunden verschreckt hatte. In China leidet das Unternehmen ferner unter dem Preiskampf auf dem Markt für Elektroautos. Deshalb füllen sich weltweit die Lagerbestände mit unverkauften Tesla-Autos.
In den vergangenen Jahren hatte Tesla auch viel Geld damit verdient, CO₂-Verschmutzungsrechte an andere Autohersteller zu verkaufen, deren Fahrzeuge nicht die strengen CO₂-Vorgaben in den USA erfüllten. Die Einnahmen aus dem Verkauf von CO₂-Emissionsrechten haben sich halbiert. Die Trump-Regierung hatte angekündigt, diese Strafzahlungen auf Bundesebene abzuschaffen. Auch die Zukunft weiterer CO₂-Reduktionsprogramme ist unklar. Tesla hat bisher so viele Verschmutzungsrechte verkauft wie kein anderer Elektroautobauer. Die Einnahmen aus diesem Geschäft seien nun vier Quartale in Folge rückläufig, und entsprechend spiele dieser Gewinntreiber eine geringere Rolle, sagte Chaim Siegel, Analyst beim Finanzdienstleister Elazar Advisors. Noch vor ein paar Jahren habe sein Unternehmen deswegen Tesla optimistisch eingeschätzt. „Aber jetzt wird es zum Risiko.“
