Mobilfunk:Telekom-Chef hält Ausbauziele fürs Handynetz für unrealistisch

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Handymast auf dem Land in Rheinland-Pfalz: Telekom-Chef Höttges hält die Ausbauziele der Bundesnetzagentur für unrealistisch. (Foto: Andreas Arnold/dpa)

Die Bundesnetzagentur will Mobilfunk-Konzerne zwingen, mehr Masten auf dem Land zu bauen. Tim Höttges findet das unnötig teuer. Ein anderer Vorschlag der Behörde regt ihn sogar noch mehr auf.

Von Björn Finke, Düsseldorf

Timotheus Höttges ist wütend: Die Sache habe ihn "auf die Palme gebracht", sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom. Der 61-Jährige präsentierte am Donnerstag solide Quartalszahlen für das Bonner Dax-Unternehmen, doch am Ende seiner Rede knüpfte er sich die Bundesnetzagentur vor. Denn die Nutzungsrechte für bestimmte Mobilfunkfrequenzen, die von der Telekom und den Rivalen Vodafone und O2 verwendet werden, laufen Ende 2025 aus. Und die Bonner Behörde schlug Anfang der Woche vor, diese Lizenzen nicht neu zu versteigern, sondern für fünf Jahre zu verlängern - aber unter Auflagen, die Höttges zutiefst missfallen.

Der Verzicht auf eine Auktion spart den Konzernen Geld. Im Gegenzug sollen diese nach dem Willen der Behörde mehr in den Netzausbau auf dem Land investieren. Bis 2030 sollen auf 99,5 Prozent der Landfläche Deutschlands Handyverbindungen mit einer Datenübertragungsrate von 50 Megabit pro Sekunde möglich sein. Die Bürger sollen also nahezu überall nicht nur telefonieren, sondern auch per Handy Videos streamen können. Höttges bezeichnet das als "völlig realitätsfern, nicht verhältnismäßig" und unnötig teuer. In jedem Wald eine schnelle Verbindung zu ermöglichen, bringe den Kunden wenig. Zudem sei es schwierig, in Wäldern und Naturschutzgebieten Standorte für Handymasten zu finden.

Als Reaktion auf die Kritik sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur, man halte diese Auflage für angemessen. Marcel de Groot, Deutschlandchef des Telekom-Konkurrenten Vodafone, nannte die Vorgaben der Behörde "extrem ambitioniert und herausfordernd".

Noch mehr als über das Ausbauziel regt sich Höttges aber darüber auf, dass die Netzagentur den neuen vierten Netzbetreiber 1&1 unterstützen will. Da die Auktion ausfällt, kann die Tochter von United Internet keine Frequenzen ersteigern. Deshalb sehen die Auflagen vor, dass Telekom, Vodafone oder O2 den kleinen Rivalen bestimmte Frequenzen mitnutzen lassen müssen. Höttges argumentiert, dass 1&1 solche Gefälligkeiten nicht verdient habe, denn das Unternehmen habe Auflagen zum eigenen Netzausbau gebrochen. 1&1 hat 2019 Frequenzen ersteigert - und sich verpflichtet, bis Ende 2022 mindestens 1000 5G-Antennen zu errichten. Gebaut wurden bloß fünf. Die Bundesnetzagentur eröffnete daher vor einem Jahr ein Bußgeldverfahren. Die Firma gibt jedoch ihrem Dienstleister, dem Funkturmbetreiber Vantage Towers, eine Mitschuld.

Höttges will sich "mit Haut und Haaren" wehren

Höttges wirft 1&1 ungnädig vor, immer die Schuld bei anderen zu suchen. Die Netzagentur stelle einem Anbieter, der viel zu wenige der teuren Antennen errichte, nun einen "Freifahrtschein" aus - das sei "ein politischer Skandal" und "ein fatales Signal für unsere Industrie", sagt er. Die Telekom jedenfalls werde ihre Frequenz-Kapazitäten "mit Haut und Haaren verteidigen" gegen den Zugriff von 1&1. Dies sei auch wichtig für die Qualität des Telekom-Netzes.

Die Geschäfte bei Höttges Firma liefen zu Jahresanfang solide. Der Umsatz betrug 28 Milliarden Euro, ein Plus von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Betriebsgewinn des Konzerns mit weltweit 201 000 Beschäftigten stieg sogar um sechs Prozent. Unter dem Strich blieben 2,2 Milliarden Euro Gewinn hängen.

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