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Telekom:Konzern will in den USA Marktführer sein

T-Mobile US

Geschafft: Die Fusion der Mobilfunkanbieter Sprint und T-Mobile (hier eine Filiale am New Yorker Times Square) ist vollzogen.

(Foto: Christoph Dernbach/dpa)

Nach viel Hin und Her sind T-Mobile und Sprint jetzt ein Konzern.

Von Benedikt Müller, Köln

Jahrelang haben sie in Bonn gerungen, nun meldet die Deutsche Telekom Vollzug: Ihr mit Abstand wichtigstes Tochterunternehmen T-Mobile in den USA hat sich pünktlich zu Quartalsbeginn mit dem Konkurrenten Sprint zusammengeschlossen. "Die Fusion bringt uns in eine starke Position auf diesem wichtigen Schlüsselmarkt", lässt sich Telekom-Chef Tim Höttges zitieren. "Klasse, dass uns als europäischem Unternehmen das gelungen ist."

T-Mobile und Sprint erwirtschaften zusammen mit etwa 140 Millionen Kunden einen Jahresumsatz von etwa 70 Milliarden Euro. Damit schließen die Nummer drei und Nummer vier des US-Mobilfunkmarkts zu den Marktführern AT&T und Verizon auf. Damit nicht genug: Perspektivisch habe T-Mobile die Chance, Nummer eins zu werden, heißt es von der Telekom.

Für den Konzern ist dies der Höhepunkt eines wechselvollen Abenteuers. Noch 2011 war die Telekom mit dem Versuch gescheitert, ihr jahrelang schrumpfendes US-Geschäft zu verkaufen. In der Folge erhielt T-Mobile jedoch zusätzliche Funkfrequenzen, übernahm einen Konkurrenten, gewann an Kunden und an Börsenwert. Der Bonner Mutterkonzern finanzierte den Netzausbau in Übersee kräftig mit.

In den vergangenen knapp zwei Jahren haben denn mehrere Behörden die Fusion von T-Mobile und Sprint geprüft und unter Auflagen freigegeben. Demnach müssen die Unternehmen einen Teil ihres Geschäfts und ihrer Frequenzen an den Netzbetreiber Dish abgeben.

Zugleich haben sich die Telekom und der Sprint-Großaktionär Softbank aus Japan nach langem Hin und Her auf die Modalitäten des Zusammenschlusses geeinigt. So hält die Telekom fortan etwa 43 Prozent der Anteile am neuen Gemeinschaftsunternehmen. Die Bonner haben sich aber umfassende Stimmrechte gesichert; mithin kann die Telekom das wachsende Amerikageschäft auch künftig in ihrer Konzernbilanz ausweisen. Das ist den Bonnern wichtig, steuerte T-Mobile doch zuletzt 45 Prozent zum Betriebsgewinn der Telekom bei.

Für Aktionäre bringt die Fusion zunächst Einschnitte mit sich. So wird es Milliarden kosten, die Netze von T-Mobile und Sprint zusammenzuführen und den schnellen Mobilfunkstandard 5G auch in ländlichen Regionen der USA auszubauen. Auch deshalb sollen die Anteilseigner in diesem Jahr nur 60 Cent Dividende je T-Aktie erhalten, nach 70 Cent im Vorjahr. Mittelfristig erhoffen sich T-Mobile und Sprint freilich Milliardeneinsparungen, etwa bei Antennenplätzen oder in der Verwaltung. Der Telekom zufolge sollen die Synergien in drei Jahren die Integrationskosten übersteigen. An der Börse verlor der Konzern am Mittwoch in einem schwachen Marktumfeld zeitweise zwei Prozent an Wert.

© SZ vom 02.04.2020
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