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Telekommunikation - Kiel:5G-Netz soll autonome Fahrten auf Kieler Förde ermöglichen

Deutschland
"5G" steht in Leuchtbuchstaben am Stand des Glasfaserkabelherstellers YOFC auf der PT Expo. Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Kiel (dpa/lno) - Autonom fahrende Personenfähren sollen künftig die Kieler Förde queren. Dafür entsteht ein superschnelles 5G-Mobilfunknetz. Dieses soll auch dazu beitragen, die Lagerhaltung des Kieler Hafens zu optimieren und Segelsportler zu trainieren. Eine Vereinbarung über das Projekt "Förde 5G" unterzeichneten am Mittwoch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter und die Vizepräsidentin der Kieler Universität, Karin Schwarz.

Wann die autonomen Fähren an den Start gehen werden, ließen die Beteiligten offen. Finanzielle und juristische Fragen sind ebenso noch zu klären wie die Frage, welche Werft die vielleicht etwa 20 Meter langen und möglicherweise mit grünem Wasserstoff angetriebenen Schiffe bauen wird. Zunächst wird Vodafone bis Ende 2021 den zur Innenstadt gehörenden Teil der Förde mit 5G ausstatten. Damit sollen Sensoren, Schiffe und Menschen in Echtzeit Daten und andere Informationen austauschen können.

"Wir wollen Digitalisierung auf der Erde, in der Luft und auch am Wasser", sagte Vorstandschef Ametsreiter der Deutschen Presse-Agentur. Das Kieler Projekt sei ein Beispiel dafür. Vodafone stellt dafür zunächst neun 5G-Antennen auf; weitere sollen folgen. "Wir bauen hier die Infrastruktur für ein Stück Zukunft", sagte Ametsreiter.

Das 5G-Projekt ist Teil einer 2019 gestarteten und vom Bund geförderten Initiative namens "CAPTN" (Clean Autonomous Public Transport/Sauberer autonomer öffentlicher Verkehr). Sie könnte darauf hinauslaufen, mit einer Kombination aus autonom fahrenden Bussen und Förde-Fähren den Nahverkehr in Kiel zu revolutionieren.

Mit dem 5G-Projekt bekomme die Digitalisierung in Kiel einen neuen Schub, sagte Oberbürgermeister Kämpfer. Die Mobilität solle damit intelligenter und umweltfreundlicher werden. Autonom fahrende Fähren seien ein hochkomplexes Thema, sagte Minister Buchholz. "Das kann auf der Welt noch keiner." Buchholz sprach von einem guten Tag für die Innovationskraft des Landes. Er sei sicher, dass eine Werft für den Bau der Fähren gewonnen werden kann.

Das Bundesverkehrsministerium fördert die Konzeption von "Förde 5G". Mittel für die Umsetzung werden beantragt. Im Rennen um weitere Bundesmittel hat es das Kieler "CAPTN"-Projekt in die Runde der letzten 16 von 137 Bewerbungen geschafft. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat angekündigt, bis zu sieben sogenannte Zukunftscluster mit jeweils bis zu fünf Millionen Euro jährlich zu fördern.

Das vom Land unterstützte Kieler "CAPTN"-Projekt steht unter Leitung der Kieler Uni. Es sieht emissionsarm betriebene und autonom fahrende Personenfähren vor, die direkt an den Busverkehr angebunden werden. Zahlreiche Arbeitsgruppen der Universität aus diversen Bereichen wie Technik, Informatik, Recht, Innovations- und Akzeptanzforschung, Experten der Fachhochschule und Industriedesigner der Muthesius Kunsthochschule beteiligten sich seit 2017 zusammen mit Firmen der Werft- und Zulieferindustrie an der technologischen Umsetzung.

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