Telekom-Chef Obermann "Wir haben viel um die Ohren bekommen - zu Recht"

René Obermann, scheidender Chef der Telekom, übt Selbstkritik.

Der scheidende Telekom-Chef René Obermann zieht im SZ-Interview eine Bilanz seiner Arbeit. Er spricht über einen Karrierestart ganz unten und die Frage, was Europa tun muss, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann, gibt sich kurz vor seinem Abschied selbstkritisch. "Wir haben viel um die Ohren bekommen. Und zu Recht, weil wir reichlich ungeschickt kommuniziert haben", sagte Obermann der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf die öffentliche Diskussion um die Tempobremse im Internet. "Das war quasi eine Steilvorlage für alle Kritiker. So was fängt man heutzutage nicht mehr ein", sagte Obermann.

Im April hatte die Deutsche Telekom angekündigt, bei Flatrate-Tarifen Volumenbeschränkungen einzuführen. Das hatte zu massiven Protesten geführt. Obermann sagte weiter: "An der Kritik ist ja auch was dran: Unsere Branche hat sich nicht gerade durch Angebotstransparenz hervorgetan. Die Leute verstehen oft die Tarife nicht. Das werden wir verbessern."

Der Vorstandschef der Telekom, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet, erwartet zudem weitere Zusammenschlüsse in der Telekommunikations-Branche. "Die Konsolidierung muss auch in Europa stattfinden. Die Zersplitterung des Marktes führt dazu, dass die hiesigen Telekommunikationskonzerne nicht auf Augenhöhe zum Beispiel mit den amerikanischen Internetkonzernen oder den asiatischen Infrastrukturausrüstern verhandeln können", so Obermann. Die europäischen Firmen liefen so auf Dauer Gefahr, zerrieben zu werden.

Obermann fordert, dass die EU-Kommission eingreift: "Eine kluge Industriepolitik für den ITK-Sektor in Europa ist überfällig. Dabei gilt auch: Wir brauchen einen einheitlichen Datenschutz nach deutschem Muster." Dabei gehe es unter anderem um moderne Verschlüsselungstechnologien. Obermann: "Wir brauchen innerhalb Europas einen besseren Werkzeugkasten, um den Schutz zu erhöhen. Ich sehe nicht ein, warum wir das Feld für immer verloren geben sollten."

Das komplette Interview lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf dem iPad und Windows 8.