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Glasfaser-Ausbau:Zwei Anbieter, eine Leitung

Breitbandanschluss

Installation neuer Glasfaserkabel. Die Anschlüsse liefern schnelleres Internet, sind aber in manchen Regionen in Deutschland noch kaum verlegt.

(Foto: dpa)

In einer bundesweit einmaligen Partnerschaft kooperieren die Telekommunikationsunternehmen M-net und Deutsche Glasfaser beim Ausbau von Glasfaseranschlüssen.

Von Helmut Martin-Jung, München

Nelson Killius ist entwaffnend offen: Erfahrung beim Verlegen von Glasfaserleitungen für schnelles Internet habe sein Unternehmen nicht. Killius, Chef des Münchner Telekommunikationsanbieters M-net, ist aber sicher, eine gute Lösung dafür gefunden zu haben, wie der regionale Anbieter trotzdem mehr Kunden in Regionen gewinnen kann, in denen es kaum schnelle Anschlüsse gibt. Durch eine Kooperation mit einem Spezialisten: Deutsche Glasfaser.

Und so kam es zu einer bundesweit einmaligen Partnerschaft. Die Deutsche Glasfaser, ausgestattet mit reichlich Geld von Investoren, wird im Augsburger Umland Glasfaser-Leitungen verlegen. Und beide, M-net wie auch die Deutsche Glasfaser, werden dann - und das ist das Neue - zwar dieselben Leitungen nutzen, aber jeweils eine eigene aktive Technik installieren, so dass sie wie zwei unabhängige Anbieter arbeiten können.

"Wir werden uns da auch Konkurrenz machen", sagt Killius. Aber warum macht die Deutsche Glasfaser da mit? Schließlich verlegt das Unternehmen auch anderswo die schnellen Leitungen und vermarktet sie alleine. Chef Stephan Zimmermann sieht dennoch Vorteile für sein Unternehmen. Dessen Schwerpunkt liege ja vor allem auf dem Bau und dem Betrieb der Infrastruktur. Damit das sich aber rechnet, müssen auch genügend Kunden gewonnen werden.

Wenn aber nur ein Anbieter antrete, schaffe das "eine monopolartige Situation", sagt er, "das bezahlt man später immer". Für ihn ist das Wichtigste, dass die ohne staatliche Hilfe ausgebaute Infrastruktur auch ausgelastet ist. Mit einem zweiten Anbieter tue man sich da leichter, ist er sich sicher. Zudem sei M-net als regionaler Anbieter bereits bekannt und genieße viel Vertrauen. "Das überträgt sich auch auf die Partnerschaft", hofft er.

Der Vorteil für die potenziellen Kunden ist, dass sie zwischen zwei Anbietern wählen können. Da diese jeweils eigene Technik einsetzen, können diese Angebote auch verschieden sein, keiner der beiden Partner ist vom anderen abhängig. M-net-Chef Killius verspricht hohe Bandbreiten im Gigabitbereich, besonderen Wert wollen die Münchner dabei auf die Bandbreite für den Upload legen. Wer also große Dateien hochlädt, etwa Videos zu einem Cloudanbieter, profitiert davon. Auch für Videokonferenzen im Home-Office spielt die höhere Upload-Kapazität eine Rolle.

Die Glasfaser-Leitungen sollen bis in die Häuser gelegt werden

Um den Ausbau zu stemmen, wird die Deutsche Glasfaser rund 100 Millionen Euro investieren - ihr bis dato größtes Engagement in Bayern. Die weitere Technik schlägt dann noch einmal mit etwa zehn Millionen Euro pro Anbieter zu Buche. In der ersten Phase werden die beiden Partner jeder für sich auf Kundenakquise gehen. Später werden sie den Zugang zu dem Netz aber auch anderen Konkurrenten anbieten, so dass es noch mehr Wahlmöglichkeiten gibt. Diese Anbieter verfügen aber nicht über eigene aktive Technik und können daher auf dem Netz nicht so schalten und walten, wie sie wollen.

Die Partner betonen, dass die Glasfaser-Leitungen bis in die Häuser gelegt werden, nicht bloß bis zum nächsten Verteiler-Kasten. Die Glasfaser ende im Idealfall direkt am Router des Kunden. Dadurch komme die volle Bandbreite bei den Nutzern an. Große Grabungsarbeiten sind dafür auf den Grundstücken nicht nötig, erklärt Stephan Zimmermann. Die im Gehweg verlegten dünnen Kabel würden mit einer sogenannten Erdrakete vom Gehsteig bis zur Hausmauer gebracht. Davor finde stets eine Begehung statt. Wer in der Anfangszeit einen Vertrag mit einem der Anbieter schließt, muss dafür auch nichts bezahlen.

Weil die beiden Partner durchgehend mit Glasfaser arbeiten, fallen nicht nur Verluste durch die Umwandlung von Lichtimpulsen in elektrische Signale weg. Damit könnten bei steigendem Bedarf auch höhere Bandbreiten im Terabit-Bereich angeboten werden, sagt M-net-Chef Killius. Über die nötigen Kapazitäten im Backbone - also den Hauptleitungen - verfüge man durch den Bayernring. Auch der ist rein photonisch und stellt Bandbreiten bis zu 76 Terabit pro Sekunde über eine Glasfaser zur Verfügung.

© SZ
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