Tesla:Der wahre Tesla-Hype geht gerade erst los

  • Die ersten dreißig Besteller des Model 3 von Tesla haben ihre Fahrzeuge erhalten.
  • Die Zahl der Vorbestellungen ist mittlerweile auf mehr als 500 000 Stück gestiegen, gab Elon Musk bekannt.
  • Das Fahrzeug gilt als Trendsetter, der so bedeutsam sein könnte wie ehemals das iPhone.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Hach, welcher Chef würde nicht gerne diese Worte sagen, die Elon Musk den Angestellten seiner Elektroautofirma Tesla am vergangenen Freitagabend auf dem Fabrikgelände in Fremont und per Live-Übertragung im Internet der ganzen Welt zugerufen hat? Musk, ein sympathisch schrecklicher Redner, versuchte sich zunächst als Komiker und erklärte, dass die Buchstaben und Zahlen der Tesla-Modelle X, S und 3 in einer anderen Reihenfolge ein ziemlich lustiges Wort ergeben würden. Gleichzeitig zeigte er ein Video von drei Teslas auf einer Brücke mit der Überschrift: "S, 3, X on a bridge". Danach bedankte sich Musk bei allen, die 1000 Dollar für das Model 3 angezahlt haben, und sagte diesen Satz, dessentwegen die Konkurrenz diese Brücke wohl am liebsten niederbrennen würde: "Die Nachfrage ist kein Problem - dabei tun wir doch alles, dieses Auto nicht zu verkaufen."

Die erste wichtige Zahl des Abends deshalb: mehr als 500 000. Das Unternehmen hatte die Zahl der Vorbestellungen seit Mai 2016 - damals waren es 375 000 gewesen - nicht mehr veröffentlicht. Was freilich zu Spekulationen führte, dass möglicherweise zahlreiche Kunden ihre Anfrage aufgrund der langen Wartezeit storniert und die Anzahlung zurückverlangt hätten. Das Gegenteil sei der Fall, sagte Musk, und die Nachfrage wäre noch viel höher, wenn Tesla höhere Stückzahlen produzieren würde: "Wir werden Tag und Nacht daran arbeiten, um diesen Leuten, die uns von Beginn an unterstützt haben, so schnell wie möglich ein Auto zu bauen."

Das führt zur zweiten wichtigen Zahl des Abends: 50 Exemplare des Model 3 gibt es bislang, 20 werden für interne Testzwecke verwendet, 30 wurden am Freitag an Tesla-Angestellte vergeben. Mehr gibt es derzeit nicht. "Ganz ehrlich: Wir werden uns nun sechs Monate lang in die Produktionshölle begeben, vielleicht sogar noch länger", sagte Musk. Sein ehrgeiziges Ziel: In diesem Jahr möchte er 20 000 Exemplare von Model 3 produzieren, im kommenden Jahr sollen es bereits 500 000 sein.

Das bedeutet allerdings: Wer jetzt ein Model 3 bestellt, der bekommt es frühestens Ende kommenden Jahres - weshalb Musk schelmisch grinsend sagte: "Wenn Sie eines der anderen Modelle bestellen, dann bekommen Sie das schon in einem oder zwei Monaten."

Genau das ist Musks Ziel bei seiner High-End-Disruption der Autobranche, die er bereits vor elf Jahren genau so angekündigt hat. Er hat den Markt zunächst mit hochwertigen und hochpreisigen Produkten erschüttert und will ihn nun mit der günstigeren Version erobern. Apple hat das mit dem iPod getan, Starbucks mit Kaffee. "Wer ein Model S oder X besitzt oder jetzt eines kauft, der ermöglicht den Bau von Model 3", sagte Musk am Freitag. Die ersten Model-3-Fahrzeuge an zahlende Kunden sollen im September ausgeliefert werden.

Model 3 gilt wegen seiner Strahlkraft als so bedeutsam wie das iPhone

Das ist freilich die dritte wichtige Zahl des Abends: Model 3 soll das Fahrzeug für den Massenmarkt sein, es gilt als entscheidend für den Erfolg und vielleicht sogar das Überleben des noch immer defizitären und an der Börse dennoch hoch gehandelten Unternehmens. Noch mehr, es gilt aufgrund seiner Strahlkraft als für die Autobranche so bedeutsam wie das iPhone für die Technikindustrie.

Es soll in der Grundausstattung und mit einer Reichweite von 350 Kilometern tatsächlich nur 35 000 Dollar und damit so viel wie ein Mittelklasseauto kosten, die kräftigere Version mit höherer Reichweite (500 Kilometer) soll für 44 000 Dollar angeboten werden, dazu gibt es weitere Upgrades für jeweils 1000 Dollar. "Das ist das beste Auto, das man für diesen Preis bekommen kann", sagte Musk.

Schon vor zwei Jahren hatte er geäußert, dass sich die Revolution des Personentransports letztlich nicht über besonders umweltfreundliche Kunden realisieren lasse, sondern darüber, dass das beste Auto zu einem bestimmten Preis ein umweltfreundliches sei.

All diese Zahlen führen, so die Produktionsprognosen von Musk eintreffen, zur wohl wichtigsten Zahl für das Unternehmen. Sollte Tesla in den kommenden zwölf Monaten tatsächlich 500 000 Exemplare von Model 3 ausliefern, dürfte das Unternehmen aufgrund des Durchschnittspreises von 42 000 Dollar (es wird erwartet, dass mehr Kunden die bessere Version bestellen) darüber 21 Milliarden Dollar einnehmen. Der Hype um Tesla ist also noch nicht vorbei. Er geht gerade erst los.

© SZ vom 31.07.2017/vit
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