Telekom-Chef René Obermann Gekommen, um zu bleiben

Selbst ehemalige Gegner attestieren Telekom-Chef René Obermann gute Leistung - jetzt will der Aufsichtsrat seinen Vertrag verlängern. Vorzeitig um fünf Jahre.

Von Caspar Dohmen

Als René Obermann 2006 die Führung der Telekom übernahm, da schlug ihm Skepsis entgegen. "Zweifel an der heiklen Personalie sind zumindest angebracht. Selbst bei der Telekom kursieren bereits brisante Papiere, die die bisherige Leistung des Jung-Stars infrage stellen", schrieb das Nachrichtenmagazin Spiegel, wenige Tage nachdem Obermann befördert worden war. Vorschusslorbeeren sehen anders aus. Vier Jahre später attestieren ihm selbst ehemalige Gegner eine gute Leistung - nun soll er eine fünfjährige Verlängerung bekommen. Eine entsprechende Entscheidung des Aufsichtsrates bei seinem Treffen am Donnerstag gilt als sicher.

Telekom-Chef René Obermann hat sich als Sanierer bewährt.

(Foto: Reuters)

"Zu Recht", sagen übereinstimmend Vertreter von Kapitalseite und Arbeitnehmern in Aufsichtsratskreisen. Das Gremium hätte diese Entscheidung bequem vertagen können, denn der Vertrag des 47-jährigen Telekom-Chefs läuft erst im November kommenden Jahres aus. Dass dieser frühe Termin gewählt wurde, zeigt auch, dass das Gremium um Aufsichtsratschef Ulrich Lehner ein klares Signal geben will. Denn Obermann, der 1998 bei der Telekom anheuerte, nachdem er zuvor schon ein eigenes Unternehmen in der Mobilfunkbranche aufgebaut hatte, hat sich als Sanierer bewährt.

Vermutlich wäre es auch nicht so leicht, den Mann zu ersetzen. Es gibt - im Vergleich der 30 im Dax notierten deutschen Unternehmen - besser bezahlte Jobs als jenen des Telekom-Chefs, zugleich zählt der Posten zu den besonders schwierigen Führungsaufgaben in der deutschen Wirtschaft: Die zahlreichen Telekommunikationsgesetze, die regulierende Bundesnetzagentur und die EU-Kommission engen den Handlungsspielraum deutlich ein. Nicht zuletzt sitzt dem Telekom-Chef ein schwieriger Großaktionär im Nacken, der Bund, auf dessen auch politische Befindlichkeiten er Rücksicht nehmen muss, wenn er seinen Job behalten will.

Obermann habe all diejenigen Lügen gestraft, die der festen Überzeugung waren, ein Telekomchef könne angesichts der vielen Sachzwänge kaum Änderungen durchsetzen, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Tatsächlich hatte der Manager schon wenige Monate nach seinem Start ein großes Umbauprojekt begonnen: Er gliederte rund 50.000 Mitarbeiterstellen in neue Servicegesellschaften aus. Deren Beschäftigte gehören zwar weiter zum Reich der Telekom, müssen aber nun länger für weniger Geld arbeiten.

Um dies umzusetzen, legte sich Obermann mit der mächtigen Gewerkschaft Verdi an. Sie rief zum Streik auf, dem ersten in der Geschichte der Telekom. Wochenlang protestieren Beschäftigte, Obermann wurde als "Dobermann" und "Bulldozer" kritisiert. Doch er gab nicht nach. Immer wieder betonte er, dies sei die einzige Möglichkeit, um bestimmte Tätigkeiten im Konzern zu halten. Heute sagt er im Rückblick: "Darauf sind wir echt stolz, wir haben personalintensive Dienstleistung in den Konzern zurückgeholt und 50.000 Menschen dauerhaft eine berufliche Perspektive geboten."

Obermann hat viele Kraftproben mit den Arbeitnehmervertretern ausgetragen, etwa als es um die Schließung von Call-Centern ging oder derzeit wegen der Zusammenlegung von Vertriebseinheiten für Geschäftskunden. Regelmäßig muss sich der Manager in solchen Situationen auch mit wütenden Bürgermeistern und Landräten auseinandersetzen - dies ist das Erbe der Struktur der Telekom, die als ehemalige Fernmeldebehörde bis in fast jede Gemeinde reicht und häufig ein wichtiger Arbeitgeber ist. Er versuche es mit Argumenten, sagte Obermann kürzlich auf die Frage, wie er den Konzern mit weltweit 260.000 Beschäftigten führe. Wenn dies nicht helfe, dann müsse man "im Zweifelsfall auch das ein oder andere Mal durchgreifen" .