Prozess um verschwundenen BruderStaatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Tengelmann-Chef Christian Haub

Lesezeit: 2 Min.

Das Landgericht Köln beschäftigt sich mit Christian Haubs Aussagen zum Verschwinden seines Bruders.
Das Landgericht Köln beschäftigt sich mit Christian Haubs Aussagen zum Verschwinden seines Bruders. Lars Heidrich/IMAGO/Funke Foto Services

Sein Bruder Karl-Erivan Haub wurde nach seinem Verschwinden am Schweizer Matterhorn für tot erklärt. Oder lebt er noch? Die Staatsanwaltschaft wirft Christian Haub vor, mögliche Beweisfotos damals im Prozess nicht erwähnt zu haben.

Von Michael Kläsgen und Nadja Lissok

SZ bei Google bevorzugen

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, einer der damals reichsten Deutschen, war im April 2018 in Zermatt allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie ging lange Zeit davon aus, dass der damals 58-Jährige am Klein Matterhorn tödlich verunglückt ist. Acht Jahre später hat die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen seinen Bruder, den heutigen Tengelmann-Chef Christian Haub, erhoben. Ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte den Eingang der Anklageschrift vom 13. April der Deutschen Presse-Agentur, ohne den Namen des Beschuldigten zu nennen. Zuvor hatte das Manager Magazin berichtet.

Christian Haub wird vorgeworfen, 2021 im Verfahren um das Verschwinden seines Bruders eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte 2024 wegen Anfangsverdachts ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. In der Strafanzeige war unter anderem vorgebracht worden, dass dem Beschuldigten belastbare Hinweise darauf vorgelegen hätten, dass sein Bruder noch leben könnte. Diese habe Christian Haub aber in seiner Aussage nicht erwähnt. Am Ende des Verfahrens 2021 wurde sein Bruder für tot erklärt.

Laut Bericht des Manager Magazin soll es um vermeintliche Bilder einer Überwachungskamera gehen, die Karl-Erivan Haub in Moskau zeigen sollen. Christian Haub soll die Bilder von beauftragten Privatermittlern gekannt, aber vor Gericht nicht erwähnt haben. Er wiederum sagt, er habe seinen Bruder darauf nicht erkannt und die Bilder für Fälschungen gehalten. Auch das Gericht konnte die Echtheit nicht belegen. Ein Gutachten kam zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung der abgebildeten Person mit dem Verschwundenen lediglich bei 50 Prozent liegt. Trotzdem kursieren weiter die Gerüchte, Karl-Erivan Haub könnte noch leben und sei in Russland untergetaucht.

Karl-Erivan Haub verschwand vor acht Jahren in den Schweizer Alpen.
Karl-Erivan Haub verschwand vor acht Jahren in den Schweizer Alpen. MATTHIAS GRABEN/IMAGO/Funke Foto Services

Christian Haubs Anwalt Mark Binz wies den Vorwurf unrichtiger Angaben damals ebenso zurück wie heute. Es hätte für seinen Mandanten kein Motiv gegeben, etwas zu verschweigen, sagt Mark Binz zur Süddeutschen Zeitung. Außerdem erhebt er schwere Vorwürfe gegen den leitenden Ermittler. Er geht davon aus, dass das Gericht die Anklage nicht zulässt. Sollte dies doch geschehen, würde danach das Hauptverfahren eröffnet werden.

Nach dem Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub hatte Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des milliardenschweren Handelskonzerns übernommen, zu dem unter anderem der Textildiscounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.

Schon 2020 machten Gerüchte die Runde, Karl-Erivan Haub sei in Russland untergetaucht. Business Insider und Bunte verwiesen auf Fotos, auf denen Karl-Erivan zu sehen gewesen sein soll – mit einer 20 Jahre jüngeren Geliebten. In seiner Funktion als Tengelmann-Inhaber hatte er auf Pressekonferenzen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um seine Skepsis gegenüber Russland oder der ehemaligen Sowjetunion kundzutun. Nach seinem Verschwinden wurde jedoch bekannt, dass er offenbar häufiger und regelmäßig in Russland unterwegs war. Wie alle drei Brüder wurde er in Tacoma, USA, geboren, hatte aber offenbar auch einen russischen Pass.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Verschollener Tengelmann-Erbe
:Staatsanwälte ermitteln gegen den Bruder von Karl-Erivan Haub

Der Milliardär Karl-Erivan Haub ist seit einer Skitour in der Schweiz 2018 offiziell verschollen. Doch jetzt gibt es neue Fotos aus Russland. Sie könnten seinen Bruder Christian in Bedrängnis bringen. Der bestreitet die Vorwürfe.

SZ PlusVon Michael Kläsgen

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: