Handelskonzern So will Tengelmann neu anfangen

Der Name Tengelmann steht heute nicht mehr auf Supermarkt-Filialen. Zum Konzern gehören allerdings viele andere bekannte Ketten, darunter Obi, Kik und Tedi.

(Foto: dpa)

Nach dem Verschwinden von Chef Karl-Erivan Haub steht nun fest, wie es bei dem Handelskonzern weitergeht. Das Unternehmen wird künftig von dessen jüngerem Bruder geführt.

Von Michael Kläsgen

Acht Monate nach dem Verschwinden des Firmenchefs Karl-Erivan Haub in den Schweizer Bergen, steht nun fest, wie es bei dem internationalen Handelskonzern Tengelmann (Obi, Kik, Tedi) weitergeht. Die Unternehmensgruppe wird nicht in eine reine Beteiligungsfirma, ein sogenanntes Family Office, umgewandelt. Karl-Erivans jüngerer Brüder Christian Haub zieht mit seiner Familie von den USA nach Deutschland und übernimmt alle Funktionen, die bislang der Vertraute der Familie, Peter Zühlsdorff, übergangsweise für unbestimmte Zeit wahrgenommen hatte. Der ehemalige Wella-Chef Zühlsdorff wird von 2019 an nicht mehr für Tengelmann tätig sein, auch nicht beratend. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Unternehmenskreisen.

Christian Haub wird mit dem Jahreswechsel das Management des Handelskonzerns mit 7,5 Milliarden Euro Umsatz und weltweit mehr als 86 000 Mitarbeitern übernehmen. Er wird zudem von kommendem Jahr an Aufsichtsratsvorsitzender der Baumarktkette Obi sein, an der Tengelmann mit 74 Prozent beteiligt ist. Die Aufsicht über das Management der einhundertprozentigen Firmentöchter gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben, darunter der Immobilienentwickler Trei Real Estate und die Beteiligungsfirma Tengelmann Ventures, die Anteile an mehr als 70 Start-ups und Firmen hält wie Uber, Zalando und Delivery Hero.

Bisher hatte es geheißen, Christian Haub, 54, könne und wolle die Führungsrolle nicht auf Dauer übernehmen. Ziel sei es angeblich gewesen, eine extern gemanagte Beteiligungsholding aufzubauen. Christian Haub habe die Rolle des alleinigen Geschäftsführers der Tengelmann-Gruppe nur vorübergehend übernommen. Er lebe in den USA und wolle dort seinen Lebensmittelpunkt behalten. Angeführt wurde auch, dass er den amerikanischen Lebensmittelfilialisten A&P in die Pleite geführt habe, weshalb er damals auf Wunsch seines Bruders Karl-Erivan und seines Vaters nicht mehr operativ tätig, sondern vor allem mit der Vermögensverwaltung betraut gewesen sei.

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Nun verlässt Haub mit seiner Familie Greenwich, einen Vorort von New York City, in dem viele Reiche leben, und zieht nach Nordrhein-Westfalen. "Eine reine Verwaltung von Vermögen und Beteiligungen kann ich mir nicht vorstellen", habe Christian Haub im April gesagt, und das gelte weiter, sagt ein Berater. "Im Herzen sind wir Händler, und wir werden immer unternehmerisch und operativ tätig bleiben." Zu gegebener Zeit soll die nächste Generation übernehmen.

All jene Vertrauten, welche die Umwandlung in eine Beteiligungsholding favorisierten, scheiden aus. Neben Zühlsdorff auch einer, den manche schon als künftigen Chef der Holding gesehen haben: der Düsseldorfer Rechtsanwalt Thomas Kramer. Er war 20 Jahre lang für Tengelmann tätig, zehn davon saß er als Vorsitzender im Beirat der Unternehmensgruppe, in dem wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden.

An seiner Stelle positioniert Haub einen Freund der Familie, Franz Markus Haniel, den Aufsichtsratschef des gleichnamigen Handelskonzerns aus Duisburg, der sich über die Jahre seinerseits zu einer Beteiligungsholding entwickelt hat. Auf Franz Markus Haniel fiel die Wahl, weil er die "Wertschätzung und das Vertrauen aller Gesellschafterstämme" genießt. Zwischen den Familien der drei Brüder, neben Karl-Erivan und Christian ist da noch Georg Haub, sollen in vielen Fragen Differenzen geherrscht haben. Als Geste der Versöhnung interpretieren Beobachter, dass Christian Haub seinen ältesten Bruder Georg zurück in den Beirat geholt hat. Georg Haub gilt als das schwarze Schaf in der Familie und wurde lange Zeit aus unterschiedlichen Gründen, die seinen Lebenswandel betrafen, ausgegrenzt.

Noch ist Karl-Erivan Haub nicht für tot erklärt worden

Zu den Veränderungen, die das Verschwinden von Karl-Erivan Haub bewirkt hat, gehört auch der geplante Verkauf des Unternehmenssitzes. Für die weitläufige Zentrale in Mülheim an der Ruhr ist nach Informationen der SZ ein Verkaufsmandat erteilt worden. Tengelmann will das nicht kommentieren. Der Verkauf wäre ein historischer Schritt. Das vor mehr als 150 Jahren gegründete Familienunternehmen ist auf diesem Gelände zu seiner heutigen Größe gewachsen. Es liegt etwas abseits des Stadtzentrums von Mülheim in der Nähe der Ruhr und ist so groß wie sieben Fußballfelder. Inzwischen verlieren sich aber nur noch wenige Mitarbeiter in dem Flachbau aus roten Ziegelsteinen. Viele langjährige Tengelmänner und -frauen haben die Firma stillschweigend verlassen. Es herrscht eine gespenstige Atmosphäre.

Zu klären sind auch noch der Nachlass von Karl-Erivan Haub und die Zahlung der Erbschaftsteuer. Noch ist er nicht für tot erklärt worden, auch wurde seine Leiche noch nicht gefunden. Sein offiziell erklärtes Ableben ist aber die Voraussetzung für viele Formalien, die alles andere als banal sind. So können die Hinterbliebenen, Karl-Erivan Haubs Frau und Kinder, dessen Anteil erst dann erhalten und in den Gesellschafterkreis eintreten.

Ein anderer Punkt ist die fällige Einkommensteuer für das noch laufende Jahr. Die Finanzbeamten sind dazu verpflichtet, sie einzuholen. Die Frage ist, wie sie das handhaben, wenn jemand offensichtlich nicht mehr lebt, aber noch nicht für tot erklärt wurde. Theoretisch könnte auch der Staat einen "Todesantrag" stellen, wie es im Juristendeutsch heißt. Das klingt pietätlos. Aber im Zweifelsfall, sagt ein Erbschaftsrechtler, sind die Behörden sogar dazu verpflichtet.

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