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Terrorabwehr bei Firmen:Wer auffällt, wird gemeldet

Ford hat wie Daimler ebenfalls eine solche Betriebsvereinbarung, um Mitarbeiter einem solchen "Screening-Prozess" zu unterziehen. Wer auffällt, wird an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gemeldet. Aus Köln heißt es, man habe einen "Prozess etabliert, basierend auf entsprechenden EU-Verordnungen", und man werde "auch weiterhin Anforderungen aus entsprechenden Verordnungen verfolgen".

Die können aber unterschiedlich ausgelegt werden: Der Essener Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp etwa, screent einen Teil seiner Beschäftigten. Davon seien aber nur die Mitarbeiter im Kriegsschiffbau betroffen, heißt es in Unternehmenskreisen. Denn aus Sicht des Konzerns sehen die Anti-Terror-Verordnungen der Europäischen Union keine Verpflichtung vor, alle Arbeitnehmer zu überprüfen. Ein Risiko von verbotenen Gehaltszahlungen an gelistete Personen sieht Thyssen-Krupp nicht: Man überweise die Gehälter - und die Banken seien ohnehin dazu verpflichtet, Kontoinhaber zu überprüfen. Anders ist die Lage bei Geschäftspartnern und Kunden. Hier gleicht der Ruhrkonzern selbst die Namen automatisch mit den Terrorlisten ab.

Siemens dagegen prüft Mitarbeiter doppelt: vor jeder Gehaltszahlung gleicht der Münchner Industriekonzern die Mitarbeiter mit den Listen ab. "Bereits bei der Einstellung eines Mitarbeiters erfolgt eine entsprechende Prüfung gemäß dieser Regelungen."

Militärische Aufträge besonders sensibel

Ganz anders dagegen die Autobauer BMW und Volkswagen: Sie setzen ganz auf die Banken - diese seien eh verpflichtet, Kontoinhaber zu überprüfen. "Wir selbst brauchen da nicht auch noch aktiv zu werden", so ein VW-Sprecher.

Die Airbus Group wiederum, die eine große Verteidigungs- und Militärsparte beinhaltet, überprüft neue Mitarbeiter ganz genau. Und um in Sperrzonen zu gelangen, in denen besonders sensible Projekte betreut werden, müssen sich die Mitarbeiter mitunter vom Bundesinnenministerium durchleuchten lassen.

Gerade bei militärischen Aufträgen sind viele Sicherheitsaspekte in den Verträgen genau geregelt. So haben etwa beim Eurofighter nur Mitarbeiter aus den einzelnen Kundenländern Zugang zu bestimmten Informationen, die die unterschiedlichen Versionen des Kampfflugzeuges betreffen. Es gibt auch Fälle, in denen Kunden darauf bestehen, jeden einzelnen Mitarbeiter, der für einen Auftrag zuständig ist, aussuchen zu dürfen. Dies ist vor allem im Nahen Osten und in den USA üblich.

Die Kontrollen finden allerdings unabhängig von Terrordrohungen statt, sie dienen oft dem Schutz militärischer Geheimnisse oder schlicht dazu, der Konkurrenz keine Produktdetails zu offenbaren. Einem Sprecher zufolge sind die internen Sicherheitsrichtlinien nach den jüngsten Anschlägen in Frankreich und den aufgedeckten Terrorplänen nicht verschärft worden, denn sie seien oft langfristig geplant.