Der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet prüft einem Zeitungsbericht zufolge einen Börsengang seiner deutschen Tochter. Der Konzern habe Banker von Goldman Sachs, Morgan Stanley, ABN Amro und Deutsche Bank mit der Planung einer möglichen Aktienplatzierung betraut, berichtete die Financial Times. Der deutsche Arm von Tennet ist einer der vier großen Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, seine rund 14 000 Kilometer Stromnetz spannen sich von Schleswig-Holstein bis nach Bayern.
Das Unternehmen, das sich im Besitz des niederländischen Finanzministeriums befindet, hatte ursprünglich geplant, die deutsche Tochter an den Bund zu verkaufen. So wollten die Niederländer die Milliarden-Investitionen vermeiden, die das deutsche Stromnetz erfordert. Die Bundesnetzagentur geht für den gesamten Ausbau der Strom-Übertragungsnetze bis 2045 von Gesamt-Investitionen in Höhe von rund 320 Milliarden Euro aus.
Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich im Sommer noch stark gemacht für die Übernahme des Netzbetreibers durch die KfW; sie sollte ein wichtiger Schritt sein auf dem Weg zu einer gesamtdeutschen Netz-AG. So sollte für Planungssicherheit und ausreichende Kapitalstärke der Netzbetreibergesellschaft gesorgt werden, um Verzögerungen beim Netzausbau zu vermeiden.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit der staatlichen Förderbank KfW hatte der niederländische Staatskonzern neben dem nun geplanten Börsengang auch den Teilverkauf an private Investoren präsentiert. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur kommentierte im Juni: „Wir sehen, dass Tennet seine Netze weiter in erheblichem Umfang ausbauen will und wird. Die Investitionsbedingungen sind attraktiv, und wir gehen davon aus, dass Tennet alternative Investoren finden wird.“
Der Plan einer deutschen Netz-AG scheint aber erst einmal vom Tisch – lediglich die Option einer Minderheitsbeteiligung des Bundes wäre im Fall eines Börsenganges der Tennet TSO noch möglich.

