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Tesla:Ein Mann will alles

Tesla Motors CEO Elon Musk reveals the Tesla Energy Powerwall Home Battery during an event in Hawthorne, California

Musk interessiert sich nicht nur für Mobilität. Er will auch den Ökostrom-Spezialisten SolarCity übernehmen.

(Foto: Patrick T. Fallon/Reuters)

Tesla-Chef Elon Musk will nun auch Lkw und Busse bauen und mit selbstfahrenden Autos Uber angreifen.

Ausgerechnet Elon Musk, der Apologet einer neuen Schnelligkeit und radikal-rasante Welterneuerer, macht Zehnjahrespläne. Für einen, der seine Revolutionen im Wochentakt um den Globus twittert, ist das schon sehr erstaunlich. Seinen ersten Zehnjahresplan hatte er, inzwischen längst vergessen, schon 2006 verkündet. Damals gab es Visionen zur Entwicklung seines Unternehmens Tesla, vom teuren Elektro-Sportwagen bis zum erschwinglichen Einstiegsmodell war alles dabei. Letzteres soll dann im nächsten Jahr auf den Markt kommen, als "Model 3" für 35 000 Dollar.

Zeit also für den nächsten großen Wurf. In der Nacht auf Donnerstag hat er wieder so eine Zehn-Jahres-Strategie vorgelegt; es ist eines dieser Papiere, an denen sich Manager dann jahrelang messen lassen müssen. Auch einer wie der 45-jährige Unternehmer aus dem Silicon Valley.

Musk, der Mann, der in zwei Jahren mit seiner anderen Firma SpaceX eine Kapsel auf dem Mars absetzen und 2024 ein bemanntes Raumschiff auf den roten Planeten schicken will, der sich sogar vorstellen kann, eines Tages auf dem Mars zu sterben ("nur nicht bei der Landung"), dieser Mann also will nun elektrische Lastwagen und Busse bauen. Also dicke Brummer, Trucks und Busse, wie sie alte Traditions-Unternehmen bauen, die Daimler, MAN oder Volvo heißen. Wer hätte das gedacht bei diesem Unternehmen, das vor allem für Sportlimousinen steht und dessen Chef in Richtung Mars schielt?

Das Ziel ist ein All-Inclusive-Anbieter für Elektro-Mobilität

Aber es zeigt wieder einmal: Bei Elon Musk muss man mit allem rechnen, sogar mit Bussen und Lkw. Denn Musk, der Stromauto-Prophet, will so etwas wie ein 360-Grad-Hersteller werden, ein Allround- und All-inclusive-Anbieter für Elektro-Mobilität. Dazu gehören eben auch Lkw und Busse, und das hat er wiederum mit dem alten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch gemein. Auch der meinte, erst der Zukauf der Lkw-Bauer MAN und Scania würde aus VW einen richtigen Fahrzeugkonzern machen. Da sich Piëch aber weder als großer Freund von Elektromobilität noch je als Visionär für Mars-Expeditionen hervorgetan hat, dürfte die Schwäche für Lkw dann auch zu den wenigen Dingen gehören, die Elon Musk und Ferdinand Piëch gemein haben.

Anders als die Trucks von MAN und Scania müssen die E-Trucks von Tesla aber erst noch erfunden werden; und Musk gestand ein, dass sich die Modelle noch in einem "frühen Stadium der Entwicklung" befinden und frühestens 2017 vorgestellt werden könnten. Wann sie dann über die Autobahnen und Landstraßen rollen? Noch nicht entschieden. Nur so viel: Elektrische Tesla-Lkw würden die Transportkosten senken und die Straßen sicherer machen, sagt Musk. 90 000 Fahrzeuge will er in diesem Jahr ausliefern, in zwei Jahren sollen es schon 500 000 sein. Wichtig: Alles, was fährt und von Tesla kommt, soll in Zukunft auch autonom fahren können - auch Busse und Lkw.

Das aber wirft einige Fragen auf.

Erst vor Kurzem gab es einen tödlichen Unfall. Sicherheit ist wichtig

Bereits im Mai war, wie erst vor Kurzem bekannt wurde, der Fahrer eines Model S tödlich verunglückt, als er seinen Wagen mit eingeschaltetem Autopiloten selbständig fahren ließ und ein Lkw die Straße kreuzte. Seitdem streiten die Experten mit Musk: Ist das Autopilot-System von Tesla, das Autos automatisch die Spur wechseln lässt, das Tempo anpassen und Bremsmanöver veranlassen kann, wirklich sicher? Und was würde es bedeuten, wenn demnächst auch noch 40-Tonner autonom durch die Landschaften rollen? Wird dann auch alles funktionieren?

Musk selbst hatte die Debatte vor einigen Wochen befeuert, als er von der Systemsoftware als einer "Betaversion" sprach - also einem Programm, das noch getestet wird. Auch in seinem Strategieplan ging er nun auf das Thema ein und verteidigte seine Vorgehensweise. "Bei korrekter Nutzung" sei diese Technik sicherer als menschliche Fahrer. Und so kommt er zu dem Ergebnis: Hätte Tesla seine Technologie zurückgehalten, zum Beispiel aus Angst vor Kritik in der Öffentlichkeit, dann wäre dies moralisch nicht in Ordnung gewesen. Ob sich die US-Behörden auf solche Argumente einlassen? Die US-Aufsichtsbehörde NHTSA jedenfalls prüft den Unfall und schaut sich das Autopilotsystem von Tesla genauer an.

Musk aber denkt schon an die nächsten Schritte. Kunden sollen in Zukunft nicht nur die großen Akkus für ihre Elektroautos von Tesla beziehen; auch der Strom kommt dann von Tesla-Solardächern. Tesla regelt alles: Strom von Teslas Solartechnik, Fahren mit von Tesla-Energie gespeisten Teslas, und, auch das, Geld verdienen mit Tesla: Musk denkt an selbstfahrende "Robotertaxis" und an Käufer, die ihr Auto mit einem einfachen Knopfdruck auf der Smartphone-App zu einem Mietwagen machen können. Wer seinen Tesla mal nicht braucht, vermietet ihn einfach - und verdient nebenbei Geld. Die Richtung ist klar - hier sind kalifornische Revolutionäre unter sich, denn dies ist eine klare Attacke auf den US-Taxi-Dienst Uber.

Tesla gegen den Rest der Welt: Der Wettbewerb wird nach Musks neuem Zehnjahresplan wohl härter, und auch für Musk wird es nicht einfacher. Denn die Frage ist nun: Wird er das alles schaffen? Oder wird dieses Unternehmen Tesla, das gerade aus der Nische des Elektroautobauers drängt, durch die großen Pläne seines Erfinders am Ende überfordert? Schon zuletzt lief es bei der Einführung neuer Modelle nicht rund; immer wieder mussten Termine verschoben werden. Jetzt, wo noch Lkw dazukommen, wird es für Musk wieder viel zu twittern geben.

© SZ vom 22.07.2016

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